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Deutschland & Welt

Coronavirus erreicht Mallorca

Ein Brite, der auf der Mittelmeerinsel lebt, ist der zweite Infizierte in Spanien. Für den Mobile World Congress in Barcelona gibt es aus Angst vor der Epidemie erste Absagen.

Ein Laborwissenschaftler in Schutzkleidung arbeitet im Institut Pasteur mit Proben von Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind.
Ein Laborwissenschaftler in Schutzkleidung arbeitet im Institut Pasteur mit Proben von Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind. © Francois Mori/AP/dpa

Von Martin Dahms, Madrid

Ein aufmerksamer Patient: Ein Brite, der mit seiner Familie in der Gemeinde Marratxí in der Nähe von Palma de Mallorca lebt, informierte vor einigen Tagen aus eigener Initiative die Gesundheitsbehörden darüber, dass er möglicherweise mit dem Wuhan-Coronavirus infiziert sei. Am frühen Sonntagmontag hat das Nationale Mikrobiologie-Zentrum in Madrid seinen Verdacht bestätigt. Es ist der zweite Coronavirus-Fall in Spanien nach dem eines deutschen Urlaubers auf La Gomera.

„Dem Patienten geht es gut, er ist gesund, er hat praktisch keine Symptome“, erklärte am Sonntagvormittag der Direktor des spanischen Koordinationszentrums für sanitäre Notfälle, Fernando Simón, auf einer Pressekonferenz in Madrid. Der Brite befindet sich seit Freitag isoliert im Universitätskrankenhaus Son Espases in Palma. Dort sind auch seine Frau und seine beiden Töchter unter Beobachtung, obwohl der Virustest bei ihnen negativ ausfiel.

Angesteckt hat sich der britische Patient offenbar bei einem Landsmann während eines Skiurlaubs in den französischen Alpen. Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn berichtete am Samstag von insgesamt fünf britischen Infizierten im Département Haute-Savoie an der Grenze zur Schweiz. Der auf Mallorca lebende Brite, der am 29, Januar aus dem Urlaub zurückkam, hat nun eine Liste mit seinen Kontaktpersonen seit seiner Rückkehr nach Mallorca zusammengestellt, mit denen sich die Gesundheitsbehörden in Verbindung setzen werden.

Deutscher auf La Gomera im Krankenhaus

„Bisher hat es keine Ansteckung innerhalb Spanien gegeben“, sagte Spaniens Notfallkoordinator Simón am Sonntag. Auch der erste, vor gut einer Woche auf La Gomera bekanntgewordene Fall ist nach jetzigem Stand des Wissens ohne weitere Folgen geblieben. Der deutsche Urlauber sei weiterhin im Krankenhaus von La Gomera, berichtete die kanarische Regionalregierung am Freitag. Es gehe ihm gut, und er könne wahrscheinlich am Donnerstag entlassen werden. Zwei Sitznachbarn von ihm auf dem Flug von München nach Teneriffa sind nach Informationen der Inselverwaltung von La Gomera ohne Anzeichen einer Erkrankung nach Deutschland zurückgekehrt, wo sie für alle Fälle unter Beobachtung stehen.

Um mögliche Ansteckungen zu verhindern, hat der koreanische Elektronikkonzern LG vor einigen Tagen beschlossen, seine Teilnahme am Mobile World Congress in Barcelona abzusagen. Das Unternehmen will damit verhindern, „dass Hunderte LG-Mitarbeiter unnötig internationalen Reisen ausgesetzt werden“. Dem Beispiel folgten am Freitag das schwedische Mobilfunkunternehmen Ericson und am Samstag der kalifornische Entwickler von Grafikprozessoren Nvidia. Andere Unternehmen wie ZTE aus China oder (nach einem noch unbestätigten Bericht vom Samstag) Samsung aus Korea wollen ihre Teilnahme reduzieren.

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Der Mobile World Congress, der am Montag in zwei Wochen beginnt, ist die größte Mobilfunkmesse der Welt. Erwartet wurden für dieses Jahr ursprünglich an die 110 000 Besucher, doch Hoteliers in Barcelona berichten von ersten Stornierungen. Der Veranstalter empfiehlt den Teilnehmern, sich nicht per Handschlag zu begrüßen und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Dafür sollen zahlreiche zusätzliche Handwaschmöglichkeiten eingerichtet werden. Auf den Akkreditierungen, die jeder Besucher um den Hals trägt, wird eine Notfalltelefonnummer notiert sein, und für die, die wollen, sollen auseichend Mund-Nase-Masken zur Verfügung stehen.

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