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Chefin der Agenten

Im Krieg gegen den Terror spielte Gina Haspel eine Schlüsselrolle bei Verhörpraktiken der CIA. Jetzt soll sie Direktorin werden.

© CIA/dpa

Von Thomas J. Spang, SZ-Korrespondent in Washington

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Der Präsident sprach von einer historischen Personalentscheidung. Erstmals werde mit Gina Haspel, bisher Stellvertreterin von CIA-Direktor Mike Pompeo, eine Frau die Leitung des US-Geheimdienstes übernehmen. Bevor es dazu kommt, muss der US-Senat die Nominierung bestätigen.

Analysten erwarten eine kontroverse Anhörung, weil die 61-Jährige eine umstrittene Rolle bei der Behandlung von US-Gefangenen im sogenannten „Krieg gegen den Terror“ spielte. Unter anderem leitete Haspel im Jahr 2002 in dem globalen Netz an CIA-Geheimgefängnissen die berüchtigte „Black Site“ in Thailand.

Dort folterte die CIA unter anderen al-Qaida-Terroristen. Freigegebene CIA-Dokumente aus der Zeit belegen, dass einer von ihnen binnen eines Monats 83-mal der „Waterboarding“ genannten Prozedur des simulierten Ertrinkens unterzogen und mit dem Kopf wiederholt an eine Wand geschlagen worden war.

Trump hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er an die Wirksamkeit von Folter glaubt. Kritikern hielt er Gespräche mit „Leuten auf den höchsten Ebenen“ der CIA entgegen, die vom Wert harscher Verhörtechniken überzeugt seien. Es blieb unklar, ob er damit Haspel meinte.

Glaubt man Aussagen von Regierungs-Insidern, spielte die designierte CIA-Direktorin auch eine führende Rolle bei der Zerstörung von Beweismaterial, wie Videos von Folter-Verhören. Eine Untersuchung des US-Kongresses endete ergebnislos. Die Bürgerrechtsbewegung ACLU äußerte sich bereits bei ihrer Beförderung zu Pompeos Stellvertreterin im Frühjahr 2017 besorgt.

Der führende Demokrat in dem für die Bestätigung zuständigen Senatsausschuss, Mark Warner, verlangte ebenfalls Zusicherungen, dass sich Haspel an das Gesetz halte. Dank einer Initiative des in Vietnam gefolterten US-Senators John McCain hat der Kongress Waterboarding und andere geächtete Verhörmethoden verboten.

Weitere Stationen in Haspels Karriere über drei Jahrzehnte bei der CIA waren Leitungsfunktionen in der Zentrale. Dort war sie auch für „verdeckte Aktionen“ im Ausland zuständig. Zudem leitete sie vorübergehend die CIA-Filiale in London.