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Der Krisenmanager des Profi-Fußballs

Unter seiner Führung hat die Bundesliga einen Boom erlebt. Nun soll Christian Seifert die Branche vorm Kollaps retten.

Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums und Geschäftsführer der DFL.
Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums und Geschäftsführer der DFL. © dpa

Frankfurt/Main. Selbst für einen gewieften Manager wie ihn ist es in diesen Tagen nicht leicht, kühlen Kopf zu bewahren. „Die Informationen, die auf einen im Minutentakt einprasseln, bekommen so eine Frequenz, und die Auswirkungen, die man zu entscheiden hat, solch eine Wucht“, sagt Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga. Seine Gemütslage in der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelösten Existenzkrise: „Es fühlt sich an wie in einem Science-Fiction-Film.“

Von Seifert wird nicht weniger erwartet, als den Profi-Fußball so gut wie möglich durch diese Krise zu führen. Die Branche steht vor dem Kollaps, sollte ein geregelter Spielbetrieb in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Mindestens bis zum 2. April ruht der Ball in den beiden Bundesligen, die nie zuvor derart in ihren Grundfesten erschüttert wurden.

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Für Fans eine ungeliebte Symbolfigur

Seifert weiß um die Dramatik, die er nach dem Treffen der 36 Profivereine am Montag in eindrücklichen und klaren Worten schilderte. Für seinen öffentlichen Auftritt erhielt er viel Lob in den sozialen Netzwerken – auch von Fans, die in ihm sonst eher die ungeliebte Symbolfigur für die zunehmende Kommerzialisierung sehen.

Als Seifert am 1. Juli 2005 den Posten bei der DFL übernahm, erlösten die Vereine aus dem damaligen TV-Vertrag pro Saison insgesamt 300 Millionen Euro. Seifert hat die Vermarktung auf eine völlig neue Stufe gehoben. Jetzt fließen in jeder Spielzeit knapp 1,5 Milliarden Euro in die Kassen der 36 Erst- und Zweitligisten.

Obwohl sich die Branche laut Seifert nach etlichen Boom-Jahren mit stets neuen Finanzrekorden in einer sehr guten finanziellen Ausgangsposition befindet, könnten viele Klubs im Falle eines Komplett-Abbruchs der Saison in Insolvenzgefahr geraten. Mit schonungsloser Offenheit schwor der DFL-Boss die Vereinsvertreter auf eine gemeinsame Linie ein. „Es mag vor dem Treffen unterschiedliche Sichtweisen gegeben haben“, sagte Seifert. „Ich gehe davon aus, dass es jetzt nur noch eine gibt.“

Noch einige Entscheidungen zu revidieren

Auf dem Weg nach der besten Lösung werde er aufgrund der Dynamik der Corona-Krise sicher auch die eine oder andere nach bestem Wissen und Gewissen getroffene Entscheidung revidieren müssen, betont der DFL-Geschäftsführer.

Dass dies in der Öffentlichkeit nicht nur Beifall findet, erlebte er am vergangenen Freitag, als die DFL zunächst am geplanten Geister-Spieltag festhielt und diesen wenige Stunden später aufgrund einer veränderten Sachlage doch noch absagte

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„Ich verstehe, dass es für Außenstehende so ausgesehen hat, als wären wir alle von Sinnen. Der Kritik stelle ich mich aber gerne, weil dies bedeutet, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Seifert und prophezeite: „Es wird nicht die letzte Entscheidung sein, die wir in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten zu revidieren haben. Das Gefühl der Unsicherheit wird uns jetzt erst einmal begleiten.“ (dpa)