Teilen:

Chance für sinnvollere Kopfnoten

© Robert Michael/SZ

Kopfnoten als alleiniges Kriterium zu betrachten, ist abwegig. Die Persönlichkeit des Bewerbers zählt längst mehr. Ein Kommentar von SZ-Redakteurin Andrea Schawe.

Das Verwaltungsgericht in Dresden hat nicht über den Sinn oder Unsinn von Kopfnoten entschieden. Es hat festgestellt, dass Kopfnoten das Recht des Schülers auf freie Berufswahl verletzen könnten – und dafür eine verfassungsgemäße Grundlage fehlt. Um ein Grundrecht einzuschränken, braucht es ein Gesetz. Eine Verordnung des Kultusministeriums reicht nicht aus.

Dass Unternehmer einen Schüler mit der Note 3 in Mitarbeit weniger gern einstellen, als einen mit einem „sehr gut“ ist nachvollziehbar. Allerdings ist es auch abwegig, Kopfnoten als alleiniges Kriterium zu betrachten. Die Persönlichkeit des Bewerbers zählt längst mehr.

Deswegen kann das Urteil auch eine Chance sein. Was sagt eine Drei in Mitarbeit eigentlich aus? Macht der Schüler ungern Hausaufgaben? Meldet er sich zwar fast nie im Unterricht, ist aber trotzdem aufmerksam und löst alle Aufgaben selbstständig und kreativ? Schließlich soll „Mitarbeit“ neben der Beteiligung im Unterricht auch etwas über Initiative, Kooperationsbereitschaft, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein aussagen. Das ließe sich in einer wörtlichen Einschätzung viel besser erklären.

Sachsen könnte die Entscheidung des Gerichts nutzen, um über einen besseren Weg nachzudenken, die Sozialkompetenz der Kinder zu beurteilen – und würde damit auch den Unternehmen helfen, die richtigen Bewerber für einen Ausbildungsplatz zu finden.

E-Mail an Andrea Schawe