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Corona: Djokovic jetzt auch positiv getestet

Nun hat es sogar den Tennis-Weltranglisten-Ersten und Organisator der Adria-Tour erwischt. Nach seinem Fall endet die Veranstaltung vorzeitig.

Von wegen Abstand: Der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic spricht in Zadar mit  Kindern.
Von wegen Abstand: Der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic spricht in Zadar mit Kindern. © dpa/Zvonko Kucelin

Von Robert Semmler und Lars Reinefeld

Zadar. Erst kritisiert, jetzt infiziert: Auch der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit zahlt der Organisator der umstrittenen Adria-Tour nun persönlich den Preis für den laxen Umgang mit der Pandemie und die Missachtung gängiger Hygieneregeln bei der Veranstaltung mit jetzt vier erkrankten Profis. Er zeigt keine Symptome, teilte der 33-jährige Serbe am Dienstag mit. Das Virus wurde auch bei seiner Frau Jelena festgestellt.

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Davor machte nach dem Bulgaren Grigor Dimitrow und dem Kroaten Borna Coric auch der Serbe Viktor Troicki einen positiven Test öffentlich. "Jeder einzelne Fall tut mir extrem leid", schrieb Djokovic. Der Hamburger Alexander Zverev wurde nach eigenen Angaben negativ getestet. Er nahm an beiden Stationen in Belgrad und Zadar in Kroatien teil und begab sich in eine selbstverordnete Isolation. Die weiteren Stationen der Tournee in Banja Luka und Sarajevo wurden angesichts der Entwicklungen abgesagt.

Djokovic kündigte einen weiteren Test in fünf Tagen an und vermied nach der heftigen Kritik an leichtfertigen Hygiene-Maßnahmen und Fotos feiernder Tennisprofis mit freiem Oberkörper das klare Eingeständnis eines Fehlers. "Alles, was wir im vergangenen Monat gemacht haben, passierte mit reinem Herzen und ernsthaften Absichten", schrieb er zur Tour, mit der er dank prominenter und weniger prominenter Akteure Spenden sammeln und seinen Kollegen Spielpraxis verschaffen wollte. Es habe alles mit einer philanthropischen Idee begonnen.

Der Tennis-Weltranglisten-ErstenNovak Djokovic in Zadar.
Der Tennis-Weltranglisten-ErstenNovak Djokovic in Zadar. © dpa/Zvonko Kucelin

Trotz der guten Absicht unterschätzte auch Djokovic bewusst oder unbewusst die Gefahr und betonte zunächst, es sei nicht gegen örtliche Regeln verstoßen worden. Nun erklärte er, das Turnier sei organisiert worden, als sich das Virus abgeschwächt habe und die Bedingungen als gegeben erschienen. "Leider ist das Virus noch da, und leider ist das eine neue Realität, mit der wir immer noch umzugehen und zu leben lernen", schrieb er. Der ehemalige deutsche Tennis-Profi Nicolas Kiefer fragte: "Hat Djokovic gedacht, dass das Virus überall ist, nur nicht in Serbien?"

Der nach langer Verletzungspause wiedererstarkte und vor der Corona-Pause dominierende Djokovic gelangt nun eventuell zur Einsicht, dass das Hygiene-Konzept bei den vom 31. August an geplanten US Open doch nicht zu streng sein könnte.

Die Kritik an ihm und auch den anderen Teilnehmern der Adria-Tour ging zuvor weiter. Wimbledon-Gewinner Andy Murray erinnerte seine Kollegen an ihre Vorbildfunktion. Die einstige Nummer eins der Welt aus Großbritannien sagte: "Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Novak. In der Nach-Betrachtung macht das, was da passiert ist, aber keinen guten Eindruck." Spitzenathleten auf der ganzen Welt müssten zeigen, "dass wir das ernst nehmen und uns darüber im Klaren sind, dass wir Abstands-Regeln einhalten".

Kroatien, Zadar: Zuschauer sitzen dicht beieinander ohne Masken und schauen einem Tennisspiel zu.
Kroatien, Zadar: Zuschauer sitzen dicht beieinander ohne Masken und schauen einem Tennisspiel zu. © Zvonko Kucelin/AP/dpa

"Ich hoffe, dass wir daraus lernen, weil letztlich kommt die ATP-Tour nicht zurück, wenn wir jede Woche Probleme haben und die Spieler machen, was sie wollen", sagte Murray. Der zweifache Olympiasieger bestreitet in dieser Woche bei einem Show-Kampf-Turnier in Großbritannien erstmals seit sieben Monaten wieder ein Spiel.

Seine Teilnahme an den geplanten US Open machte Murray auch von den dortigen Hygiene-Maßnahmen abhängig. "Für mich ist eines der wichtigsten Themen, wie sie die ,Blase' rund um das Turnier kontrollieren", schrieb der 33-Jährige am Dienstag. Alle Spieler sollen in einem Flughafen-Hotel oder in Häusern in dessen Nähe untergebracht und ständig auf das Virus getestet werden. Außerdem soll der Betreuer-Stab der Profis deutlich kleiner ausfallen.

Der ATP-Vorsitzende Andrea Gaudenzi aus Italien hofft auf einen Lerneffekt aus den Vorkommnissen und einer größeren Akzeptanz dieser Blase. Der 46-jährige Ex-Profi erinnerte zwar daran, dass auch trotz extremer Maßnahmen Corona-Fälle auftreten könnten. Er erklärte aber auch, allen Teilnehmern privater Turniere sei die Einhaltung angemessener Maßnahmen und der Abstands-Regeln empfohlen worden.

Eine "reine Katastrophe" nannte Kiefer die Vorgänge. "Das ist auch nicht gut für die Außendarstellung der ATP-Tour, auch wenn diese nichts mit der Adria-Tour zu tun hat." Als "Horror-Show" fasste der brasilianische Profi Bruno Soares das Geschehen zusammen. Der Doppel-Spezialist ist Mitglied im ATP-Spielerrat, dessen Präsident Djokovic ist. "Enorme Unverantwortlichkeit und große Unreife", sagte Soares.

Der Deutsche Tennis-Bund reagierte derweil am Dienstag auf den Lockdown im Kreis Gütersloh nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Der DTB verlegte eine der Zwischen- und Bonus-Runden seiner Turnierserie von Versmold, das im Kreis Gütersloh liegt, nach Mülheim an der Ruhr. (dpa)

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