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Neue Details im Fall des  getöteten Daniel H. in Chemnitz

Sein Tod löste heftige Proteste aus. Nun wird ein Zeuge bedroht. Recherchen deuten darauf hin, dass es um Drogen ging. 

© dpa/Jan Woitas

Chemnitz. Ein Recherchenetzwerk aus NDR, WDR, MDR und Süddeutsche Zeitung hat neue Details zum Tatgeschehen des gewaltsamen Todes des 35-Jährigen Daniel H. in Chemnitz bekanntgegeben. Der Syrer Alaa S. soll sich in der Nacht vom 25. auf den 26. August 2018 mit Daniel H. gestritten und mehrfach mit einem Messer zugestochen haben. Ende Dezember hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Alaa S. erhoben. Der andere Angeklagte ist Farhad A. Er ist auf der Flucht. Die Ermittler haben bis heute mehr als einhundert Zeugen vernommen, doch sind bisher kaum brauchbare Aussagen zum Tatgeschehen zusammengekommen.

Folgende Details haben die Recherchen ergeben:

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- Der Hauptverdächtige Farhad A. stand offenbar unter Drogeneinfluss. Er soll das spätere Opfer Daniel H. angesprochen und nach einer Karte gefragt haben. Mehrere Zeugen hätten angegeben, dass Farhad A. ständig Drogen konsumiert habe. Bei Daniel H. haben die Ermittler ebenfalls einen Kokainkonsum feststellen können.

- Zwischen Daniel H. und Farhad A. sei es zu lautstarken Handgreiflichkeiten gekommen. Der zweite Angeklagte, Alaa S., so die Anklage, sei Farhad daraufhin zur Hilfe gekommen. Beide hätten, jeder mit einem Messer, auf Daniel H. eingestochen. Der 35-Jährige verstarb.

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- Die Polizei fand nach der Tat ein einziges Messer mit DNA-Spuren von Daniel H. Darauf finden sich allerdings keine Spuren des angeklagten Alaa S. 

- Alaa S. bestreitet die Tat. Das Gericht hat ihn trotzdem bisher nicht aus der Untersuchungshaft entlassen, da der Hauptzeuge von etwa 50 Metern Entfernung gesehen haben will, wie Alaa S. auf das Opfer eingestochen hat. Ein Messer habe er allerdings nicht gesehen, sagte der Zeuge der Polizei.

- Dieser Hauptzeuge wurde, wie die Recherchen ergeben haben, von verschiedenen Seiten wegen dieser Aussage bedroht. "Bekannte des inzwischen angeklagten Verdächtigen hätten ihn an seiner Arbeitsstelle aufgesucht und ihm ausgerichtet, dass er im Sarg in seine Heimat zurück geschickt werde. Unter anderem sei er mit einem Stuhl geschlagen worden", heißt es im Bericht des MDR

- Der zunächst ebenfalls tatverdächtige Yousif A. wurde im September 2018 aus der U-Haft entlassen. Gegenüber der Polizei gab er an, Farhad A. hätte ihm berichtet, dass er mit einem Messer zugestochen hatte. Laut der Anklage setzte sich Farhad drei Tage später, am 30. August 2018, vermutlich ins Ausland ab. Erst seit dem 4. September sucht die Polizei mit internationalem Haftbefehl nach Farhad.

- In den nächsten Tagen wird entschieden, ob das Verfahren gegen Alaa S. eröffnet wird. Falls es dazu kommt, will das Gericht am 18. März in Chemnitz mit der Hauptverhandlung beginnen. (SZ)

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