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Corona-Heldin: Die Mundschutz-Köchin

Sabine Proschmann reinigt mit ihrem Team nicht nur Hunderte Klinikbetten. Im Akkord wäscht sie für Ärzte und Pfleger nun auch Tausende Stoffmasken.

Schnell und unkompliziert hat Sabine Proschmann eine Lösung für all die Tausenden verschmutzten Stoffmasken gefunden, die im Dresdner Uniklinikum im Umlauf sind.
Schnell und unkompliziert hat Sabine Proschmann eine Lösung für all die Tausenden verschmutzten Stoffmasken gefunden, die im Dresdner Uniklinikum im Umlauf sind. ©  Rene Meinig/SZ-Bildstelle

Dresden. Was hält ein Mundschutz ab und was nicht? Fünf Virologen, fünf Antworten. In einem Punkt aber dürften sich alle einig sein: Ein Lächeln lässt jede Maske durch. Sabine Proschmanns Augen verraten es. Zwar verdecken rote Kirschen ihren Mund, Nase und Kinn dazu. Das halbe Gesicht der 57-Jährigen ist hinter einer selbst genähten Stoffmaske verschwunden. Ihre gute Laune jedoch bleibt niemandem verborgen.

Die Hände in die Seiten gestützt steht die Chefin der zentralen Bettenaufbereitung des Dresdner Uniklinikums in der Waschanlage. Der Leichtbau im Hof der neuen Notfallchirurgie muss vorübergehend leisten, was eigentlich hinter festen Mauen verborgen liegt: Hier reinigt ein 18-köpfiges Team die Betten der Patienten, rund 270 Stück am Tag. Der ursprüngliche Standort wird gerade saniert. Kein Anlass, den täglichen Kampf gegen Keime nicht vehement fortzusetzen. Krankenhaushygiene ist oberstes Gebot. 

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Langsam öffnet sich das Eingangstor. Ein Klinikbett rollt herein, und die Chefin würde jetzt anpacken - wenn sie sich nicht etwas Zeit genommen hätte, um von ihrer Arbeit zu erzählen. Stattdessen greift ein Kollege zu. "Die Betten werden von den Stationen so zu uns gebracht, wie der Patient herausgeschlüpft ist", sagt die Leiterin. Decke, Kissen samt Bettwäsche landen bei ihr und ihren Mitarbeitern. Verschmutzung durch Blut und Fäkalien gehören zum Tagwerk. "Die Kollegen müssen wirklich viel abhalten", sagt Prof. Lutz Jatzwauk. Am Uniklinikum ist er für Hygiene und Umweltschutz verantwortlich. Frau Proschmann kennt er, seit sie die Stelle vor 13 Jahren übernommen hat.

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"Als Quereinsteigerin", sagt sie, und ihre Augen lachen. Früher war sie Verkäuferin, kam eher zufällig zu ihrer heutigen Aufgabe. Für sie setzte sie sich noch einmal auf die Schulbank, absolvierte den nötigen Lehrgang zur Krankenhaushygienikerin. Seitdem kommt jedes der insgesamt 1.400 Betten der Uniklinik regelmäßig zu ihr in die Waschstraße.

So heißt ein abgetrennter Bereich, ringsum gefliest ist er einer Autowaschanlage gar nicht so unähnlich. Rotierende Riesenbürsten gibt es jedoch nicht. Das untere Bettgestell samt Räder reinigen die Mitarbeiter per Kärcher. Kopf-, Fuß und Seitenteile wischen sie sauber und desinfizieren sämtliche Stellen, mit denen Hände Kontakt haben können. Die Bettwäsche haben sie zuvor abgezogen und in großen Säcken verstaut. Überzüge, Kissen und Decken lässt die Klinik von einer externen Firma waschen.

Dass zwei Waschmaschinen und zwei Trockner in einem Winkel der Abteilung trotzdem überdauert haben, ist den Aufgaben zu verdanken, die auch zu Sabine Proschmanns Job gehören: "Wir waschen hier Kleidung von Patienten, die von keinen Angehörigen mit frischer Wäsche versorgt werden", sagt sie. Auch völlig mittellose Menschen kommen gelegentlich ins Krankenhaus und besitzen nur, was sie auf dem Körper tragen. Für sie betreibt das Bettenaufbereitungsteam eine Kleiderspende und stattet sie mit Wechselwäsche aus.  

Die Krankenfleger-Azubis Frank Lorenz und Benedikt Bailluch reinigen und desinfizieren jedes Bett, bevor ein neuer Patient darin liegen darf.
Die Krankenfleger-Azubis Frank Lorenz und Benedikt Bailluch reinigen und desinfizieren jedes Bett, bevor ein neuer Patient darin liegen darf. © René Meinig

Diese vier Geräte haben sich in jüngerer Zeit als Glücksfall erwiesen. Weil es nicht genügend der üblichen Wegwerfmasken auf dem Markt gibt, sind Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Therapeuten und Reinigungskräfte dazu übergegangen, selbst genähte Stoffmasken zu tragen. Damit schützen sie sich zwar nicht so effektiv vor Corona und anderen Infektionskrankheiten wie mit zertifizierten Atemschutzmasken, aber immerhin besser als ohne. 

Unzählige Ehrenamtliche und professionelle Näherinnen, beispielsweise aus Theaterwerkstätten, Schneidereien und Modeateliers, haben Masken aus Baumwoll- oder Jerseystoff genäht. Tausende wurden gespendet. Allein am Dresdner Uniklinikum sind rund 8.000 waschbare Stoffmasken im Umlauf. Dort gilt inzwischen Maskenpflicht, deshalb sind jederzeit weitere willkommen, zumal das Waschen die Stoffe verschleißt. 

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Jeder Mitarbeiter sollte seinen Mundschutz wenigstens einmal am Tag wechseln. Da er nun zur Arbeitskleidung gehört, ist das Unternehmen verpflichtet, ihn wie Hosen, Hauben, Kittel und Schürzen professionell zu reinigen. Da kamen die Waschmaschinen ins Spiel. "Wir haben Frau Proschmann gefragt, ob sie die Mundschutzwäsche mit ihrer Abteilung übernehmen kann", erzählt Professor Jatzwauk. 

Für die Chefin der Bettenaufbereitung war das gar keine Frage. Nun surren die Maschinen von früh bis spät. Zwischen 3.000 und 4.000 Masken landen täglich in den Waschtrommeln und nach einem 95 Grad heißen Waschgang im Trockner. Kombiniert mit einem Chlorwaschmittel soll keine Vire eine Überlebenschance haben.

Anspruch auf eine Lieblingsmaske hat leider niemand, ob nun Smileys, Blümchen oder Pfauenaugen darauf sind. Frisch gewaschen und getrocknet landen sie sicher verpackt an den verschiedenen Ausgabestellen. Die finden die Klinikmitarbeiter in verschiedenen Gebäuden, jeweils am Empfang. Dort haben die Kollegen die zusätzliche Aufgabe übernommen, gebrauchte Masken entgegenzunehmen und neue auszugeben. Von dort landen die schmutzigen wieder bei Sabine Proschmann - und schließlich auf Nase, Mund und Kinn eines Pflegers oder Professors. 

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