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Deutschland & Welt

Deutsche kaufen mehr Alkohol

Prost Corona? In Supermärkten gehen mehr Wein und Spirituosen über die Kassenbänder.

Die Corona-Krise fördert den Alkohol-Verkauf in Deutschland.
Die Corona-Krise fördert den Alkohol-Verkauf in Deutschland. © dpa

Wahrscheinlich ist es Zufall. In der Filiale eines Discounters in Dresden war eine in Deutschland beliebte Weinsorte am Montag ausverkauft. Andere Weine sowie Wodka und Schnäpse waren dagegen für Volljährige problemlos erhältlich.

In Zeiten der Corona-Pandemie kaufen Deutsche mehr Alkohol als sonst. Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die das Nachrichtenmagazin Spiegel auswertete, legen nahe, dass der Alkoholkonsum im Land gestiegen ist.

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Bereits vor dem Start der Ausgangsbeschränkungen deckten sich Verbraucher vor allem mit Wein und Spirituosen ein. Im Zeitraum von Ende Februar bis Ende März kauften sie rund ein Drittel (34 Prozent) mehr Wein als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bei Gin oder Korn betrug die Steigerung ebenfalls rund ein Drittel (31,2 Prozent). Der Bierverkauf wuchs nach den vom Spiegel publizierten GfK-Daten um etwas mehr als elf Prozent.

Freilich: Generell bevorraten sich Haushalte in der Corona-Krise mit Nahrung und Getränken. Die Zahlen spiegeln also auch einen Trend. Dazu kommt, dass Bars und Kneipen geschlossen sind. Also wird daheim getrunken. Experten zeigen sich besorgt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), rückt Suchtkranke in den Fokus. Mediziner verweisen zudem darauf, dass starker Alkoholkonsum das Immunsystem schwächt.

Ludwig sagte der SZ, unabhängig von den Verkaufszahlen sei die Situation für Suchtkranke „grundsätzlich zur Zeit sehr angespannt“. Sie betonte: „Corona treibt viele von ihnen noch mehr in die Isolation.“ Getrunken werde aufgrund der geschlossenen Gastronomie derzeit „ausschließlich hinter verschlossenen Türen“. Ludwig appellierte an Nachbarn, Freunde und Angehörige Betroffener: „Lassen Sie suchtkranke Menschen nicht allein“. Etwa durch Anrufe könne auf digitale und telefonische Hilfen hingewiesen werden.

Auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping warnte. „Ein solcher Anstieg des Alkoholkonsums wäre für mich besorgniserregend“, sagte die Sozialdemokratin der SZ. Köpping sprach mit Blick auf Ausgangsbeschränkungen von einer „harten und entbehrungsreichen Zeit“. Auch sie regte Telefonate, Kontakt per Mail und Nachbarschaftshilfe mit räumlicher Distanz an. „Gemeinsamkeit ist auch mit Abstand möglich“, sagte sie. Warnsignale dürften nicht übersehen werde. Köpping verwies auf Angebote zur Suchtprävention: „Sie stehen auch in diesen Zeiten zur Verfügung.“

Ganz selbstverständlich ist das nicht. Denn die Coronapandemie hat nach Einschätzung der Drogenbeauftragten „gravierenden Einfluss“ auf die Versorgung Suchtkranker. Ende März wies Ludwig darauf hin, dass die Rentenversicherung Bund neue Rehamaßnahmen unterbinden wollte. Doch das coronabedingte Aus stationärer Suchtbehandlung konnte nach ihrer Darstellung abgewendet werden. Therapien und Rehabehandlungen seien gesichert. Ludwig mahnte donnoch: „Erhebliche Anstrengungen sind auch weiterhin nötig, um die niedrigschwelligen Angebote der Suchthilfe, die Beratung und die Substitutionsbehandlung in der Coronakrise zu sichern."

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Bereits Mitte März schrieb die CSU-Politikerin an die Hauptstelle für Suchtfragen und sicherte Unterstützung zu. „Was über Jahre mühevoll aufgebaut wurde, darf nicht binnen Wochen in sich zusammenfallen“, heißt es in dem Brief. Ludwig versicherte, sie habe sich unter anderem beim Sozialministerium und der mitverantwortlichen Rentenversicherung „mit Nachdruck“ für „entsprechende Maßnahmen“ eingesetzt.​​

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