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Carmen auf Cuba

Die Oper „Carmen“ erlebte diverse Umdeutungen. Nun kommt sie als erstes kubanisches Musical auch nach Sachsen.

© BB Promotion/J. Persson

Von Jonas-Erik Schmidt

Als „Carmen“ 1875 Uraufführung feierte, war es schlicht unvorstellbar, dass sich in einigen Jahren noch irgendwer für diese Oper interessieren könnte. Orchester und Chor hatten schon während der Proben gegen die schwierige Musik und den anspruchsvollen Gesang gemeutert, bei Kritik und Publikum fiel die Geschichte durch. Eine Zigeunerin, die sich in einen Sergeanten verliebt und ihn in den Untergang treibt? Das war nicht standesgemäß.

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Wie sehr die Zeitgenossen damals irrten, lässt sich derzeit in Köln beobachten, wo „Carmen la Cubana“ Deutschland-Premiere feierte. Der Stoff, der einst in einer Novelle von Prosper Mérimée entwickelt und von Georges Bizet (1838 – 1875) zur Oper gemacht wurde, erlebt seine nächste Inkarnation – als Musical im Kuba-Setting. Statt eines klassischen Orchesters sitzt eine Latin-Big-Band auf der Bühne, die Handlung wird in das Kuba in den Tagen der Revolution verlegt. Nach Köln sind auch Shows in Leipzig, Frankfurt, Berlin und München geplant.

„Es ist das erste kubanische Musical in Deutschland. Eigentlich ist das ungewöhnlich, weil Kuba für Musik und Tanz ja bekannt ist. Für Musicals galt das aber bislang nicht“, sagt Produzent Ralf Kokemüller von BB Promotion. Weltpremiere hatte das Stück 2016 in Paris gefeiert. Für die Orchestrierung ist Alex Lacamoire zuständig, der unter anderem für seine Arbeit am Broadway-Megaerfolg „Hamilton“ einen Grammy gewonnen hat -– und kubanische Wurzeln besitzt.

Die alten Arien von Bizet sind nun musikalische Nummern und mit kubanischen Stilen variiert. Ausgangspunkt dafür wiederum ist eine „Carmen“-Bearbeitung aus den 40er-Jahren: „Carmen Jones“ von Oscar Hammerstein II. Hauptdarstellerin Luna Manzanares Nardo stammt aus Havanna. Sie hat nicht unbedingt eine klassische Opern-Stimme, kann aber Soul und Jazz. Die Titelheldin dreht Zigarren. Mit dem Soldaten José, der sie nach einem Streit in der Zigarrenfabrik ins Gefängnis bringen soll, bandelt sie an, obwohl der verlobt ist. Das Schicksal führt das Paar nach Havanna, wo die Revolution in vollem Gange ist. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern. Als Carmen dem Boxer El Niño näherkommt, läuft es auf ein tragisches Finale hinaus.

Ob die opulente Musical-Aufführung damit in den umfangreichen Kanon der großen „Carmen“-Variationen vordringt? Bizets Geschichte um die starke, freiheitsliebende Carmen gehört zu den meistgespielten Stücken überhaupt. Die Geschichte wurde verfilmt, es gibt Ballett- und Theaterinszenierungen. Und es gibt eine Parodie von Charlie Chaplin. Das hätte damals, 1875, wirklich niemand vermutet. (dpa)

„Carmen la Cubana“ vom 21. bis 26. August in der Oper Leipzig; Kartentel. 0341 1261261