merken
PLUS Leben und Stil

Corona-Selbsttests - Was Sie jetzt wissen müssen

Ab Sonnabend gibt’s die ersten Tests für zu Hause. Doch was ist der Unterschied zu den versprochenen Schnelltests? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Uh, wie unangenehm! Die Stäbchen für den Selbsttest müssen aber nicht ganz so tief eingeführt werden wie für den Schnelltest.
Uh, wie unangenehm! Die Stäbchen für den Selbsttest müssen aber nicht ganz so tief eingeführt werden wie für den Schnelltest. © Symbolfoto: Peter Kneffel/dpa

Schnelltests für Laien wecken in der Corona-Pandemie die Hoffnung auf etwas mehr Normalität. Vor dem Besuch bei einer Freundin oder beim Friseur rasch noch prüfen, dass man nicht positiv und infektiös ist – und dann mit ruhigem Gefühl aufbrechen, das soll jetzt möglich werden.

Ab wann und wo wird man Selbsttests für zu Hause kaufen können?

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Aldi kündigt an, dass in Deutschland produzierte Tests bereits ab dem morgigen Sonnabend an der Kasse erhältlich sind. Zunächst sei die Abgabemenge auf eine Packung pro Kunde begrenzt. Sie kostet rund 25 Euro und enthält fünf Tests. Das Ergebnis soll nach einem Nasenabstrich in 15 Minuten vorliegen. Die Drogeriemarktketten Rossmann und dm werden mit dem Verkauf am nächsten Dienstag beginnen. Lidl sowie Supermärkte von Rewe und Edeka wollen folgen. Und auch Apotheken werden die Tests verkaufen. „Die Nachfrage steigt. Anfang der kommenden Woche könnten Apotheken in Sachsen die Tests anbieten“, sagt Göran Donner, Vizepräsident der sächsischen Apothekerkammer.

Was ist der Unterschied zwischen Schnelltests und Selbsttests?

Antigen-Schnelltests müssen durch geschultes Personal durchgeführt werden. Sie liefern im Gegensatz zum PCR-Test noch vor Ort ein Ergebnis. Dafür wird, ähnlich wie beim PCR-Test, ein Abstrich tief aus dem Nasen- oder Rachenraum entnommen. Selbsttests sind laienverständlich und können von jedem zu Hause gemacht werden. Die Probeentnahme kann mit einem Nasenabstrich oder künftig auch mit Speichel erfolgen. Das Wattestäbchen für den Nasenabstrich müsse oft nur zwei bis vier Zentimeter tief in ein Nasenloch eingeführt und bewegt werden, heißt es in der Anleitung bisher zugelassener Produkte. „Es gibt aber auch Selbsttests, bei denen die Probeentnahme tief aus dem Rachen erfolgen muss“, sagt Göran Donner. Beim Kauf sollten Kunden auf den Unterschied achten. „Bislang sind sieben Selbsttest zugelassen, alle für Nasenabstriche. Aber möglicherweise gibt es bald auch andere Tests“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Wie sicher sind die einzelnen Tests?

Der PCR-Test gilt nach wie vor als der Goldstandard. Er erkenne RNA, also Teile des Erbmaterials, die für das Coronavirus typisch sind. Dafür muss der Abstrich in einem Labor über mehrere Stunden verschiedene Testzyklen durchlaufen. Mit diesem Verfahren können auch geringe Virusmengen nachgewiesen werden.

Der Antigen-Schnelltest funktioniert anders: Er erkennt spezielle Oberflächen-Proteine des Virus, die sogenannten Antigene. Sind ausreichend viele Verbindungen von Antigen und Antikörper vorhanden, erscheint im Testfeld ein farbiger Strich – ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Der Antigen-Schnelltest liefert nach 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis, ist aber nicht so verlässlich wie ein PCR-Test. Im Schnitt erkennen Antigentests rund 80 Prozent der Infizierten.

