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Adventsstimmung trotz Corona-Krise

Am Wochenende gab es unter freiem Himmel verschiedene Angebote in Radebeul und Meißen. Die Hygieneregeln nahm man nicht überall so ernst.

Sonnabendabend auf dem Meißner Markt. Buden um den Weihnachtsbaum bieten Kunsthandwerk und Weihnachtsleckereien. Die Gasthäuser verkaufen Glühwein to go.
Sonnabendabend auf dem Meißner Markt. Buden um den Weihnachtsbaum bieten Kunsthandwerk und Weihnachtsleckereien. Die Gasthäuser verkaufen Glühwein to go. ©  Claudia Hübschmann

Von Julian Wolf

Radebeul/Meißen. Es war ein kaltes erstes Adventswochenende im Landkreis Meißen. Da erschienen etwas Aufmunterung und weihnachtliche Gefühle doch als eine willkommene Abwechslung zur eher deprimierenden Stimmung in der Krisenzeit. In Altkötzschenbroda verkauften Gastronomen Glühwein, Punsch, Bücher, Kekse und Speisen zum Mitnehmen aus den Fenstern ihrer Gaststätten heraus.

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In buntem Lichterglanz erstrahlte der gesamte Anger am vergangenen Samstag. Gegen 16 Uhr trafen die ersten Marktbesucher rund um die weihnachtliche Genussmeile ein. Sie tranken, sie redeten ausgiebig, sie genossen Bratwurst und Crêpes in einer doch eher stillen Atmosphäre.

Es gab wenig Musik, nur sporadisch Sitzgelegenheiten, kaum Decken und selten eine kleine Feuerstelle. Den meisten Besuchern verdarb das aber nicht die Laune und so wurde dieses kurze Aufflackern von Freiheit und Fast-Normalität in Zeiten der Corona-Krise ausgiebig zelebriert.

Die Gastronomen entlang des Lichterpfades gaben sich Mühe. Egal ob an der Sinkbar oder der Schwarzen Seele, das Publikum war in Stimmung und kaufte kräftig ein. Doch es war ein schmaler Grat zwischen dem weihnachtlichen Hoch und einem krisengeprägten Tief am vergangenen Wochenende. Stephan Winter von der Radebeuler Schmiede verkaufte seinen irischen Whisky-Bier-Punsch zwar sehr gut, konnte sich aber über die kurze Lockerung nicht wirklich freuen.

„Es ist nur eine milde Schadensbegrenzung. Es ist hier kein richtiger Weihnachtsmarkt und auch kein wirklich frohes Aufleben der Gastronomie“, erklärt der Kellner. „Zwar haben sich einige Gäste sehr darüber gefreut, mal endlich wieder ausgehen zu können, doch wirkt das Angergeschehen eher krampfhaft als locker.“

Abgehängte Laterne, Weihnachtsschmuck und Feuerstelle — die Sinkbar am Radebeuler Anger sorgte für Weihnachtsstimmung am Wochenende.
Abgehängte Laterne, Weihnachtsschmuck und Feuerstelle — die Sinkbar am Radebeuler Anger sorgte für Weihnachtsstimmung am Wochenende. © Norbert Millauer

Ein ähnliches Gefühl hatte man auch bei der Meißner Mini-Weihnacht. Hier standen Buden auf dem historischen Markt rund um den beleuchteten Weihnachtsbaum. Von der Burgstraße bis hin zum Ende der Elbstraße öffneten viele Gastronomen ihre Türen und leer stehende Ladenlokale dienten als Raum für Kunstausstellungen.

Weihnachtsmusik ertönte auf dem Marktplatz und wie auch in Radebeul freuten sich die Besucher über Glühwein, Gegrilltes und Kräppelchen. Um eine Konzentration von Besuchern zu vermeiden, fehlten am Wochenende hier ebenfalls Sitzgelegenheiten und Stehtische. Alle Getränke und Speisen gab es nur zum Mitnehmen.

Das gefiel nicht allen Besuchern. „Wir wünschen uns einen richtigen Weihnachtsmarkt“, berichtet eine Familie aus Weinböhla. „Dieser Mini-Markt lädt nicht zum Verweilen ein. Die Händler aus der Region unterstützen wir natürlich gern, aber es fehlt hier einfach die Leichtlebigkeit.“

Einem Großteil der Besucher in Radebeul und Meißen fehlte diese Leichtlebigkeit aber nicht. Denn eine Mund-Nasen-Bedeckung wurde kaum getragen, in Warteschlangen gab es selten Mindestabstand missachtet, Gruppenbildungen wurden nicht aufgelöst und auch einige Gastronomen kochten und bedienten die Gäste ohne Maske.

Desinfektionsmittel standen nicht immer bereit, Wegweiser für einen kontrollierten Ein- und Ausgang hin zum Stand oder Verkaufsfenster wurden auch nicht allzu ernst genommen und bei einem steigenden Alkoholpegel in den Abendstunden verschlechterte sich die Lage.

Fensterverkauf in Altkötzschenbroda: Mitarbeiter der Schwarzen Seele reichen Speisen und Getränke den Gästen aus dem Ladenfenster heraus.
Fensterverkauf in Altkötzschenbroda: Mitarbeiter der Schwarzen Seele reichen Speisen und Getränke den Gästen aus dem Ladenfenster heraus. © Norbert Millauer

Im Meißner Stadtteil Zaschendorf fand dagegen eine ruhige, privat organisierte Feierlichkeit zum ersten Advent statt. Die Dorfgemeinschaft organisierte hier eine Art Winterzauber. 56 Haushalte entlang der Straßen Neuzaschendorf und Altzaschendorf sowie der Heinrich-Heine-Straße hingen weiße, rote und gelbe 68 Zentimeter große Herrnhuter Sterne vor ihren Häusern und am Dorfplatz auf.

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Diese strahlten pünktlich um 16 Uhr zum Eintritt der Winterdämmerung. Auch ein selbst konzipiertes Glühweintaxi fuhr von Haus zu Haus und schenkte den Meißner Anwohnern Getränke in ihre eigenen Tassen und Gläser. Zwei Dorfbewohner fuhren mit ihren Motorrädern als Weihnachtsmann und Engel verkleidet umher. Es war ein bewegendes Zeichen von Zusammenhalt und Solidarität in einer Dorfgemeinschaft, die eine gute Idee hatte, die Corona-Krise angenehm zu gestalten. Abstände wurden gewahrt und eine bleibende Erinnerung geschaffen.

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