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Chinesen sollen Waidhaus helfen

Eine kleine Delegation aus der Metropole Qingdao war am Dienstag zu Gast in Görlitz. Daraus könnte eine lange Kooperation werden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Die Chinesen haben ein Problem. „In Qingdao gibt es eine schöne Altstadt aus dem 19. Jahrhundert, aber im Gegensatz zu Deutschland keine qualifizierten Handwerker, die sie instand halten können“, sagt Yu Mingfeng, wissenschaftlicher Referent am Zentrum für Deutsch-Chinesische Kulturen in Qingdao. Es sei wie beim Essbesteck. In Deutschland gebe es für verschiedene Gerichte unterschiedliche Messer und Gabeln. „Wir haben nur Stäbchen“, sagt Yu. Auch die deutschen Handwerker haben für alles ein Spezialwerkzeug.

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Allerdings hat auch Görlitz ein Problem: Seit dem Rückzug der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist die Zukunft des Görlitzer Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege im Waidhaus völlig unklar. In den vergangenen 20 Jahren wurden hier über 400 Restauratoren im Handwerk ausgebildet. Aktuell aber ist nur der Restaurator Markus Kepstein mit einer halben Stelle für das Fortbildungszentrum tätig. In Deutschland war der Fortbildungsbedarf zuletzt deutlich zurückgegangen, sodass die DSD den Betrieb nicht länger finanzieren wollte.

Eine Lösung für Görlitz könnte sein, dass im Waidhaus ein internationales Bildungszentrum aufgebaut wird. „Dann könnten hier Polen, Tschechen und andere Osteuropäer ausgebildet werden“, sagt Jörg Frenkel, Restaurator im Handwerk. Das Potenzial sei da, allerdings brauche es Fördermittel für den Aufbau – und dafür wiederum den politischen Willen. Frenkel, Kepstein und Gottfried Semmling als Vereinsvorsitzender des Fortbildungszentrums hoffen nun auch auf die Chinesen. Sollte eine Kooperation zustande kommen, könnten die Probleme auf beiden Seiten gelöst werden. Allerdings steht das Thema Kooperation noch ganz am Anfang. Der Besuch von Yu Mingfeng, Sun Zhouxing und Yao Sarah am Dienstag im Waidhaus war nur ein erster Schritt, ein gegenseitiges Abtasten. „Als Nächstes müssen die Rahmenbedingungen geklärt werden“, sagt Frenkel. Wichtig sei zum Beispiel die Frage, welches Vorwissen die Chinesen mitbringen müssen. „Dort gibt es ja nur Wanderhandwerker, aber keine ausgebildeten Leute“, sagt Frenkel. Wenn das geklärt sei, müsste eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die das Thema beackert, vielleicht auch erst einmal auf eine Grundausbildung hinarbeitet.

In Görlitz könnte am Ende neben dem Waidhaus auch die Jugendbauhütte im Scharfrichterhaus profitieren. Jugendliche aus China könnten hier an das Handwerk im Allgemeinen herangeführt werden, sagt Sebastian Storz, Vorstandsvorsitzender des Forums für Baukultur in Dresden. Über ihn ist der Kontakt zwischen China und Görlitz zustande gekommen. Die Stadt Qingdao aber ist auch in der Rathausspitze bekannt. OB Siegfried Deinege war in seiner Zeit als Bombardier-Manager häufig dort, weil es in Qingdao ein Bombardier-Werk gibt. Und Bürgermeister Michael Wieler hat während seines Studiums einige Wochen in Qingdao verbracht. Jetzt hofft Wieler, dass tatsächlich eine Kooperation zustande kommt: „Wir sind dafür sehr offen.“