merken

Bautzen

Chinesen lernen von Bautzenern

Zurzeit lassen sich dreizehn asiatische Ingenieure in Bautzen in die duale Ausbildung einweisen.

Ausbilder Rüdiger Keuchel (l.) bringt den chinesischen Gästen im ÜAZ praktische und didaktische Fertigkeiten der Berufsausbildung bei. © Carmen Schumann

Bautzen. Gespannt beugen sich die Auszubildenden über den Arbeitstisch. Eifrig notieren sie, was Ausbilder Rüdiger Keuchel ihnen erklärt. Ein ganz normales Bild im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum für die Bauwirtschaft (ÜAZ). Allerdings handelt es sich bei den wissbegierigen Lehrlingen um gestandene Leute aus dem fernen China. Sie haben alle bereits eine Ingenieurausbildung absolviert. Was treibt die 23- bis 38-jährigen Asiaten also in eine Lehrwerkstatt in Bautzen?

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Wein & Musik

Jedes Wochenende Live-Musik auf Schloss Wackerbarth erleben

Wie Andreas Reichel, der im ÜAZ für Bildungsprojekte zuständig ist, erklärt, wollen die Gäste aus China sich in das in Deutschland übliche duale System bei der Ausbildung einweisen lassen. Dieses System ist in ihrem Heimatland gänzlich unbekannt und noch unüblich. Für die vielen Baustellen in dem Riesenreich werden hauptsächlich Wander- und Leiharbeiter angeheuert, die für einen bestimmten Arbeitsgang angelernt werden und dann immer nur diesen einen Arbeitsgang ausführen. Derzeit sei aber ein umfangreicher Wandel im Gange. Das ganze System soll neu strukturiert werden. Die Wanderarbeiter werden künftig erfasst und registriert. Sie sollen eine richtige Ausbildung bekommen. Dazu werden Ausbildungszentren eingerichtet. Eines davon entsteht in Heze in der ostchinesischen Provinz Shandong. Wie Andreas Reichel berichtet, ist diese Berufsschule eine kleine Stadt für sich. Das seien ganz andere Dimensionen, als bei uns. Dennoch gehe es um das Grundprinzip. Und für dieses wollen sich die Gäste in Bautzen fit machen. Sie sind Anfang April in Bautzen angereist und bleiben bis zum 21. Juni. Sechs von ihnen werden im Bereich Sanitär ausgebildet, sieben im Ausbaubereich. Letzteres umfasst unter anderem den Trockenbau und den Holzbau. Nach ihrer Rückkehr nach Heze helfen sie dort beim Ausbau des Berufsschulzentrums. Ihr Bautzener Ausbildungsleiter Rüdiger Keuchel reist im November für fünf Wochen nach China. Die Zusammenarbeit ist auf insgesamt drei Jahre ausgelegt.

Begeistert vom Arbeitseifer

Gegenwärtig absolvieren die chinesischen Gäste in Bautzen die Basic-Phase. Sie sollen dabei das Facharbeiterniveau erreichen, um dann ihr Wissen und ihre Fertigkeiten weitergeben zu können. Wichtig sei es, dass sie auch pädagogische Handlungskonzepte erwerben. Es werden sogenannte Curricula, also spezielle Lehrpläne, erstellt, auf deren Basis die in Bautzen Geschulten dann zu Hause weiterarbeiten können. Auch eine sogenannte E-Learning-Plattform wird bereitgestellt – so kann das Wissen online von Kontinent zu Kontinent transferiert werden.

Ausbilder Rüdiger Keuchel ist begeistert von dem Arbeitseifer der chinesischen Gäste, unter denen auch zwei Frauen sind. „Sie sind sehr diszipliniert und wissbegierig und leisten eine Super-Arbeit“, lobt er. Die Verständigung klappt, auch wenn keiner die Sprache des jeweils anderen spricht. Dafür ist Jörg Hellwig zur Stelle, der in Bautzen ein Dolmetscherbüro betreibt. Er spricht perfekt Chinesisch.

Obwohl die Gäste aus dem Reich der Mitte sehr arbeitseifrig sind, sollen sie aber auch Land und Leute kennenlernen. So fanden bereits Ausflüge nach Berlin, nach Dresden und in die Sächsische Schweiz statt. Auch hier erwiesen sich die Gäste als sehr wissbegierig und gleichzeitig bewandert in der deutschen Geschichte.

Im ÜAZ an der Edisonstraße 4 findet am 15. Juni von 9 bis 13 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Dabei werden die Berufe vorgestellt, die hier ausgebildet werden.