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Chance für den „Alten Gasthof“?

Im Ortsteil Ullersdorf gibt es derzeit außer dem Imbiss am Sportplatz keine Gaststätte. Kommt ein alter Bekannter?

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© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Ullersdorf. Natürlich kam die Frage. Und er hatte es geahnt. Als es am Wochenende am Ullersdorfer Dorfteich beim Dreikönigstreffen gemütlich zuging, bekam Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth (CDU) besagte Frage in regelmäßigen Abständen immer wieder gestellt. Die Frage nach einer Gaststätte im Radeberger Ortsteil.

Seit Herbst ist mit der „Schmiedeschänke“ an der Ullersdorfer Hauptstraße quasi die letzte Ausflugsgaststätte dicht, die Eigentümer des Gebäudes wollen das Haus verkaufen. Dass hier anschließend wieder Gaststättenleben einziehen wird, daran glaubt in Ullersdorf derzeit niemand so recht. Noch dazu, weil in den Jahren zuvor ja bereits die „Ullersdorfer Mühle“ am Ortseingang aufgegeben hatte, das Haus ist längst zur Uhrenmanufaktur geworden. Und auch das beliebte „Cafè Lissy“ ist geschlossen, seit Betreiberin Lissy Stauß in Rente gegangen ist. „Es ist einfach nicht einfach“, sagt Ortsvorsteher Wieth beim Blick auf das Thema Gastronomie in Ullersdorf. Und er weiß, wovon er redet. Immerhin versuchte er jahrelang, einen Pächter für den Ullersdorfer Gasthof – mitten im Ort – zu finden. Denn das Gebäude gehört der Stadt; „aber es fand sich niemand“, weiß Frank-Peter Wieth aus leidvoller Erfahrung. Nicht ohne Grund entschieden sich Ortsteil und Stadt, den Gasthof umzubauen. Nachdem der morsche Saal-Anbau des Gasthofs nun einer modernen Mehrzweckhalle samt zweier Klassenräume der benachbarten Grundschule gewichen ist, wird derzeit – im zweiten Bauabschnitt – auch der angrenzende „Gasthof“ umgebaut. Er soll zum Ortszentrum werden. Das Ortsamt wird hier einziehen, vielleicht auch eine Bibliothek, und im Obergeschoss sind Räume für Vereine geplant.

Aber nun, so sind etliche Ullersdorfer überzeugt, gibt es ja eine neue Situation. Abgesehen vom Imbiss am Sportplatz und dem Golfplatz-Restaurant gibt es keine öffentliche Gaststätte mehr im auch bei Wanderern so beliebten Ullersdorf, direkt an der Dresdner Heide. Zudem ist aktuell auch besagtes Restaurant auf dem Goflplatz-Areal geschlossen, zum Jahresende hat sich der langjährige Pächter Gianfranco Cretaro aus Ullersdorf verabschiedet. Es soll aber demnächst einen neuen Pächter geben, heißt es dazu. Noch laufen allerdings die Verhandlungen.

Wäre damit nicht zu überlegen, den Umbau des alten Gasthofs noch einmal umzuplanen? Doch noch eine Gaststätte zu schaffen? „Nein, ganz klar nein“, sagt Ortsvorsteher Wieth. Erstens wäre ein Baustopp samt Umplanung mit enormen Kosten verbunden, stellt er klar. Schon jetzt werden hier rund zwei Millionen Euro investiert. Und die Baupreise steigen jährlich nicht einfach nur, sie explodieren derzeit wegen der aktuell enormen Nachfrage auf dem Baumarkt regelrecht. Würde man den Bau also „anhalten“, würde es nicht bei zwei Millionen Euro bleiben. Außerdem, so der Ortsvorsteher, hätte die Stadt ja dann wieder das Problem auf dem Tisch, einen Pächter suchen zu müssen. „Ein Ort kann kein Restaurant betreiben, es braucht also einen Betreiber – und es ist uns ja schon in all den Jahren zuvor nicht gelungen, jemanden zu finden“, macht Frank-Peter Wieth klar. Was ja im Übrigen kein reines Ullersdorf-Problem ist. Auch im Radeberger Ortsteil Liegau-Augustusbad sucht man ja seit Jahren händeringend einen neuen Pächter für die „Silberdiele“ mitten im Ort. Auch dort sind die Bedingungen eigentlich perfekt, der Ortskern ist schmuck saniert, Liegau ist ebenso wie Ullersdorf bei Ausflüglern gefragt. Aber auch dort hat die Stadt Radeberg – der das Gebäude mit der „Silberdiele“ gehört – bisher keinen Erfolg bei der Suche gehabt. Die Bierstadt wird sich nun also sicher nicht noch eine zweite leer stehende Gaststätte sozusagen organisieren. „Der Bau wird also so weitergehen, wie er geplant ist“, unterstreicht Ullersdorfs Ortschef.

Dass es dabei durchaus den Bedarf für eine Gaststätte gibt, weiß auch der Ortsvorsteher. „Aber Gastronomie ist eben immer auch ein Geschäft, das von vielen Faktoren abhängig ist, vom Wetter zum Beispiel“, macht Frank-Peter Wieth deutlich, dass es einfachere Möglichkeiten gibt, sein Geld zu verdienen. „Wobei ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass sich doch noch jemand findet, der in Ullersdorf wieder eine Gaststätte eröffnet“, sagt er. Aber eben nicht im „Alten Gasthof“, so viel ist klar.