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Döbeln

Corona sorgt in Leisnig für Missverständnis

Die Grünpflege steht in der Stadt nahezu jedes Jahr in der Kritik. Diesmal kam unbeabsichtigt noch das Thema Blühwiesen hinzu.

Zwischen Altleisnig und Röda sind die Straßenränder zu früh gemäht worden, finden einige Stadträte. Meist beschweren sich Autofahrer darüber, dass das Gras zu hoch steht und ihnen die Sicht nimmt.
Zwischen Altleisnig und Röda sind die Straßenränder zu früh gemäht worden, finden einige Stadträte. Meist beschweren sich Autofahrer darüber, dass das Gras zu hoch steht und ihnen die Sicht nimmt. © Dietmar Thomas

Leisnig. Kurz und knapp sollen sie während der Corona-Pandemie ausfallen – die Sitzungen der Leisniger Stadträte. Damit das gelingen kann, sind die Fraktionen und Abgeordneten angehalten, Fragen schon im Vorfeld an die Verwaltung, vorzugsweise an das Sekretariat des Bürgermeisters, zu mailen. Das haben Stefan Orosz (Linke) und Maria-Christin Anderfuhren (Bündnis Grüne) getan. Doch die Antwort, die Bürgermeister Tobias Goth (CDU) darauf am Ende der Ratssitzung gegeben hat, war nicht die, auf die Orosz gewartet hat.

Vielmehr ging der Rathauschef auf das Thema Blühwiesen ein. „Doch darum ist es uns gar nicht gegangen“, wies der Linkenstadtrat im Nachgang der Sitzung auf das Missverständnis hin. Ihm war aufgefallen, dass die Straßenränder in diesem Jahr schon relativ frühzeitig gemäht worden sind und vor allem dann, als es tagelang nicht geregnet hatte. So seien braun-vertrocknete Flächen zurückgeblieben. Diese gefallen auch Fraktionschefin Elgine Tur de la Cruz nicht, wie sie sagte.

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Aber: Nach Optik geht es bei diesen Arbeiten wohl zuletzt, hakte Bauamtsleiter Thomas Schröder ein. Wie er sagte, würden die Bauhofmitarbeiter schon versuchen, auf Witterung und Wachstumsphasen einzugehen. Allerdings könnten bei einer Länge von 142 Kilometer kommunaler Straße die Arbeitspläne nicht ständig über den Haufen geworfen werden. 

Außerdem sei der Bauhof vor allem dort hinterher, wo sich Gefahren ergeben könnten. Als Beispiele nannte Schröder Kreuzungen und Ausfahrten, wo es möglichst keine Sichtbehinderungen durch hohes Gras und Unkraut geben darf.

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Ebenso wichtig sei die Grabenpflege. Nicht erst einmal war es in der Vergangenheit dazu gekommen, dass hohes Gras den Abfluss von Regenwasser behindert hat und Wassermassen stattdessen Straßen und Grundstücke fluteten. „Wie beim Winterdienst haben wir auch bei der Grünpflege eine Prioritätenliste“, so der Amtsleiter. 

Der rechtzeitige Rückschnitt sei eine Pflicht der Kommune, ergänzte Stadtrat Michael Heckel (SPD). Die Leitpfosten müssten gut sichtbar sein. Auch bei Trockenheit könne da nicht allzu lange gewartet werden.

Zum Thema Blühwiesen sagte Bürgermeister Goth nach Rücksprache mit Leisnigs Stadtgärtner Steffen Holz, dass sich nicht alle im Vorjahr ausgesuchten Flächen wie etwa auf der Muldenwiese oder am Georg-Rümpler-Weg dafür eignen. „Werden diese und andere Streifen nicht regelmäßig gemäht, wachsen dort in großem Umfang Brombeeren“, erklärte der Rathauschef. 

Von ähnlichen Probleme hatte auch der Bauamtsleiter schon einmal gesprochen. Mit der vorhandenen Technik könnten die Wiesen, wenn das Grün lange stehen bleibt, nicht mehr bearbeitet werden.

„Wir werden uns noch einmal anschauen, wo es möglich ist, Blühwiesen für Insekten stehen zu lassen“, stellte der Bürgermeister in Aussicht. Die Liste wolle er den Mitgliedern des Technischen Ausschusses vorstellen. Fest stehe für ihn schon: „Die Pflege dieser Flächen muss beherrschbar bleiben.“

Der Bauamtsleiter sieht da noch eine Kommunikationsaufgabe auf die Kommune zukommen. „Das hohe Gras gefällt nicht jedem“, sagte er und erzählte von einer Reihe von Anrufen, in denen sich Leisniger im Rathaus darüber beschwerten, dass hier und da kein oder zu selten Gras gemäht wird.

„Möglicherweise müssen einige Leute da aber auch ihre Einstellung überdenken. Nicht alles, was dem Ordnungssinn entspricht, muss auch gut für die Natur sein“, sagte Umweltschützerin Maja Lichtenstein aus Polditz. Sie hatte im vergangenen Jahr in einer Ausschusssitzung angeregt, Wiesenflächen und Straßenränder weniger zu mähen, damit Insekten mehr Nahrung finden. Daraufhin hatte die Kommune begonnen, die Grünpflege dort zurückzuschrauben, wo es ihr möglich und sinnvoll erschien.

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