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Chelsea im Wunderland

Bei der Dresdner Schlössernacht singt eine kleine Künstlerin wie ein großer Star. Viele Besucher macht das sprachlos.

© kairospress

Von Ulrike Kirsten

Die Flucht aus dem Alltag geht mühelos. Ein paar Schritte durch das eiserne Tor von Schloss Albrechtsberg, und schon fällt sie von einem ab, die Last. Sie muss draußen bleiben. Denn im Wunderland bedeuten Worte nicht mehr, was sie bedeuten. Dort wird Kleines groß, dort bleibt die Zeit stehen, einen Moment macht die Welt Verschnaufpause. Mehr als 6 000 Besucher sind am Samstagabend gekommen, um für eine Nacht aus dem Alltag zu fliehen. Zwischen Irrlichtern am Wegesrand, Schlössern, die sich in Unterwasserwelten verwandeln, und goldigen Stelzentänzern durch die Nacht zu spazieren. Die restlichen Tickets, die es noch gibt, sind wie von Zauberhand in wenigen Minuten nach der Eröffnung vergriffen. Ausverkauft.

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Gib mir fünf: Für die Besucher war der Auftritt der zehnjährigen Chelsea aus Basel ein besonderer Höhepunkt. Bei dem Lied „Happy“ von Pharrell Williams klatschte sie viele Zuhörer ab. © kairospress

Impressionen von der Dresdner Schössernacht

„Es ist wunderschön bei euch“, sagt Chelsea zur Begrüßung auf der Bühne an der Südseite des Schlosses Albrechtsberg. Drei Sekunden und zwei Takte später ist es um die Besucher geschehen. Denn die kleine Schweizerin aus Basel ist eine Meisterin der Magie. „Wie kann ein Kind nur so eine Stimme haben?“, fragt sich Silke Hähnel.

Zum zweiten Mal ist die Zehnjährige in Dresden. Auf Einladung der Unternehmerin Viola Klein. Schon bei der Hope-Gala im vergangenen Jahr hatte Chelsea das Dresdner Publikum verzaubert. Unbekümmert steht die Kleine auf der Bühne, klatscht die Besucher ab, als wolle sie jedem Einzelnen für sein Kommen danken. „Dresden ist eine schöne Stadt. Hier bei euch gibt es so viel Historisches“, sagt Chelsea wie ein kleiner Profi. Große Auftritte ist sie längst gewohnt. Im Frühjahr 2013 schaffte sie es mit ihrer Stimme ins Halbfinale der Talent-Show „The Voice Kids“.

Silke Hähnels Augen haben sich vor lauter Unbegreiflichkeit mit Tränen gefüllt. Peinlich ist ihr das nicht. „Die Kleine hat so eine tolle Stimme, so klar. Das ist unglaublich. Das geht direkt ins Herz“, sagt die Freitalerin. Zum zweiten Mal ist sie bei der Dresdner Schlössernacht. Weil sie Ambiente und Kulisse berauschend fand, ist sie in diesem Jahr wiedergekommen. „Himmlisch, nicht von dieser Welt“, schwärmt Silke Hähnel und schließt ihre Augen. Kurz vor 21 Uhr greift Chelsea an diesem Samstagabend ein letztes Mal in ihre Trickkiste. „One Moment in Time“ von Whitney Houston ist ihr letzter Song. „Sie ist mein großes Vorbild“, sagt Chelsea. Wie schafft sie das nur, die Menschen so zu rühren? „Das kommt nicht von mir. Das hat mir Gott geschenkt. Ich glaube fest an ihn.“ Vor jedem Auftritt hat sie deshalb ein besonderes Ritual: Sie schließt die Augen und betet.

Die Besucher der Schlössernacht wollen das Mädchen mit der riesigen Stimme am liebsten gar nicht von der Bühne lassen. Einmal noch der Refrain. Dann ist aber wirklich Schluss! Kleine Zauberinnen müssen schließlich auch irgendwann selbst abtauchen ins Wunderland. Wenige Minuten später haben sich die meisten Besucher im nächsten Rausch der Sinne verloren. Bunte Fische wie im Trickfilm „Ariel, die Meerjungfrau“ schwimmen auf der Fassade des prachtvollen Baus entlang. Das Schloss Albrechtsberg ist längst kein Schloss mehr, sondern eine fabelhafte Unterwasserwelt. „Das ist wirklich eine tolle Sache hier“, sagt Raul Einicke aus Düsseldorf, während er das abschließende Feuerwerk über dem Dresdner Himmel bestaunt. „Meine Mutter ist vor 20 Jahren nach Sachsen gezogen. 2013 war sie zum ersten Mal bei der Schlössernacht“, sagt der Rheinländer. „Sie hat darauf bestanden, dass ich in diesem Jahr mitkomme. Jetzt weiß ich warum.“