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Chinaseuche aus den Ställen verbannt

Kaninchenzüchter schützen ihre Tiere erfolgreich mit einer Impfung. Vor einem Jahr waren die Verluste noch groß.

© Dietmar Thomas

Von Verena Toth

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Region Döbeln. Stolz und froh präsentieren Jutta und Frank David ihren diesjährigen Zuchterfolg: 22 Jungtiere sitzen in ihren Ställen in Präbschütz. Dass die kleinen Langohren so putzmunter sind, verdanken sie auch einer Impfung, die die Kaninchen erst vor kurzem erhalten haben. Alle 22 Tiere der Rasse Kleinsilber hell sind vor der heimtückische Kaninchenkrankheit RHD-2 bestens geschützt.

Die sogenannte Chinaseuche, eine tödlich verlaufende Viruserkrankung bei Kaninchen, grassiert dieses Mal offensichtlich nicht so heftig wie noch im vergangenen Jahr. „Das liegt vor allem daran, dass viele Besitzer ihre Jungtiere rechtzeitig impfen lassen“, berichtet Tierärztin Claudia Herrmann von der Ostrauer Praxis Q-Fleck. „Im Gegensatz zum vergangenen Jahr verfügen wir dieses Mal außerdem über einen wirksameren Impfstoff, der auch gegen die zweite, neuere Variante der Krankheit, die sogenannte RHD-2, hilft. Die Impfbereitschaft bei den Züchtern und Haltern ist in diesem Jahr zudem sehr hoch“.

Mindestens einmal wöchentlich sind die Veterinäre unterwegs, um Kaninchen in der Region zu impfen. Dabei wird die Spritze gleich in Akkordarbeit angesetzt, denn: Der Impfstoff in einer Ampulle reicht für etwa 50 Tiere. Das Mittel muss jedoch innerhalb von zwei Stunden komplett verabreicht werden. „Deshalb werden Impftage vereinbart, an denen wir so viele Tiere wie möglich behandeln“, berichtet die Tierärztin.

Tödliche Krankheit

Die sogenannte Chinaseuche ist eine Krankheit, die nur Kaninchen befällt. Sie wurde erstmals in den 1980er-Jahren in China nachgewiesen und verbreitete sich von dort aus rasch. Nach Westeuropa wurde der Krankheitserreger RHD vermutlich über importierte Kaninchen eingeschleppt.

Im Jahr 2010 wurde ein weiterer, weitaus aggressiverer Virenstamm RHD-2 ausgemacht. 2014 trat er erstmals in Deutschland auf. Die Todesrate bei befallenen Kaninchen ist sehr hoch. Manche Züchter verloren bis zu 90 Prozent ihres Bestandes.

Der Erreger ist für Menschen ungefährlich. Allerdings kann er durch direkten Kontakt, beispielsweise an den Händen, übertragen werden. Indirekt wird der Virus durch Stechmücken und Fliegen oder durch kontaminiertes Futter verbreitet.

Weil seit 1995 keine Meldepflicht der Erkrankung besteht, gibt es keine belastbaren Zahlen zur Ausbreitung des Virus. (DA/vt)

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Nicht nur Züchtern, auch Hobbyhaltern von einzelnen Tieren wird der lebensrettende Piks dringend empfohlen. Der Virus mache schließlich keinen Unterschied zwischen einem Liebhaber- oder einem Zuchttier, sagt Eckhard Beuchler, Chef des Döbelner Kreisverbandes der Kaninchenzüchter. „Übertragen werden kann der gefährliche Erreger zum Beispiel über Fliegen oder Mücken. Aber auch die Menschen, die irgendwo unbewusst in Kontakt gekommen sind, können den Virus in den eigenen Bestand einschleppen“, weist er auf die Gefahren hin. „Deshalb sollten alle Jungtiere jedes Jahr rechtzeitig geimpft werden“, rät er.

Ein Zuchtfreund habe ihm berichtet, dass seine Tiere trotz Impfung verstorben seien. Doch beim genaueren Nachfragen habe sich herausgestellt, dass die Kaninchen offenbar den alten Impfstoff, der nur gegen RHD-1 wirkt, erhalten haben. „Da macht das Sparen eben keinen Sinn“, so Beuchler.

Ist der Virus erst einmal eingeschleppt, kann ein ganzer Bestand innerhalb kürzester Zeit daran verenden. „Die Kaninchen gehen jämmerlich ein, das geht ganz schnell“, sagt Beuchler. Er rät allen Mitgliedern des Kreisverbandes dringend, den aktuellen Impfstoff zu verwenden. „Die Impfung ist zwar mit etwa fünf Euro pro Tier etwas teurer, aber es lohnt sich auch“, ist er überzeugt.

Dem kann Jörg Peterseim nur voll und ganz zustimmen. Der Döbelner ist der Vorsitzende des Sächsischen Landesverbandes der Kaninchenzüchter und bestätigt die wesentlich bessere Situation im Freistaat in diesem Jahr. „Es gibt eine dichtere Impfdecke bei den Züchtern. Viele haben ihren Kaninchen-Nachwuchs schon zu Jahresbeginn impfen lassen. Das wirkt sich nun positiv aus“, schätzt er ein. Der Verbandschef, der selbst 20 Langohren der Rasse Zwergwidder blau in seinen Ställen hält, habe noch nie ein Tier an die Seuche verloren. „Daran sieht man, dass das konsequente Impfen tatsächlich hilft.“

Im vergangenen Jahr hatte sich die Chinaseuche so weit ausgebreitet, dass der Sächsische Landesverband sogar die alljährliche Jungtierschau in Tautenhain absagen musste. „Das sieht in diesem Jahr viel besser aus. Wir erwarten am 4. und 5. August etwa 1500 Tiere“, blickt der Döbelner voraus. Die vorangegangene Impfung der teilnehmenden Kaninchen sei dabei Pflicht.

Auch die Davids wollen ihren Zuchterfolg öffentlich präsentieren. Am letzten Oktoberwochenende findet ihre alljährliche Vereinsschau im ehemaligen Gasthof Jeßnitz statt. Das Ehepaar widmet sich dem Hobby der Kaninchenzucht seit fünf Jahren gemeinsam. „Ohne die Unterstützung vom Partner geht das auch gar nicht“, erläutert Frank David.