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Politik

China will im Atomkonflikt vermitteln

Im Streit um das Atomprogramm ruft Chinas Präsident Nordkorea und die USA zu neuen Gesprächen auf - und sendet ein Signal an Donald Trump.

Dieses Videostandbild zeigt Chinas Präsidenten Xi Jinping (r) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei der Ankunft am Flughafen.
Dieses Videostandbild zeigt Chinas Präsidenten Xi Jinping (r) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei der Ankunft am Flughafen. © CCTV/AP/dpa

Peking/Seoul. Im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm ruft Chinas Präsident Xi Jinping die USA und Nordkorea zur Wiederaufnahme ihrer derzeit festgefahrenen Verhandlungen auf. Die internationale Gemeinschaft hoffe generell, dass beide Länder nicht nur die Gespräche fortsetzten, sondern dabei auch Ergebnisse vorlegten, sagte Xi laut dem chinesischen Sender CCTV am Donnerstag bei einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang.

Kim erneuerte demnach seine Kritik an der US-Regierung: Er habe bisher keine positive Antwort der "entsprechenden Partei" erhalten. Sein Land sei aber "geduldig". Er äußerste die Hoffnung, dass Nordkorea und die USA zusammenarbeiten können, um eine Lösung zu finden. China komme dabei eine wichtige Rolle zu. Xi sagte Kim dem Berichten zufolge seine Unterstützung dabei zu, eine Lösung für Nordkoreas eigene Sicherheitsbedenken zu finden.

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Kim hatte nach seinem gescheiterten Gipfeltreffen mit Donald Trump im Februar in Vietnam die Bedingung gestellt, dass die USA bis Ende des Jahres einen neuen annehmbaren Lösungsvorschlag vorlegen sollten. Kim und Trump hatten bei den Gesprächen über die atomare Abrüstung keinen Durchbruch erzielt. Zuletzt hatte Nordkorea auch wieder Raketen getestet.

Hunderttausende begrüßen Chinas Delegation

Kim bereitete seinem Gast einen pompösen Empfang. In der Hauptstadt Pjöngjang begrüßten Hunderttausende Menschen mit Fahnen und Blumen die chinesische Delegation. "Lang lebe die Freundschaft zwischen China und der Demokratischen Volksrepublik Korea", sangen die Menschen laut Chinas amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua. Xi reiste mit seiner Frau Peng Liyuan und einer Delegation von hochrangigen Funktionären der Kommunistischen Partei und Regierungsmitgliedern, darunter auch Außenminister Wang Yi an.

Der Besuch anlässlich des 70. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen weckt in der Region die Hoffnung, dass neuer Schwung in die festgefahrenen Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm kommt. Die Reise des chinesischen Präsidenten findet kurz vor dem G20-Gipfel in Japan Ende des Monats statt, wo ein direktes Treffen Xis mit US-Präsident Donald Trump geplant ist.

Xi würde nach einem erfolgreichen Besuch in Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern gestärkt in das anstehende Treffen mit Trump gehen. Die beiden Staatschefs wollen am Rande des G20-Gipfels über den andauernden Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften sprechen. Ein Thema dürfte aber auch Nordkorea werden. Erzielt China Fortschritte bei den Atomverhandlungen, wäre dies "ein positives Signal an die USA", glaubt Cheng Xiaohe, Professor für Internationale Beziehungen an der Pekinger Volksuniversität.

Peking gibt Kim Rückendeckung

Xi ist der erste chinesische Präsident seit 14 Jahren, der in das Nachbarland gereist ist. Sein Besuch macht die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen China und Nordkorea deutlich. Historisch gelten die beiden kommunistischen Staaten als Freunde. 

Die ersten Jahre nach der Machtübernahme Kims in Nordkorea Ende 2011 waren jedoch von einer merklichen Abkühlung des Verhältnisses geprägt. Mit seinen Atom- und Raketentests verärgerte Pjöngjang auch Peking immer stärker, das einen unkalkulierbaren Konflikt oder einen Krieg in seiner Nachbarschaft verhindern will. China ist Nordkoreas wichtigster Handelspartner und gilt als Lebensader für das Land.

Um im Atomkonflikt Nähe zu Peking zu zeigen, hatte Kim den chinesischen Präsidenten zuvor bereits mehrfach in China besucht. Seit März 2018, als Kim zum ersten Mal überhaupt einen offiziellen Staatsbesuch machte, ist er insgesamt viermal in China mit Xi Jinping zusammengekommen.

Auch jetzt benötigt Kim nach Ansicht von Beobachtern einmal mehr die Rückendeckung Pekings in den schwierigen Verhandlungen mit den USA über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm.

Derzeit gibt es Spekulationen in Südkorea, dass Kim und Trump bald wieder zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen könnten. Trump hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, er habe einen weiteren "schönen Brief" von Kim erhalten. Auf die Frage nach einem möglichen weiteren persönlichen Treffen mit Kim sagte er, es könnte dazu kommen. Konkreter wurde er nicht. Trump wird nach dem G20-Gipfel nach Südkorea weiterreisen. 

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Machthaber Kim Jong Un habe sich mit Xi Jinping zudem über Probleme in der Welt und der Region beraten, berichteten Nordkoreas Staatsmedien am Freitag. Beide Seiten seien bei ihrem Treffen am Vortag darin übereingekommen, dass es im gegenseitigen Interesse sei, angesichts "ernsthafter und komplexer Veränderungen in der internationalen und regionalen Situation" die Beziehungen voranzutreiben. (dpa)

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