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„Chancen für einen Aufbruch“

CDU-Landtagsabgeordneter Geert Mackenroth versteht den Rücktritt als Signal für Berlin.

© privat

Kam der Rücktritt von Stanislaw Tillich auch für Sie überraschend?

Ja, der Rücktritt kam für alle überraschend, so auch für mich. Viele meinen, das sei so nicht nötig gewesen, eine Kabinettsumbildung hätte ausgereicht. Es ist aber eine höchstpersönliche Entscheidung des Ministerpräsidenten zu sagen: Jetzt kann und will ich den Karren nicht mehr ziehen. Ich respektiere diese Entscheidung.

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Hatte das sehr entschlossene Auftreten der sächsischen Landräte etwas damit zu tun?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube nicht, dass sich Stanislaw Tillich von den Landräten unter Druck setzen ließ – er kann mit Kritik durchaus umgehen. Eher schon hat ihn das eine oder andere verletzende Wort getroffen – auch das kann ich gut nachvollziehen.

Sie gelten nicht gerade als Tillich-Freund. Freut Sie der Rücktritt?

Echte Freundschaften gibt es in der Politik so gut wie nie. Unsere Frontleute halten für uns den Kopf hin, sie haben Anspruch auf unsere Loyalität. Ich empfinde angesichts der Gesamtsituation durchaus keinerlei Freude. Aber ich sehe mittlerweile die Chancen in Richtung einer Aufbruchsstimmung in meiner Partei. Wir gucken – mit Tillich, mit Kretschmer, mit allen – jetzt zuversichtlich nach vorn. Tillich erhielt in der gesamten Fraktion und Partei hohen Respekt für seine Entscheidung und Dank für seine Arbeit. Er übernimmt zudem Verantwortung für etwas, für das er nicht allein die Verantwortung trägt: Die Bundestagswahl war entscheidend bestimmt von der Flüchtlingskrise, ein reines Bundesthema. Für uns gilt: Wir verlieren gemeinsam, wir gewinnen gemeinsam. Tillich zeigt mit seinem Rücktritt, was politische Kultur ist im Freistaat – das darf auch gerne als Signal in Richtung Berlin gewertet werden.

Die Abgeordnete Daniela Kuge hat im Landesvorstand als Einzige und in der Fraktion als eine unter mehreren gegen Tillich-Nachfolger Michael Kretschmer gestimmt. Wie sehen Sie das?

Ich werde Details aus geschlossenen internen Sitzungen weder bestätigen noch dementieren. Grundsätzlich steht es jedem Mitglied in unserer Partei – gleich ob Mandatsträger oder einfacher Parteifreund – frei, seine Meinung zu Sach- wie Personalfragen kundzutun. Und das ist gut so. Allerdings muss man sich Mehrheiten suchen, wenn man seine Meinung umsetzen will. Ich halte den Personalvorschlag von Stanislaw Tillich für ausgesprochen gut, Michael Kretschmer ist ein prächtiger Mensch und ein hochtalentierter Politiker. Der Kreisverband hat sich ebenfalls bereits für ihn ausgesprochen. Warten wir ab, wer auf dem Landesparteitag Anfang Dezember Mehrheiten findet.

Was muss die CDU in Sachsen und im Landkreis Meißen jetzt tun?

Wir dürfen uns jetzt nicht mit theoretischen Diskussionen aufhalten, ob nun ein Rechtsruck, Linksdrall oder doch eher die Besetzung der Mitte das Richtige ist. Wir müssen jetzt in den von den Wählern benannten kritischen Punkten nachsteuern, praktische Politik vor Ort betreiben, dort wo wir auf Kreis- und Landesebene loslegen können. Die CDU muss verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen, das gelingt nur mit einer Politik der Ehrlichkeit und der Transparenz, gemeinsam mit dem Bürger. Bürgerdialoge, mitgliederoffene Vorstandssitzungen, öffentliche Veranstaltungen können die wichtigen Themen aufzeigen: Auf Kreisebene beispielsweise der ÖPNV, die Stärkung des ländlichen Raums insgesamt, die ärztliche Versorgung auf dem Land. Pragmatische Lösungen zur Finanzinfrastruktur in allen Gemeinden sind gefragt, die innere Sicherheit bleibt ein großes Thema.

Welche weiteren personellen Konsequenzen sind nötig?

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Es fragte Ulf Mallek.