merken
Politik

Corona-Infektionen: Höchster Wert seit Mai

Probleme bei Corona-Tests rütteln Bayern durch. Ministerin Huml muss sich nun vor Abgeordneten rechtfertigen - während die Zahl der Neuinfektionen steigt und steigt.

Bei Tests sind so viele Neuinfektionen festgestellt werden wie seit Monaten nicht.
Bei Tests sind so viele Neuinfektionen festgestellt werden wie seit Monaten nicht. © Daniel Bockwoldt/dpa

München/Berlin. Das Robert Koch-Institut hat die höchste Zahl an Neuinfektionen in Deutschland seit mehr als drei Monaten registriert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 1.510 neue Corona-Infektionen. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Mittwochmorgen hervor. Höher lag die Zahl zuletzt am 01. Mai mit 1639 registrierten Neuinfektionen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen lag Anfang April bei mehr als 6000, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl wieder an.

In Bayern muss nach der Corona-Testpanne bei Urlaubsrückkehrern die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) im Landtag erneut Rede und Antwort stehen. Auf Initiative der Opposition kommt dazu am Mittwochnachmittag der Gesundheitsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region!

Am Dienstag war zudem bekannt geworden, dass Huml und ihr Ministerium bereits am Montag vergangener Woche per E-Mail über die Verzögerungen bei den Ergebnis-Übermittlungen informiert worden war. Söder und der Öffentlichkeit hatte Huml dies aber erst zwei Tage später mitgeteilt. Zur Begründung sagte sie, dass die ganze Dimension erst am Mittwoch erkennbar gewesen sei, als klar war, dass die Personen nicht wie zunächst gehofft noch schnell informiert werden konnten. Die Opposition sieht das anders - sie wirft der Regierung Unfähigkeit und eine unnötige Verzögerung vor. Auch Rücktrittsforderungen in Humls Richtung sind bereits geäußert worden.

Hintergrund sind massive Probleme bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen. Insgesamt erfuhren 44.000 Personen ihre Testergebnisse nicht oder nur stark verzögert, darunter bislang auch 949 positiv Getestete. 46 davon konnten den Angaben zufolge etwa wegen fehlender oder falscher Personendaten oder Telefonnummern bis heute nicht identifiziert werden - die Chancen, dass dies noch klappen könnte, gelten als gering. Wer sich auf das Virus testen lässt, muss seine Identität nicht nachweisen, Personalien werden nicht überprüft.

Ärztebund: Klinikpersonal wird zu wenig getestet

Der Ärzteverband Marburger Bund kritisierte mit Blick auf Reiserückkehrer, dass Klinikpersonal vergleichsweise schwer an Corona-Tests käme. Wenn Reiserückkehrer und Lehrer Anspruch auf kostenlose Tests hätten, "dann muss das auch für das Klinikpersonal gelten", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Derzeit zahlten die Krankenkassen nur dann automatisch die Kosten für die Tests bei Ärzten und Pflegekräften, wenn diese unter Symptomen litten. "Es darf nicht sein, dass für Tests an Klinikmitarbeitern in vielen Fällen zunächst eine Genehmigung des örtlichen Gesundheitsamtes eingeholt werden muss", wird Johna zitiert.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dämpfte währenddessen Hoffnungen auf eine baldige Versorgung mit einem Impfstoff für die breite Bevölkerung. Zwar dürfte ein sicherer, gut getesteter Impfstoff bereits Anfang 2021 zur Verfügung stehen, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch). "Aber die wichtige Frage für die Bevölkerung ist, wann tatsächlich auch geimpft werden kann." Seiner Einschätzung nach dürfte die ganze Bevölkerung "erst im Laufe von 2022 durchgeimpft sein". (dpa)

Mehr zum Thema Politik