Auch die Selbsttests haben gegenüber den PCR-Tests eine höhere Fehlerrate, so das Bundesgesundheitsministerium. Daher soll nach jedem positiven Selbsttest immer ein PCR-Test zur Bestätigung gemacht werden. Die Erkennungsrate bei den Aldi-Selbsttests soll nach eigenen Angaben bei 96 Prozent liegen. Doch ein negatives Ergebnis ist kein Freibrief. Denn die Schnelltests erkennen zwar Menschen, die stark ansteckend sind, recht zuverlässig. Doch bei Infizierten mit geringer Virenlast – etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung – schlagen sie womöglich nicht an. Das Robert Koch-Institut warnt deshalb vor einer Überschätzung von Selbsttests. Ein negatives Ergebnis sei nur eine Momentaufnahme und schließe eine Infektion nicht aus.

© Grafik: dpa

Gibt es eine Meldepflicht bei einem positiven Laien-Selbsttest?

Bislang nicht – zumal nicht für den privaten Bereich. Wer einen positiven Laien-Selbsttest macht, sollte diesen aber genauso wie bei einem positiven Antigen-Schnelltest durch einen PCR-Test bestätigen lassen und sich vorsichtshalber solange zu Hause in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt.

Gibt es die versprochenen kostenlosen Schnelltests in Apotheken schon?

Nein. „Die neue Testverordnung ist noch nicht in Kraft“, informiert der Sächsische Apothekerverband. Erst nach dem Inkrafttreten und einer Beauftragung durch die Gesundheitsämter könnte diese Leistung erbracht werden. Der Anspruch auf einen kostenlosen Test soll bereits ab Montag gelten, informiert die Bundesregierung. Die Kosten trage dann der Bund. Auf eigene Kosten können aber alle Bürger bereits jetzt in Testzentren, Apotheken oder Praxen einen Antigen-Schnelltest machen lassen. Etwa jede zehnte Apotheke bietet sie bereits an. Auch in Sachsen sei die Nachfrage groß, wie Göran Donner sagt.

Wie häufig sollten die Selbsttests zu Hause gemacht werden?

Experten raten, den Antigentest für zu Hause regelmäßig, also zwei- bis dreimal pro Woche, durchzuführen. Angezeigt sei er auch bei Besuchen oder Kontakten mit Personen, die ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. Der Selbsttest liefert keinen perfekten Schutz – ist aber ein weiteres Element, um die Pandemie zu bekämpfen.

Wird es genügend Selbsttests zu kaufen geben?

Weiterführende Artikel

Deutlich weniger andere Infektionen seit Corona

Deutlich weniger andere Infektionen seit Corona

Die Deutschen brauchten Millionen weniger Pillen gegen Erkältung und Durchfall. Nur ein Mittel stieg in der Gunst.

Eltern sollten ihre Kinder nie schlagen

Eltern sollten ihre Kinder nie schlagen

In der Pandemie sind viele Eltern extrem belastet. Das bekommen auch Kinder zu spüren. Doch es gibt Grenzen, die Eltern nicht überschreiten sollten.

Schnelltest-Pannen - Wer ist schuld?

Schnelltest-Pannen - Wer ist schuld?

Am Montag sollen die angekündigten Gratis-Schnelltests für alle verfügbar sein - das klappt wohl nicht durchgängig. Die Kritik erntet Jens Spahn.

Weltrettung? Vorn links, im Regal 4!

Weltrettung? Vorn links, im Regal 4!

Im aktuellen Corona-Chaos kann uns nur noch eine Supermacht wirklich schützen, meint SZ-Redakteur Gunnar Saft in seiner satirischen Kolumne.

Erst vergangene Woche seien die ersten Selbsttests zugelassen worden, informiert das Bundesgesundheitsministerium. Trotzdem habe der Bund bereits über 200 Millionen Selbsttests gesichert. Mit weiteren Herstellern liefen Gespräche. Doch auch hier werde das tatsächliche Marktangebot die gesicherten Kontingente weit übertreffen. Die Bundesregierung setzt auch auf private Plattformanbieter, um Bestellungen auch für die Länder, Schulen und Kitas abzuwickeln. (mit dpa)

Mehr zum Thema Leben und Stil