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Chefin des Karl-May-Museums gekündigt

Es geht wohl um das große Neubauvorhaben. Die Mitarbeiter stellen sich hinter ihre Leiterin.

Von Peter Redlich

Radebeul. Was da im Karl-May-Magazin, einem Blog, am Sonntag erschien, schlug unter den Kennern des Radebeuler Karl-May-Museums wie eine Bombe ein. Die Leiterin des Museums, Claudia Kaulfuß (50), ist entlassen. Vom Vorstand der Stiftung heißt es: „Frau Kaulfuß scheidet aus der Geschäftsführung der Karl-May-Stiftung und der Karl-May-Museums gGmbH aus. Es besteht gegenseitiges Einvernehmen, die Entscheidung nicht zu kommentieren.“

Was ist geschehen, dass ausgerechnet die Frau geschasst wird, die in den letzten fast zehn Jahren penibel die Finanzen des Museums zusammengehalten hat? Mit ihr ging es auch mit den Besucherzahlen wieder bergauf. Nach drastischen Einbrüchen von 60 000 auf um die 50 000 Gäste kamen 2017 wieder mehr als 57 000, um Winnetou und Old Shatterhand zu besuchen.

Unter ihrer Führung beginnt gerade die Umgestaltung in der Villa Bärenfett zu einem modernen, interaktiven Erlebnismuseum. Und vor allem, es bestehen gute Aussichten, das große Neubauvorhaben mit dem neuen Haus und Parkplatz an der Meißner Straße auf die Reihe zu bekommen. Ein Acht-Millionen-Euro-Vorhaben. 5,4 Millionen davon stehen als Fördermittel von Bund und Land in Aussicht.

„Wir, die Mitarbeiter des Karl-May-Museums, sind zutiefst geschockt und empört über die völlig unerwartete außerordentliche fristlose Kündigung unserer langjährigen und verdienstreichen kaufmännischen Direktorin Claudia Kaulfuß. Die Nachricht über ihr plötzliches Ausscheiden wurde uns im Rahmen einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung ohne die Nennung einer für uns nachvollziehbaren Begründung überbracht“, heißt es in der Erklärung, die dreizehn Mitarbeiter unterzeichneten. So steht es im Blog.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) gehört neben Werner Schul (Vorsitzender), Ralf Harder (stellvertretender Vorsitzender), Thomas Grübner und Klaus Voigt zum Vorstand der Stiftung, die für das Museum verantwortlich zeichnet. Auch er zieht sich auf die zwei offiziellen Sätze zurück, will nicht sagen, was vorgefallen ist. Wendsche bestätigt lediglich, dass der Hohenstein-Ernstthaler Vorstandsvize Ralf Harder bereits als Übergangsmuseumsleiter eingesetzt ist.

Zu Vermutungen, dass der Grund für die Kündigung mit dem neuen großen Bauprojekt zusammenhängen könnte, sagt Wendsche nur: kein Kommentar. Wie die SZ anderswo erfuhr, ist aber offenbar genau das der Grund für die drastische Entscheidung. Claudia Kaulfuß hat offenbar als Geschäftsführerin der Stiftung ein Papier unterschrieben, das möglicherweise ihre Kompetenzen überschreitet.

Bei einem Vorhaben in dieser Größenordnung gibt es für die Architekten üblicherweise eine Entwurfsplanung und einen Generalplanvertrag. Ersterer ist nicht das Problem. Die Radebeuler Architekten vom Büro at2-architektur-tragwerk arbeiten bereits seit Jahren für das Projekt, haben, teils auch in Vorleistung, bis zu acht Varianten erarbeitet. Ein Generalplanvertrag darf allerdings erst nach einer Ausschreibung, in der Regel europaweit, unterzeichnet werden. Das besagen die Gesetze, wenn es Fördergeld geben soll. Es geht um über fünf Millionen Euro.

Ist Claudia Kaulfuß möglicherweise zu weit gegangen? Aus Dankbarkeit für die bisher geleistete Arbeit der Radebeuler Architekten? Die geschasste Museumsleiterin war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sollte es sich so zugetragen haben, dann ergeben sich gleich die nächsten Fragen: Sind damit die beantragten Fördermittel und das gesamte Neubarvorhaben innerhalb des extra dafür erweiterten Sanierungsgebietes Radebeul-Ost in Gefahr? Ließe sich ein solcher Vertrag wieder rückgängig machen? Konnte die Geschäftsführerin von Stiftung und Museum einen solchen Vertrag überhaupt alleine unterschreiben?

Immerhin, wer im Vorstand der Stiftung ist, haftet auch persönlich für solch weitreichende Entscheidungen. Es geht – wenn es so war – um eine sechsstellige Honorarsumme für die Architekten. Bert Wendsche zu weiteren Personalien nur: „Ich bin froh, dass wir ab 1. April Dr. Wacker als neuen Museumsleiter bereits verpflichtet haben.“