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Caruso in der Markthalle

Bei der größten Kreisschau der Rassegeflügelzüchter sind 891 Hühner, Gänse, Enten, Puten und Tauben zu sehen.

© Sebastian Schultz

Von Jürgen Müller

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Staucha. Es geht laut zu in der historischen Markthalle in Staucha am Freitagvormittag. Doch das Geschnatter kommt nicht aus den Käfigen, in denen 891 Hühner, Enten, Gänse, Puten, Tauben ausgestellt sind, sondern aus den Kehlen von rund 100 Kindern. Die Mädchen und Jungen aus den Kindertagesstätten aus Staucha, Stauchitz, Salbitz und Naundorf sowie aus der Grundschule Hof sind die ersten, die die Rassegeflügelausstellung des Geflügelzüchterverein Stauchitz und Umgebung sehen können, schon einen Tag vor der Eröffnung.

Vereinschef Steffen Kretzschmar ist mit seinem Hahn „Caruso“ und weiteren Tieren auf der Kreisschau vertreten. 98 Züchter zeigen in der Markthalle in Staucha 891 Tiere. © Sebastian Schultz

Vereinschef Steffen Kretzschmar aus Salbitz ist im Stress, zeigt den Kindern verschiedene Rassen. „Irgendwie haben wir ja auch einen Bildungsauftrag. Für manche Kinder kommen die Frühstückseier ja aus der Pappe, und Kühe sind Lila“, sagt der 52-Jährige und lacht. Schon seit 1978 gehört er dem Verein an, ist seit zehn Jahren deren Chef. 39 Erwachsene und neun Jugendliche hat der Verein, der 1904 gegründet wurde, heute.

Ein Männerverein

Und ist im Wesentlichen ein Männerverein. Nur vier Frauen und zwei Mädchen gehören ihm an. Die Mitglieder kommen fast paritätisch aus den Altkreisen Riesa und Oschatz, viele aus der Gemeinde Stauchitz, aber auch aus Strehla, Gröditz und dörflichen Riesaer Ortsteilen wie Jahnishausen oder Böhlen sowie aus Mügeln, Salbitz und Naundorf. Der Zulauf ist ungebrochen. „Auf dem Dorf gehört die Hühnerhaltung einfach dazu, auch zur Eigenversorgung“, sagt Steffen Kretzschmar. Und schränkt gleichzeitig ein. In manchen Dörfern sei die Geflügelhaltung durch zugezogene Neubürger nicht mehr erwünscht. In den Schlafsiedlungen, auch Eigenheimstandorte genannt, gäbe es so manchen, den das Schnattern von Enten oder das Krähen eines Hahnes störe, sagt er. „Dabei gehört das zum Dorfleben nun einmal dazu.“ Bei sich in Salbitz hat er jedenfalls keine Probleme, obwohl er 50 Zuchttiere und 200 Jungtiere, davon 100 Hähne, auf seinem Grundstück hält. Eines seiner Prunkstücke ist „Caruso“ ein porzellanfarbiger Federfüßiger Zwerg Isabell. „Caruso“ ist handzahm und deshalb vor allem bei Kindern beliebt. Und er ist stimmgewaltig.

Zur Hühnerzucht ist Steffen Kretzschmar eher zufällig gekommen. Bei einer Geflügelausstellung gewann er als Kind bei einer Tombola eine Gans. Gemeinsam mit weiteren Gänsen wurde sie bei den Kretzschmars aufgezogen und zu Weihnachten verkauft. Von dem Geld kaufte er sich seine ersten Hühner. Mittlerweile hat auch seine 16-jährige Tochter die Leidenschaft fürs Federvieh angesteckt. Mit seinen Tieren ist Steffen Kretzschmar, der als Bauhofleiter in der Gemeinde Naundorf arbeitet, schon preisgekrönt. So wurde er 2012 in Dänemark Europameister mit seinen Luchs- Tauben.

Historische Rassen erhalten

Er mag es nicht, wenn immer neue Rassen gezüchtet werden. Ihm ist wichtiger, dass historische Rassen erhalten bleiben. „ Die sind doch Kulturgut“, sagt er. So wie die Cröllwitzer Puten, die zu DDR-Zeiten gezüchtet wurden, nicht nur selbstbrütend sind, sondern auch Hühner- und Enteneier ausbrüten. Schönheit und Leistung sind bei Wettbewerben die entscheidenden Kriterien. Auch andere Vereinsmitglieder konnten mit ihren Züchtungen schon die Preisrichter überzeugen. So wurde Lutz Wackwitz siebenmal Deutscher Meister mit seinen Brahma-Hühnern, Karl-Heinz Wolf errang diesen Titel 2015 mit Strasser-Tauben.

Diese und viele andere Rassen sind am Sonnabend und Sonntag in der Markthalle zu sehen. Insgesamt stellen bei der Kreisschau 98 Züchterinnen und Züchter aus. Die Veranstalter hoffen wie im Vorjahr auf 700 Besucher. Es können auch Tiere gekauft werden.

Die Rassegeflügelschau findet am Sonnabend von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 15 Uhr in der Markthalle Staucha statt. Erwachsene zahlen 1,50 Euro Eintritt, für Kinder ab 13 Jahre werden 50 Cent verlangt.