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18.000 Extra-Impfdosen für Mittelsachsen

Der Landkreis hat die zweithöchste Inzidenz in Sachsen. Das soll sich möglichst schnell ändern.

Der Landkreis Mittelsachsen bekommt 18.000 zusätzliche Impfdosen zugeteilt. Das gab Sachsens Gesundheitsministerium Petra Köpping (SPD) am Donnerstag in Freiberg bekannt.
Der Landkreis Mittelsachsen bekommt 18.000 zusätzliche Impfdosen zugeteilt. Das gab Sachsens Gesundheitsministerium Petra Köpping (SPD) am Donnerstag in Freiberg bekannt. © dpa

Mittelsachsen. Die Hausärzte haben kaum noch Verständnis. Die Patienten sind ungeduldig.

Seit fünf Wochen unterstützen die niedergelassenen Ärzte das Impfzentrum und die mobilen Impfteams bei den Corona-Schutzimpfungen. Zu den ersten Praxen in der Region Döbeln, die sich dabei engagiert haben, gehört die von Ulf-Dietrich Fischer in Leisnig.

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Er hatte freiwillige Helfer organisiert. Dr. Ulf Fischer, Hausarzt im Ruhestand, hatte seine Unterstützung beim Impfen angeboten. Beides hat die Praxis aber noch nicht in Anspruch genommen. Denn ihr standen bisher lediglich rund 200 Impfdosen zur Verfügung.

Obwohl sich mittlerweile Menschen der Priorisierungsgruppe 3 impfen lassen können, gibt es in der Leisniger Praxis noch eine Warteliste, auf der 120 Patienten der Priorisierungsgruppen 1 und 2 stehen, die also älter als 70 und 80 Jahre sind. „Sie sollten mit Biontech geimpft werden. Von diesem Impfstoff bekommen wir zurzeit aber nur so viel, dass er für die Zweitimpfung reicht“, sagt Diana Fischer, vom Team der Hausarztpraxis.

Von Beginn an Lieferprobleme

Von Beginn an hat diese Probleme mit der Lieferung des Impfstoffs. Vor der ersten Woche habe die Praxis die schriftliche Zusage für eine bestimmte Menge erhalten und entsprechend vielen Patienten einen Impftermin angeboten. „Dann haben wir aber zwölf Dosen weniger bekommen und mussten die Patienten wieder abbestellen“, so Diana Fischer.

Selbst Astra-Zeneca, das angeblich niemand mehr haben wolle, sei knapp. „Wir haben 180 Dosen bestellt. Die hätten wir an einem Nachmittag verimpfen können. Erhalten haben wir 50 Dosen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Diana Fischer. Aus dieser Erfahrung heraus würden die Impf-Patienten jetzt erst bestellt, wenn der Impfstoff bereits im Kühlschrank der Praxis liegt.

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Gleichzeitig stehe das Telefon nicht still. Die Nachfrage nach Impfungen sei riesig groß. „Und diejenigen, die wirklich krank sind, kommen gar nicht mehr durch und stehen dann ohne Termin in der Praxis, um behandelt zu werden“, erzählt Diana Fischer und fragt: „Die Inzidenz im Landkreis ist sehr hoch. Weshalb wird die Liefermenge dann nicht erhöht und vorrangig in Mittelsachsen geimpft?“

Zweithöchste Inzidenz in Sachsen

Eine Antwort darauf gaben Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping auf einer ausschließlich zu diesem Thema einberufenen Pressekonferenz in Freiberg. Der Landkreis Mittelsachsen erhält insgesamt 18.000 zusätzlich Impfdosen – 10.000 Dosen Astra-Zeneca und 8.000 Dosen Johnson & Johnson.

„Die Impfwilligen brauchen trotzdem noch Geduld. Wir können nicht alle Probleme an einem Tag lösen. Aber wir hoffen, dass der Landkreis damit bald unter die Inzidenz von 100 kommt“, sagt Petra Köpping.

