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Corona-Abi mit oder ohne Prüfung?

Die Leiter der Gymnasien in Döbeln, Hartha und Nossen sind sich bei der Antwort auf diese Frage einig. Und sie haben Vorschläge.

Nach dem Willen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sollen die Zwölftklässler in diesem Jahr ihr Abitur ohne Prüfungen erhalten. Die Leiter der Gymnasien in der Region sehen das aber anders.
Nach dem Willen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sollen die Zwölftklässler in diesem Jahr ihr Abitur ohne Prüfungen erhalten. Die Leiter der Gymnasien in der Region sehen das aber anders. © Symbolfoto/dpa

Döbeln/Hartha/Nossen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will die Abiturprüfungen in diesem Jahr möglicherweise ausfallen lassen. Hintergrund sind die schwierigeren Bedingungen durch die Pandemie.

Aus den Zensuren, die die Gymnasiasten während des Schuljahres erhalten haben, sollen dann die Abschlussnoten errechnet werden. Wie sehen die Leiter der Gymnasien in der Region den Vorstoß der GEW? Sächsische.de hat sich umgehört.

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Gymnasium Döbeln: Die Zwölftklässler sind gut vorbereitet

„Es gibt keinen Grund, darüber nachzudenken, die Prüfungen ausfallen zu lassen“, sagt Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Die Vorbereitungen für die schriftlichen Prüfungen, die in Sachsen zwischen dem 23. April und 11. Mai geplant sind, laufen gut.

„Die Zwölfer haben sich seit Mitte Januar ausschließlich auf diese Prüfungen vorbereitet. In manchen Fächern hat der Lehrer dabei nur mit zwei bis drei Schülern gearbeitet“, so Höhme. Das sei für die fünf Leistungskurse eine sehr intensive Vorbereitung gewesen.

Viel interessanter sei es für den Schulleiter, ob sich die Zahlen, nach denen sich die Entscheidungen der Politik richten, so verändern, dass noch ein Lockdown oder eine Quarantäne dazwischen kommt. „Aber selbst für diesen Fall stünde noch der Termin für die eigentliche Nachprüfung zur Verfügung“, sagt Höhme.

Grundsätzlich habe er ein gewisses Verständnis dafür, dass sich die GEW für den Fall der Fälle Gedanken macht. Aber für die Bildung haben die Bundesländer die Entscheidungshoheit. Dadurch haben die Prüfungen in Rheinland-Pfalz begonnen, „Und für Sachsen ist die Absage im Moment kein Thema“, meint Michael Höhme.

Gymnasium Hartha: Statt einem großen viele kleinere Räume nutzen

„Die Schüler der zwölften Klassen sind ausreichend vorbereitet“, sagt auch Heike Geißler, Leiterin des Martin-Luther-Gymnasium Hartha. Seit Januar haben sie sich ausschließlich mit dem Stoff der fünf Prüfungsfächer beschäftigt.

„Das gab es noch nie“, meint die Schulleiterin. Sie unterrichtet einen Grundkurs Geschichte. „Mit dem bin ich im Lehrplan.“ Und auch in diesem Kurs bereiten sich die Schüler seit einigen Wochen nur noch auf die Prüfung vor.

„Ein Abitur ohne Prüfung würde ich nicht begrüßen“, erklärt die Schulleiterin. Denn am Martin-Luther-Gymnasium habe es keine größeren Ausfälle gegeben. Vom Schuljahresbeginn bis zum 15. Dezember habe durchgehend Präsenzunterricht stattgefunden. Lediglich im Januar seien zehn Schüler der zwölften Klasse in Quarantäne gewesen. „Aber die haben wir immer online zum Unterricht dazu geschaltet“, so Heike Geißler.

Statt die Prüfungen entfallen zu lassen, wäre ihr eine andere Raumaufteilung während der Prüfungszeit wichtiger. Statt in der Aula oder in der Hartharena könnten die reichlich 70 Abiturienten auf mehrere Klassenräume verteilt werden.

Dabei seien wenige Schüler in einem Raum möglich, die dort während der bis zu fünf Stunden Prüfungszeit auch keine Maske tragen müssten. Das habe das Gymnasium bereits im vergangenen Jahr praktiziert und es habe gut funktioniert. „In diesen beiden Wochen der schriftlichen Prüfungen sollte man den Fokus auf die Abiturienten setzen und die anderen Schüler zu Hause lassen“, schlägt Heike Geißler vor.

Gymnasium Nossen: Schüler können auch Zweittermin für Prüfung wählen

Die Schüler wissen seit September, in welchen Fächern sie geprüft werden und bereiten sich seit Mitte Januar ausschließlich darauf vor. „Inhaltlich würde ich dringend davon abraten, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen“, sagt Bert Xylander, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Nossen. Die Prüfungen sind in der dortigen Turnhalle geplant, in der es eine Lüftung gibt und das Abstandhalten möglich sei.

Fühle sich einer der 85 Abiturienten trotz der intensiven Vorbereitung nicht in der Lage, an der Prüfung teilzunehmen, könne er sich auch für den eigentlichen Nachholetermin entscheiden.

Der Unterricht in allen Fächern, in denen keine Prüfung erfolgt, sei für die Zwölftklässler in Sachsen vom 7. Juni bis 9. Juli geplant. Danach könnten die Schüler eine zusätzliche mündliche Prüfung beantragen, um eine Endnote zu verbessern, oder gar das Durchfallen in einem Fach zu verhindern. Diese Prüfungen sollen in der Zeit vom 16. bis zum 22. Juli erfolgen.

Das heißt, die Zeugnisse können in solchen Fällen frühestens am 22. Juli geschrieben und ausgegeben werden. Ab dem 24. Juli beginnen die Sommerferien. Normalerweise erhalten die Abiturienten ihre Zeugnisse etwa zwei Wochen vor allen anderen Schülern. Das ist in diesem Jahr nicht möglich.

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„Dazu kommt, dass die Schüler schon sehr lange im Vorfeld ihre Abifeier planen. Bei uns wäre das der 16. Juli gewesen“, so Xylander. Jetzt fasst der Schulleiter den 22. Juli ins Auge und erinnert sich an das vergangene Jahr. „Da ist die Zeugnisausgabe in fünf Durchgängen erfolgt.“

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