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Was beim Corona-Abi fehlt

Schule, Sport, Musik - alles in einem Raum. Für den Dohnaer Julius Heilfort ein Spagat. Um seinen Abschluss sorgt er sich nicht, aber um etwas anderes.

Lernen, schlafen, Sport und Musik in einem Raum: Da macht Julius Heilfort auch schon mal mit der Notenmappe Kniebeugen.
Lernen, schlafen, Sport und Musik in einem Raum: Da macht Julius Heilfort auch schon mal mit der Notenmappe Kniebeugen. © Daniel Schäfer

Endlich Ferien, endlich frei: Na ja, ein bisschen. Denn die Winterferien sind Corona geschuldet und zugunsten einer längeren Pause um Ostern kürzer. Jetzt eine Woche statt zwei, dann zwei statt einer. Julius Heilfort kann der Verschiebung etwas Positives abgewinnen. Da es Ostern straff auf die Prüfungen zugeht, hat er dann mehr Zeit für die Vorbereitung. Julius geht davon aus, dass sein Jahrgang es schwerer hat als die davor. Obwohl die Abschlussklassen im Vergleich zu den anderen mehr Unterricht in der Schule haben, bleibt doch noch sehr viel Online-Lernen. Zu viel aus seiner Sicht. Und sich ein Thema selbst zu erarbeiten, ist auch für einen Abiturienten nicht so mit links zu machen.

Trotz Corona vollwertiges Abitur

Am Ende wird auf die außergewöhnliche Situation Rücksicht genommen. Doch die diesjährigen Abiturienten sind die ersten, die am Ende eines kompletten Corona-Schuljahres ihren Abschluss machen. Schon voriges Jahr war die Sorge groß, der Abi-Jahrgang 2020 könnte als der mit dem Not-Abi in die Geschichte eingehen. Diese Sorge ist nun dieses Jahr nicht geringer. Julius hofft, dass sein Abitur am Heidenauer Gymnasium keinen solchen Beigeschmack hat. "Wir machen ja ein vollwertiges Abitur, das keiner als minderwertig ansehen sollte." Eigentlich sogar im Gegenteil. Denn Julius und die 530 weiteren Abiturienten im Landkreis werden es unter erschwerten äußeren Bedingungen geschafft haben. Für die Prüfungen jedoch gibt es einige Erleichterungen.

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Erleichterungen für die sächsischen Abiturienten dieses Jahr:

  • Den Schulen wurden zu Schuljahresbeginn Themen benannt, die kein Schwerpunkt der zentralen schriftlichen Prüfungen sein werden.
  • Die Teilnahme am Prüfungs-Ersttermin ist freiwillig. Wer sich zu diesem noch nicht in der Lage sieht, die Prüfung abzulegen, kann auf den Zweittermin ausweichen. Eine Teilnahme am Zweittermin ist dann jedoch Pflicht.
  • Die Zweit- und auch Drittkorrekturen der Abiturprüfungen erfolgen an der jeweiligen Schule. Das soll eine faire Benotung sichern, wenn in Einzelfällen Prüfungsinhalte aufgrund des bisherigen Infektionsgeschehens an der Schule nicht ausreichend behandelt werden konnten.
  • Die Arbeitszeit wird in allen schriftlichen Abitur- und Ergänzungsprüfungen um 30 Minuten verlängert.

Der Wert des Abiturs soll darunter jedoch nicht leiden. Auch das Landesamt für Schule und Bildung macht daran keine Abstriche. "Am Anforderungsniveau und der Qualität der Abiturprüfungen wird festgehalten", sagt Sprecherin Petra Nikolov. An den Terminen für die schriftlichen Prüfungen gibt es aktuell keine Änderungen, anders bei den mündlichen Prüfungen. Die Durchschnittsnoten des vergangenen Jahres machen Julius und den anderen Mut. Sie liegen besser als in den Vorjahren.

