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Chancen und Sorgen im Baugebiet

Die Stadt will Radebeul-West aufwerten. Doch die nicht alle Anwohner sehen Vorteile darin.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Die Tage der Linde vor der Stadt-Apotheke sind gezählt. Der Baum wird bald gefällt, weil er von einem Pilz befallen ist. Was hingegen mit den anderen, gesunden Bäumen auf der Bahnhofstraße passiert, steht noch immer nicht fest. In einer Befragung wollte die Stadt von den Radebeulern wissen, wie sie sich das Gesicht der Einkaufsstraße in West zukünftig wünschen. Gefragt wurde, ob die alten Bäume stehen bleiben sollen oder die Bürger eine Rodung bevorzugen, damit Raum für mehr Parkplätze geschaffen wird.

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Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Bis Ende August konnten die Bürger über drei verschiedene Gestaltungsvarianten abstimmen. Mit der Auswertung ist die Stadtverwaltung noch beschäftigt. Denn die Beteiligung der Bürger sei sehr groß gewesen, teilt Baubürgermeister Jörg Müller mit. „Viele Bürgerinnen und Bürger haben nicht die vorgefertigten Karten oder die Online-Abstimmung in Anspruch genommen, sondern uns ausführliche Briefe geschrieben.“ Müller hofft, dass bis Mitte der Woche alles ausgewertet ist.

Das bedeutet aber nicht, dass die Stadt dann zwingend eine der drei Varianten umsetzt, sagte der Baubürgermeister bei einer Bürgerveranstaltung. Wahrscheinlich werde sich die Stadt für eine vierte Variante entscheiden. Einige Bürger hatten zum Beispiel schräge Parktaschen vorgeschlagen. Sie denken, dass dadurch sowohl Platz für mehr Parkplätze als auch für die alten Bäume wäre.

Bei der Veranstaltung im Bürgertreff äußerten einige Anwohner auch ihre Kritik und Ängste im Zusammenhang mit dem Sanierungsgebiet. Dabei geht es vor allem ums Geld. Denn die Hausbesitzer müssen sich finanziell an der Sanierung beteiligen, prozentual in dem Maß, wie sich der Wert des Grundstücks durch die Sanierung erhöht.

Die Stadt muss laut Baugesetz diese Ausgleichsbeträge erheben. Einer der Anwesenden befürchtet aber, dass sein Grundstück in der Harmoniestraße durch das Sanierungsgebiet gar nicht an Wert gewinnt. Wenn der Schulstandort nebenan ausgebaut wird, könnte der Wert sogar sinken, glaubt er.

Andere Anwohner haben Sorge, dass ihre Vermieter die Ausgleichsbeträge auf die Mieten umlegen und sie zukünftig mehr für ihre Wohnungen bezahlen müssen. „Für uns werden unterm Strich nur die Mieten teurer“, sagte ein Anwohner. Ein anderer bezweifelte, dass wieder mehr Geschäfte auf der Bahnhofstraße öffnen, nur weil sie saniert wird.

Baubürgermeister Müller warb bei den Anwesenden um etwas mehr Vertrauen. In Radebeul-Ost seien durch das dortige Sanierungsgebiet auch neue Läden gekommen. „Wenn wir die Chancen, die sich durch ein Sanierungsgebiet ergeben nicht nutzen, haben wir schon verloren“, sagt er. Zur Höhe der Ausgleichsbeträge, welche die Hausbesitzer leisten müssen, konnte der Bürgermeister aber noch nichts sagen.

Feststeht, dass die Bewohner im Sanierungsgebiet ihre Gebäude nicht ohne Weiteres optisch verändern dürfen. Für das „Gesicht“ des Stadtgebietes gibt es Gestaltungsrichtlinien, an die sich alle halten müssen. Erarbeitet hat die das Architekturbüro Dr. Braun & Barth aus Dresden. Darin ist unter anderem festgelegt, dass Balkone nicht zur Straßenseite angebaut werden dürfen. Ebenso wie Dachterrassen. Die Häuser sollen auch nicht in grellen oder glänzenden Farben gestrichen werden. Ein reines Weiß ist als Fassadenfarbe auch nicht gewünscht.

Der Charakter des Stadtteiles soll bestehen bleiben. Ein Ziel sei deshalb auch der Erhalt der historischen Türen der Gründerzeithäuser. Vordächer, die in den Straßenraum ragen, sind nicht gewollt. Ebenso wenig wie zu viel Werbung an den Häusern. Werbeschriften dürfen nur zwischen dem Erdgeschoss und der ersten Etage angebracht werden. Werbung an Zäunen ist tabu. Komplette Glasfassaden oder Schaufenster, die ohne Sockel bis zum Gehweg reichen, soll es auch nicht geben.

Eine Bürgerin sagte, dass auf der Bahnhofstraße auch noch ein richtiger Schandfleck stehe: das Haus neben der Brücke, in dem im Erdgeschoss günstige Mode verkauft wird. Ob da was angedacht ist, wollte sie vom Baubürgermeister wissen. Eine Sanierung klappe nur dann, wenn der Eigentümer mitzieht, erklärte Müller. Im Sanierungsgebiet gebe es aber Möglichkeiten, Hausbesitzer finanziell zu unterstützen.