Michael Kretschmer verweist auf den Vogtlandkreis, der durch eine ähnliche Aktion jetzt sie zweitniedrigste Inzidenz in Sachsen hat. In Mittelsachsen ist es mit einem Wert von 110,5 nach dem Erzgebirgskreis derzeit die zweithöchste. „Corona ist extrem heimtückisch. Nur durch engagiertes Vorgehen kann es gelingen, die Situation wieder in den Griff zu bekommen“, so der Ministerpräsident.

Ministerpräsident Michael Kretschmer plädiert weiterhin für die vier Komponenten Impfen, Testen, Mund-Nase-Schutz und Abstand halten, „damit wir einen schönen Sommer mit einem lebendigen Tourismus erleben.“
Ministerpräsident Michael Kretschmer plädiert weiterhin für die vier Komponenten Impfen, Testen, Mund-Nase-Schutz und Abstand halten, „damit wir einen schönen Sommer mit einem lebendigen Tourismus erleben.“ © Cathrin Reichelt

3.000 Dosen für Arztpraxen, 15.000 für das Impfzentrum

Von den zusätzlichen Impfdosen seien rund 3.000 für die Arztpraxen und 15.000 für das Impfzentrum sowie die drei mobilen Teams vorgesehen, erklärt DRK-Chef Rüdiger Unger. Zu dem Impfzentrum in Mittweida werden drei temporäre Impfzentren in Döbeln, Freiberg und Rochlitz geschaffen. „Wir planen die Verteilung des Impfstoff für nächste Woche“, so Unger.

Die Sachsen haben die Wahl, in welchem Zentrum sie sich impfen lassen. Das Mittweidaer sei ein sehr beliebtes, weil gut organisiertes Impfzentrum. Dort seien bisher rund 110.000 Dosen Biontech, 10.000 Dosen Moderna und reichlich 8.000 Dosen Astra-Zeneca verimpft worden. Letztere vor allem bei den Erstimpfungen.

„In den vergangenen vier, fünf Wochen hatten wir dort eine stabile Impfleistung aufgrund einer stabilen Impfstofflieferung.“ Die mobilen Teams hätten bisher 253 Impfeinsätze absolviert und dabei etwa 500 Dosen pro Tag verimpft. Insgesamt seien durch den zusätzlichen Impfstoff in nächster Zeit 400 Impfungen pro Tag mehr möglich.

Die Erkrankten werden jünger

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer Erik Bodendieck weist darauf hin, dass sich bei den an Corona Erkrankten, der Altersdurchschnitt verschoben habe. Sie werden Jünger. „Es kann jeden treffen“, so Bodendieck. Und er widerspricht Behauptungen, dass die Impfstoffe im Eiltempo „im Hinterzimmer“ entwickelt worden sind. An ihnen werde bereits seit 20 Jahren geforscht.

Die Basis der Impfstoffe sei dieselbe wie beim Impfstoff gegen Ebola. „Aus heutiger Sicht sind die Impfstoffe sicher. Sie können keine Gene verändern. Und kein Mensch wird in einigen Jahren als Affe herumlaufen, nur weil für Astra-Zeneca ein Schimpansenvirus genutzt wird“, erklärt er. Moderna, Astra-Zeneca, Biontech sowie Johnson & Johnson seien die Impfstoffe der Zeit, „und wir gehen davon aus, auch der Zukunft“, so der Präsident.

Mehr als 111.000 Tests in zwei Monaten

Landrat Matthias Damm (CDU) zeigte sich dankbar, „dass wir unseren Menschen einen solchen Schutz bieten können.“ Das Impfen sei der Schlüssel zur Eindämmung der Pandemie – neben dem Testen. In dieser Richtung habe der Landkreis viel getan. In Mittelsachsen gibt es 79 Testzentren, in denen seit März 111.848 Tests erfolgt sind, von denen 745 positiv ausgefallen sind.

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