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Raketen-Trümmer: China dementiert Gefahr

Experten warnen vor Überresten einer Trägerrakete durch einen unkontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. China sieht darin Propaganda.

Start der chinesischen Rakete „Langer Marsch“ am 29. April 2021
Start der chinesischen Rakete „Langer Marsch“ am 29. April 2021 © Pu Xiaoxu/XinHua/dpa

Chinas Staatsmedien haben Warnungen vor herabfallenden Trümmerteilen einer für den Bau der chinesischen Raumstation benutzten Trägerrakete zurückgewiesen. Die Bruchstücke dürften "sehr wahrscheinlich in internationale Gewässer fallen, und die Leute müssen sich keine Sorgen machen", schrieb die häufig als englischsprachiges Propagandaorgan dienende Zeitung "Global Time" am Donnerstag unter Hinweis auf Raumfahrtexperten.

Westliche Raumfahrtexperten hatten vor möglichen Trümmerteilen durch einen "unkontrollierten" Wiedereintritt der 20 Tonnen schweren Hauptraketenstufe in die Atmosphäre an diesem Wochenende oder Montag gewarnt. Deutschland liegt voraussichtlich aber nicht in der Risikozone, wie das Büro für Raumfahrtrückstände der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt berichtete.

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Das Gebiet umfasst demnach jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41. Grad nördlicher und dem 41. Grad südlicher Breite. In Europa zählen unter anderem Teile von Spanien, Italien oder Griechenland dazu. Die neue, besonders tragfähige Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am vergangenen Donnerstag das Kernmodul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht. Damit begann die junge Raumfahrtnation den Bau ihrer eigenen Raumstation.

Dass Reste von Raketen zur Erde zurückfielen, sei "in der Luft- und Raumfahrt üblich", schrieb die "Global Times". Das Blatt sah hinter den Warnungen "nichts anderes als westlichen Rummel um eine "Bedrohung durch China"" in der Raumfahrt. Der Experte Wang Ya'nan, Chefredakteur eines Luft- und Raumfahrtmagazins, wurde zitiert, dass Chinas Raumfahrtbehörden die Entwicklung herabfallender Trümmer vom Design der Rakete und der Wahl des Startplatzes bis hin zur Flugbahn und -höhe sorgfältig berücksichtigt hätten.

"Die meisten Trümmer werden beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verbrennen, so dass nur ein sehr kleiner Teil übrig bleibt, der auf die Erde fällt, was potenziell in Gebieten weit weg von menschlichen Aktivitäten oder im Ozean landen wird", sagte Wang Ya'nan demnach. Experten erklärten laut "Global Times" auch, dass die Raketenstufe vor allem aus leichtem Material gebaut sei, das zumeist beim Wiedereintritt einfach verbrenne.

Hingegen hatte das Esa-Büro für Raumfahrtrückstände mitgeteilt, es sei aktuell praktisch unmöglich, Vorhersagen darüber zu treffen, welche Teile den Wiedereintritt überstehen werden. Materialien mit hohen Schmelztemperaturen wie etwa Motor- oder Tankkonstruktionen stellten ein besonderes Risiko dar. Allgemein verglühten die meisten Objekte beim Wiedereintritt aber vollständig, so die Experten. Da ein Großteil der Erde mit Wasser bedeckt sei und weite Teile unbewohnt seien, sei die Gefahr für den Einzelnen deutlich geringer als bei alltäglichen Risiken wie etwa dem Autofahren.

Fachmann hält Design der Rakete für veraltet

Der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) warnte, dass es "im schlimmsten Fall" wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs werden könne, der sich über Hunderte Kilometer verteile. Wie viele Bruchstücke übrig blieben, lasse sich nicht vorhersagen. "Aber genug, um Schaden anzurichten." Auch der Raumfahrtexperte Andrew Jones warnte vor Schaden für Mensch oder Eigentum.

Nach dem ersten Flug des neuen Raketentyps im Mai 2020 waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten nach lokalen Berichten Häuser beschädigt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als "sehr gefährlich" beschrieben, weil die Raketenstufe kurz davor noch über die USA geflogen war.

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McDowell kritisierte das Design der neuen chinesischen Rakete als "fahrlässig". Es entspreche nicht heutigen Standards. Andere Länder sorgten dafür, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen. Die "Langer Marsch 5B" sei hingegen so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem "willkürlichen Ort" in die Atmosphäre der Erde eintrete. (dpa)

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