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Wirtschaft

Corona-Krise bremst Verkehrsbetriebe aus

Während des Lockdowns war kaum einer unterwegs. Auch heute sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Dem ÖPNV fehlen etliche Millionen.

© Sebastian Schultz (Symbolbild)

Dresden. Keine Großveranstaltungen, weniger Pendler und kaum Schüler: In der Corona-Krise sind weniger Menschen als üblich mit Bus und Bahn unterwegs gewesen. Vor allem die Monate des Lockdowns haben den Verkehrsbetrieben im Freistaat drastische Einbußen beschert. 

Der Sächsische Städte- und Gemeindetag (SSG) geht nach Hochrechnungen davon aus, dass die Einnahmeausfälle im sächsischen ÖPNV in diesem Jahr mit rund 138 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zwar hilft der Bund dem öffentlichen Nahverkehr mit einem Konjunkturpaket. "Es ist allerdings absehbar, dass der sächsische Anteil letztlich nur gut die Hälfte der Einnahmeausfälle abdecken wird", sagte SSG-Geschäftsführer Mischa Woitscheck. Um die Verluste ausgleichen zu können, fordert der SSG daher eine Aufstockung der Mittel durch Bund und Land.

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Das Verkehrsministerium verweist auf den Rettungsschirm für den öffentlichen Nahverkehr, an dem sich der Bund mit rund 2,5 Milliarden Euro beteiligen will. Aktuell arbeite man an den konkreten Modalitäten zur Unterstützung des ÖPNV, hieß es. Dazu stimmten sich die Länder über eine bundesweit einheitliche Richtlinie ab.

Während des Lockdowns sind die Fahrgastzahlen in Sachsen um etwa 70 bis 90 Prozent zurückgegangen. Die Pandemie haben die "sehr erfreuliche Entwicklung der letzten Jahre" bei Bus und Bahn vorübergehend beendet, so eine Ministeriumssprecherin. Hat die Pandemie damit auch die Verkehrswende gebremst? Für eine grundsätzliche Einschätzung sei es noch zu früh, heißt es im Verkehrsministerium. Fest stehe aber: Während das Fahrrad zu den Gewinnern der Corona-Krise zähle, verbuche der ÖPNV Rückgänge.

Die sind auch nach den Lockerungen noch deutlich zu spüren: Weil zahlreiche Unternehmen noch in Kurzarbeit sind, fahren weniger Beschäftigte Bus und Bahn, so der Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), Christian Schlemper. Zudem mache sich auch die Maskenpflicht negativ bemerkbar. "Einige Fahrgäste entscheiden sich dann für das Auto, wo sie die Maske nicht benötigen." Durch Homeoffice und mobiles Arbeiten sinke zudem die Zahl der Pendler.

In der Corona-Krise gingen auf einigen Strecken die Zahl der Fahrgäste um bis zu 90 Prozent zurück. "Inzwischen liegen wir bei der Auslastung wieder bei Werten zwischen 66 und 75 Prozent von der regulären Nachfrage", so Schlemper. Den zwölf im VVO organisierten Unternehmen fehlen aller Voraussicht nach bis zum Jahresende rund 38 Millionen Euro. Die Wirkung des Rettungsschirmes sei noch offen, die Konsequenzen für die Verkehrsbetriebe daher noch unklar. "Wir hoffen auf Unterstützung", betonte Schlemper.

Während der Ausgangsbeschränkungen sank die Zahl der Fahrgäste bei der Chemnitzer Verkehrs-AG um etwa 60 Prozent, im Juni lag das Minus bei rund 20 Prozent. Ein ähnliches Bild auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB): Während des Lockdowns im März und April nutzten täglich nur knapp 150 000 Fahrgäste Bus und Bahn, vorher waren es mehr als 600 000. "Seit den ersten Lockerungen steigen sie kontinuierlich", sagt Sprecher Falk Lösch. 

Derzeit sind es wieder rund 400 000 Fahrgäste. Auch die fehlenden Kulturveranstaltungen und Messen machen sich bemerkbar. Für dieses Jahr rechnen die DVB mit einem Minus bis zu 20 Millionen Euro. Die Konsequenzen lassen sich noch nicht absehen. "Wir wissen ja nicht, wie lange die Einschränkungen noch wirken werden." (dpa)

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