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Chemnitz

Frau erstochen: Haftstrafe für 39-Jährigen

Nach dem gewaltsamen Tod einer fünffachen Mutter in Freiberg hat das Gericht den Angeklagten zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Blick auf das Landgericht Chemnitz.
Blick auf das Landgericht Chemnitz. © Hendrik Schmidt/dpa

Chemnitz. Vor den Augen ihrer fünf Kinder ist eine Mutter in Freiberg mit einem Küchenmesser niedergestochen worden und dann innerlich verblutet. Doch die Tortur einer Aussage vor Gericht wurde den Kleinen in letzter Minute erspart. Sieben Monate nach der Bluttat hat das Landgericht Chemnitz den Ehemann zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Große Strafkammer sprach den 39-Jährigen am Montag des Totschlags schuldig. Der einstige Polizist hatte im Prozess bis zuletzt behauptet, seine Frau habe psychische Probleme gehabt und an jenem Abend im Mai "wie von Sinnen" auf sich selbst eingestochen.

Sohn manipuliert

"Ihre Version vom Tatablauf hing von Anfang an an einem ganz dünnen Faden", sagte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger in der Urteilsbegründung zu dem 39-Jährigen. "Dieser Faden ist im Rahmen der Beweisaufnahme gerissen." Es sei schlicht unvorstellbar, dass sich die Frau, die ihr Leben auf ihre Kinder ausgerichtet hatte, vor deren Augen selbst in Brust und Arm gestochen habe. Zudem warf sie ihm vor, eines seiner Kinder manipuliert und es ihnen erschwert zu haben, den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. Wenn er sich nicht ändere, werde kein Kontakt mehr zu den Kindern möglich sein, betonte die Richterin (AZ 1 Ks 210 Js 18382/20).

Der Angeklagte selbst hatte lange auf eine Vernehmung der Kinder vor Gericht beharrt - das älteste ist den Angaben nach gerade einmal neun Jahre alt. Erst am Montag zog die Verteidigung diesen Antrag zurück. Zuvor hatten Betreuer der Kinder vor Gericht über deren Schilderungen der Bluttat berichtet. "Mit dem Messer hat Papa die Mama totgemacht", habe eines der Kinder erzählt. Mitunter hätten sie das Geschehen vom Abend des 19. Mai nachgespielt und gezeigt, wo genau der Vater ihre Mutter verletzt habe.

Kinder sind traumatisiert

Nur einer der Jungs habe anfangs behauptet, seine Mutter habe sich selbst verletzt, hieß es. Später habe er seinem Pflegevater aber anvertraut, sein Vater habe ihm gedroht und diese Version eingetrichtert. Übereinstimmend berichteten die Sozialarbeiter, dass die Kinder traumatisiert seien und von Alpträumen geplagt würden.

Die beiden Eheleute stammen aus Afghanistan. Dort hatte der Angeklagte nach eigener Auskunft eine Ausbildung zum Polizisten gemacht und etliche Jahre in dem Beruf gearbeitet. Dann sei er aber von Anhängern der Taliban bedroht worden und deswegen 2015 mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Hier hatte seine Frau sich offensichtlich zunehmend von ihrem herrischen Ehemann emanzipiert. Den Zeugen zufolge soll es öfter in der Familie Streit gegeben haben und auch zu Gewalt gekommen sein. Am Abend des 19. Mai eskalierte dann die Situation. Laut Rechtsmedizin wurde mindestens sieben Mal auf die Frau eingestochen. Dabei wurde ihre Brustschlagader verletzt, so dass sie innerlich verblutete.

Mit dem Schuldspruch und dem Strafmaß folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hatte Freispruch beantragt. Dennoch kündigte Rechtsanwalt Uwe Lang nach Rücksprache mit seinem Mandanten an, kein Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen. (dpa)

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