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Sport

Wie geht es im Sport jetzt weiter?

Spiele und Wettkämpfe ohne Zuschauer, die Verlegung internationaler Turniere - diskutiert wird derzeit viel, klar ist wenig. Ein Überblick.

Noch am Donnerstag spielte Eintracht Frankfurt in der leeren Commerzbankarena sein Europa-League-Match gegen Basel. Wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, ist derzeit unklar.
Noch am Donnerstag spielte Eintracht Frankfurt in der leeren Commerzbankarena sein Europa-League-Match gegen Basel. Wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, ist derzeit unklar. © dpa/Arne Dedert

Berlin. Die Coronavirus-Pandemie und ihre Folgen sind auch für den Sport nicht absehbar. Verbände stehen unter Druck und vor weiteren eingreifenden Entscheidungen. Vereine stehen womöglich vor existenziellen Problemen. Geklärt ist derzeit wenig, Fragen gibt es umso mehr.

Wann ist im Fußball wieder mit einem geregelten Spielbetrieb zu rechen?

Die Deutsche Fußball Liga plant erstmal eine Unterbrechung bis zum 2. April. Viele Maßnahmen im öffentlichen Leben sind eher bis nach den Osterferien datiert. 

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Am Freitag, den 13.3. um 19.30 Uhr wäre die Playoff-Viertelfinal-Serie der Dresdner Eislöwen gegen die Löwen Frankfurt gestartet.

In der Hauptstadt, vertreten in der Bundesliga mit Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin, darf einem Senatsbeschluss zufolge bis zum 19. April nicht gespielt werden. In Rheinland-Pfalz, wo der FSV Mainz 05 beheimatet ist, gilt bis Ostern ein Verbot für alle Veranstaltungen mit mehr als 75 Menschen. 

"Wir müssen endlich der Realität ins Auge schauen. Wir müssen vier Wochen warten, alles auf null fahren. Vielleicht müssen wir im Oktober noch aufhören, Fußball zu spielen. Das weiß kein Mensch", sagte Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München, am Sonntag in Sport1.

Wie geht es den bisher fünf positiv getesteten deutschen Fußball-Profis?

Luca Kilian vom Bundesligisten SC Paderborn litt zwei Tage unter Fieber und Schüttelfrost. Ihm geht es wieder besser. Fabian Nürnberger vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg geht es ebenfalls gut. Er hat nach Club-Angaben derzeit keine Symptome. 

Timo Hübers vom Liga-Rivalen Hannover 96 geht es "den Umständen entsprechend" gut. Viel schlimmer als die leichten Grippesymptome sei die Langeweile. 

Jannes Horn hatte bereits mitgeteilt, dass es ihm "super" gehe. Stefan Thesker von Holstein Kiel hat indes wie Hübers leichte grippe-ähnliche Beschwerden.

Wie sieht es im europäischen Fußball aus?

Es herrscht Stillstand - in fast allen europäischen Ligen. Der Europapokal ist auch ausgesetzt. Nur in wenigen Ligen wie in Russland und der Türkei wurde am Wochenende noch gespielt.

Wird Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool nun womöglich doch nicht englischer Meister?

30 Jahre warten die Reds auf diesen Triumph. Zwei Siege fehlen nur noch, dann ist der FC Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp Meister der Premier League. Am 4. April soll der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Wohlgemerkt: soll! 

Wie auch in Deutschland werden aber schon diverse Szenarien durchgespielt. Darunter ein Abbruch oder sogar eine Annullierung der Saison. Nach Informationen der "Daily Mail" könnte dem Verein die Meisterschaft im Falle eines Saisonstopps aber einfach zugesprochen werden.

Bei 25 Punkten Vorsprung sei von den anderen Clubs kein Widerspruch zu erwarten, hieß es.

Wird die EM im Sommer abgesagt?

An dieser Frage entscheidet sich auch im Vereinsfußball fast alles. Findet die EURO in zwölf Ländern nicht vom 12. Juni bis 12. Juli statt, haben die Ligen mehr Spielraum, ihre Saison doch noch zu beenden. 

Der nächste wichtige Stichtag wäre der 30. Juni - das Datum, an dem die Verträge der Spieler auslaufen. Eine Verschiebung der EM in den Winter oder um ein Jahr in den Sommer 2021 wird immer wahrscheinlicher. Dies würde auch die Chance bieten, die ausgesetzten Europapokal-Wettbewerbe zu beenden. 

Die spanische Zeitung "Marca" brachte bereits ein Final Four in der Champions League ins Spiel. Am Dienstag kommt es bei der UEFA zur Krisensitzung mit den 55 Landesverbänden.

Wird auch Olympia abgesagt?

Japans Verantwortliche bleiben hartnäckig. Sie wollen die Spiele durchführen. Das Internationale Olympische Komitee will das auch, das bekräftigte jüngst noch mal der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach. Sollte allerdings die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Absage raten, werde das IOC dem folgen. 

Als großes Problem stellt sich derzeit auch die Olympia-Qualifikation für Tokio heraus. 45 Prozent der Athletinnen und Athleten sind noch nicht qualifiziert und in fast sämtlichen Sportarten finden vorerst keine Wettkämpfe statt.

Wie geht es in anderen großen Sportarten weiter?

Das ist offen, zumal die Einreisebeschränkungen weltweit immer größer werden. So startet die Formel 1 wohl frühestens Ende Mai. Auch die Fortsetzung der großen US-Ligen wie NBA und NHL steht in den Sternen.

Wie reagieren die Sportler?

Die einen langweilen sich schon, andere, wie Formel-1-Pilot Max Verstappen, wechseln gezwungenermaßen zum Sport unter virtuellen Bedingungen. Insgesamt überwiegen aber Aufrufe zu Solidarität und Vernunft wie von den Fußball-Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Fand am Wochenende überhaupt noch Sport statt?

Durchaus. Im Biathlon wurde in Kontiolahti gelaufen und geschossen - allerdings vor leeren Rängen. Ebenso waren bei der Radrundfahrt Paris - Nizza, die Maximilian Schachmann gewann, keine Zuschauer an der Strecke. 

In London wurde bei der Olympia-Ausscheidung der Amateure geboxt - mit Zuschauern in der Copper Box Arena. "Wir hatten alle ein wenig Schiss, dass die Quali ganz abgesagt wird oder das keine Zuschauer da sind", sagte Weltergewichtlerin Nadine Apetz. 

In Dortmund wurde bis Sonntagvormittag geritten - dann war auf Anordnung der Behörden auch dort Schluss.  (dpa)