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China zieht Mauer der Internet-Zensur weiter hoch

In China sind „Tunneldienste“ die einzige Möglichkeit, um Facebook oder Twitter zu nutzen. Nun werden die Verbindungen weiter eingeschränkt.

© dpa

Von Andreas Landwehr

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Peking. Die „Great Firewall“, wie die Mauer der Zensur um Chinas Internet genannt wird, ist ein ganzes Stück höher geworden. Selbst Tunneldienste, mit denen Nutzer die Blockaden umgehen können, sind jetzt massiv gestört.

Große Anbieter solcher kostenpflichtigen Virtual Private Network-Verbindungen (VPN) wie Astrill oder Golden Frog berichten, dass ihre Server von China aus teilweise nicht mehr erreichbar seien. Nutzer klagen, dass Astrill überhaupt nicht mehr mit dem mobilen Apple-Betriebssystem iOS funktioniere. Astrill ermöglichte es Nutzern von iPhones und iPads bisher, in China gesperrte Webseiten wie Facebook oder Twitter aufzurufen.

Tunneldienste sind in China weit verbreitet. Die Marktforscher von GlobalWebIndex schätzen die Zahl der VPN-Nutzer in China sogar auf 90 Millionen. „Es ist deutlich, dass die Tunneldienste den chinesischen Internetbehörden jetzt ein Dorn im Auge sind“, sagt Jeremy Goldkorn von Danwei, einer Firma für Medien- und Internetbeobachtung in China. „Sie wollen sicherstellen, dass sie VPNs ausschalten können, wann immer sie es für notwendig halten.“ Die Technologie werde ständig verbessert und sei offenbar gerade wesentlich „aufgerüstet“ worden.

Grundsätzlich sperren Chinas Zensoren Online-Netzwerke wie Facebook und Twitter, die Videoplattform Youtube, die Suchmaschine von Google und weitere Google-Dienste wie das beliebte Gmail. Eine gewöhnliche Google-Suche, die für den Rest der Welt zum Internet-Alltag gehört, ist Chinesen genauso unmöglich wie der Zugriff auf die Webseiten der „New York Times“, des „Wall Street Journal“ oder der Deutschen Welle. Webseiten von Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International oder Human Rights in China (HRiC) sind ohnehin blockiert.

Tunneldienste kosten Geld

Da viele Chinesen auf Twitter und Facebook nicht verzichten wollen, benutzten sie bisher die Tunneldienste. Die kosten im Jahr meist zwischen 60 und 100 US-Dollar. Computer oder Handy bauen dann mit spezieller Software eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server im Ausland auf, der unbeschränkten Zugang zum Internet bietet. Schon bisher sperrte Chinas Zensur meist mit Verzögerung solche VPN-Server, so dass die Nutzer ständig wechseln müssen.

Jetzt erreichen die Störungen eine neue Stufe. „Die Great Firewall blockt die VPN-Protokolle in Echtzeit“, schreibt VPN-Anbieter Astrill seinen Kunden. Apples mobile Geräte würden „schwer geblockt“, während Astrill auf Computern noch funktioniere.

Chinas Internetzensur „hat die Fähigkeit, VPN-Server zu entdecken, indem der VPN-Verkehr in Echtzeit inspiziert wird, so dass die meisten VPN-Verbindungen, egal von welchem Anbieter, blockiert werden“, berichtet Astrill. „Viele Server sind gegenwärtig von China nicht erreichbar“, schildert ähnlich der VPN-Dienst Golden Frog. Auch andere Anbieter seien betroffen. „Wir arbeiten aktiv an Lösungen, um Chinas Störungen des Netzes zu umgehen.“

Zensur unter Xi Jinping verschärft

„Die Zensur passt zu den Angriffen auf bürgerliche Freiheiten in China, die seit dem Machtantritt von Präsident Xi Jinping im März 2013 zugenommen haben“, erläutert Maya Wang, Forscherin von Human Rights Watch in Hongkong. Sie verweist auf die große Zahl von Festnahmen von Bürgerrechtlern und verschärfte Pressezensur. Unter Xi Jinping habe die ideologische Kontrolle zugenommen, die Vorherrschaft der Partei werde betont, es gebe verstärkt Angriffe auf „westliche Werte“, einschließlich Pressefreiheit und Demokratie. Das seien „wesentliche Stützpfeiler seiner Kampagne“, sagt Wang.

Auch in China tätige ausländische Firmen klagen über Behinderungen ihrer internen Tunnelverbindungen. Damit kommunizieren Mitarbeiter vor Ort mit den Rechnern des Mutterhauses in ihrer Heimat. „Seit Wochen stürzt unsere Software ab, weil die Verbindung gestört wird“, sagt ein genervter Manager eines deutschen Unternehmens. „So können wir hier nicht arbeiten.“ Erst vergangene Woche kritisierte die Europäische Handelskammer in Shanghai, dass die Beschränkungen die Geschäfte von EU-Unternehmen im Reich der Mitte behinderten und das Internet „frustrierend“ langsam machten. (dpa)

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