Die Durchschnittsnoten im Abitur sind im Bereich Dresden des Landesamts für Schule und Bildung, zu dem auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehört:

  • 2014: 2,25
  • 2015: 2,27
  • 2016: 2,27
  • 2017: 2,21
  • 2018: 2,19
  • 2019: 2,16
  • 2020: 2,12

Die Noten sind das Eine beim Abitur. Doch auch Abschlussreise und Abschlussball sind Traditionen, die zum Ende dieses Lebensabschnittes gehören. Julius' Klasse wollte am Ende der elften Klasse nach Amsterdam fahren. Es blieb beim wollte, die Enttäuschung war groß. Lange hielt sich die Klasse noch an der Hoffnung fest, die Reise könnte nachgeholt werden. Danach sieht es nicht aus. Höchstens beim ersten Klassentreffen irgendwann in Zukunft.

Auch der Abiball findet wohl bestenfalls als Schrumpfvariante statt. "Noch ist nichts sicher, niemand kann es genau sagen", sagt Julius. Wieder hofft er. "Es wäre schade, so auseinandergehen zu müssen. Vielleicht ist es ja wenigstens in kleinerem Kreis möglich."

Drei in einem: Klassenzimmer, Kletterhalle, Probenraum

Julius' Leben spielt sich derzeit wie bei den anderen im Wesentlichen in seinem Zimmer ab. Es ist zum Klassenzimmer, zur Kletterhalle und zum Probenraum geworden. In die Kletterhalle ging er vor Corona ein bis zwei Mal die Woche, dazu die Musikschule Fröhlich. Statt klettern gibt es einen Plan für ein bisschen Krafttraining vom Sportlehrer, statt gemeinsam zu musizieren, spielt jeder vor seinem Computer. Seit ein paar Wochen finden sich dazu zwar auch immer drei bis vier zusammen, aber von zusammen spielen kann da noch nicht die Rede sein. Julius ist Optimist. Er sagt, besser als nichts. Und statt in die Kletterhalle machte er eben ein paar Hantelübungen und Liegestütze und geht mit dem Hund eine Runde.

Kontakt zu den anderen Schülern fehlt

Auf jemanden aus der Schule zu treffen, ist höchst selten. Und selbst in der Schule sieht man sich kaum, sagt Julius. In den Kursen sind nur wenige, außer in Mathe und Deutsch. Wenn sie dann in den Pausen auf den Gängen sind, ist das auch komisch. Doch wo sich schon die Schüler von Raum zu Raum schieben, ist gähnende Leere und hallen die Schritte. Es ist der Kontakt zu den anderen, der Julius fehlt.

So hat er auch für die Ferien gar keine großen Pläne. "Ja klar, reisen wäre cool. Mallorca zum Beispiel." Am wichtigsten aber ist Zeit mit seinen Freunden, egal ob nun in und um Dohna oder auf Mallorca. Große Pläne zu machen, dafür ist grad nicht die Zeit. Julius mag zwar gern ein bisschen die Zukunft planen, aber er ist jung und nimmt es, wie es jetzt ist. Zuhause ist es bei Julius relativ entspannt, sagt er. Seine Mutter ist zwar in Kurzarbeit, sein Vater selbstständig, aber es sind eben keine kleinen Kinder da, mit denen alles viel komplizierter ist.

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Im Herbst will Julius dann studieren. Ingenieurwesen und Elektrotechnik an der Technischen Universität in Dresden. Während andere ihre großen Reisepläne für ein Jahr Auszeit mehr oder weniger begraben müssen, wollte Julius schon immer gleich studieren. Seine Schwester studiert bereits und ist nun auch zuHhause. Das hoffentlich muss er dann nicht mehr. "Wenn das Studium online beginnt, wäre das ein blöder Start", sagt er. Nicht nur dass da das Studentenleben auf der Strecke bleibt, so ein Beginn ist doppelt schwer. Aber damit wäre Julius' Jahrgang nicht der erste.

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