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Bautzen: Ärzte kritisieren späten Corona-Impfstart

Mit einem Brief haben sich Mediziner aus der Oberlausitz an Jens Spahn gewandt. Sie hätten gern früher in ihren Praxen geimpft, als es nun möglich wird.

Dr. Daniela Schoch ist niedergelassene Ärztin in KIrschau. Sie hat zum Thema Impfen gegen Corona jetzt einen offenen Brief an den Bundesgesundheitsminister geschrieben.
Dr. Daniela Schoch ist niedergelassene Ärztin in KIrschau. Sie hat zum Thema Impfen gegen Corona jetzt einen offenen Brief an den Bundesgesundheitsminister geschrieben. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ob ihr offener Brief nun etwas bewirkt hat, weiß Daniela Schoch nicht. Fakt ist aber, dass die Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Kirschau ihre Patienten ab der kommenden Woche gegen das Coronavirus impfen kann – zumindest, wenn sie Impfstoff bekommt. So hatte es die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) vergangene Woche angekündigt und der Freistaat Sachsen im Rahmen der neuen Corona-Regeln an diesem Dienstag bestätigt.

In der zweiten April-Woche soll erstmals der Impfstoff von Johnson & Johnson zum Einsatz kommen - ausschließlich in Arztpraxen. Damit muss nur einmal geimpft werden, eine zweite Dosis ist nicht notwendig, um den vollen Impfschutz herzustellen.

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Mit dem Impfen in der Praxis hätte Daniela Schoch aber gern sehr viel früher angefangen - und mit diesem Wunsch ist sie nicht allein. Auch andere Mediziner aus dem Landkreis Bautzen hatten den späten Impfstart in den Praxen bereits Anfang März kritisiert und mitgeteilt, dass sie sofort loslegen könnten. Weil Daniela Schoch ihre Unzufriedenheit nicht mehr für sich behalten konnte, hat sie das am 19. März dem Bundesministerium für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der KVS in einem offenen Brief mitgeteilt, der Sächsische.de vorliegt.

Noch nicht alle über 80-jährigen Patienten geimpft

„Herr Minister Spahn, eine wirkliche Durchimpfung der Bevölkerung erreicht man nur durch Impfung bei den Hausärzten“, schreibt die Kirschauer Ärztin. Zwar sei es richtig gewesen, anfangs auf Impfzentren zu setzen, aber mit „Zulassung von arztpraxistauglichen Impfstoffen“ habe sich das geändert.

Abgesehen davon, dass es Hausärzte gewohnt seien zu impfen, sprächen weitere Vorteile für die Praxen vor Ort. „Hier ist die Akzeptanz durch die Patienten gegeben. Sie kennen und vertrauen ihrem Hausarzt“, führt Daniela Schoch weiter aus. Zudem müssten sie sich nicht durch Internetportale oder Warteschleifen quälen, um einen Termin zu bekommen.

Anlass für den offenen Brief sei die Stagnation bei der Corona-Bewältigung, sagt Schoch. Die Pandemie gehe weiter, Infektionszahlen sinken nicht, im Gegenteil. Kinder zum Beispiel sollten aber nicht auf ihre sozialen Kontakte verzichten müssen. Alles, was gerade und teilweise bereits seit Monaten nicht stattfindet, sorge dafür, dass unser Leben verarmt, erklärt Daniela Schoch. Die einzig wirksame Möglichkeit, das zu ändern, „ist, zügig zu impfen“. Von ihren über 80-jährigen Patienten seien bislang nur die geimpft, die in Pflegeheimen leben. Das betreffe aber nur einen kleinen Teil.

Ärztin darf 50 Impfdosen pro Woche bestellen

Neben drei Ärzten aus dem Landkreis Görlitz hat auch die Allgemeinmedizinerin Jana Mark aus Neschwitz den Brief mitunterzeichnet. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir bereits sehr viel weiter sein könnten in unserem Impffortschritt, wenn wir von vornherein als Hausärzte mit einbezogen worden wären“, erklärt sie gegenüber Sächsische.de.

Das Anliegen des offenen Briefes sei nun fast überholt, da die Vorbereitungen zum Impfen in den Hausarztpraxen laufen. Impfstoff sei bestellt und solle nach Ostern geliefert werden. „Unsere Praxis rechnet damit, dass wir ab 7. April impfen werden. Die Anfragen aus den Reihen unserer Patienten nehmen seit einigen Wochen deutlich zu, nicht nur weil wir vor Ort und die Wege deutlich kürzer sind, sondern eben auch, weil über die Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis besteht“, fügt die Ärztin aus Neschwitz hinzu.

Auch Daniela Schoch hat Impfdosen bestellt. Einmal wöchentlich dürfe sie das. Geliefert werden soll kommende Woche wegen des Feiertags erst am Dienstag. Danach sei das immer montags geplant. 50 Dosen dürfe sie pro Woche bestellen, und so viele könne sie auch verimpfen. Für die kommende Woche habe sie zunächst 30 Impftermine in ihrer Praxis eingeplant. Sie hoffe sehr, den Impfstoff auch zu bekommen.

Ministerium verteidigt Pilotprojekt zum Impfen

Um das Impfen bei Hausärzten vorzubereiten, hatten das sächsische Sozialministerium und die KVS Mitte März extra ein Pilotprojekt mit 39 Arztpraxen und 12.450 Impfdosen gestartet, um „wertvolle Erfahrungen“ zu sammeln. Im Landkreis Bautzen waren je eine Praxis in Hoyerswerda und Bautzen dabei. In Radeberg hatten sogar drei Hausärzte mit Corona-Schutzimpfungen begonnen.

Wie das Ministerium auf Anfrage mitteilt, sei das „eine gute Gelegenheit, die Vertragsärzte frühzeitig in die Impfstrategie einzubinden. Sie haben uns auch wissen lassen, dass sie einen erheblichen Beitrag leisten könnten, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stünde.“

Ginge es nach Daniela Schoch, hätte man sich das Pilotprojekt sparen können. Schließlich „impfen wir auch sonst gegen Viruserkrankungen und sind das gewohnt“. Mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer funktioniere es zwar mit der vorgeschriebenen starken Kühlung in der Praxis nicht, aber mit anderen Vakzinen sei das kein Problem. Zudem würden die Praxen immer nur so viel Impfstoff bestellen, wie sie verabreichen können. Bei der Influenza-Impfung etwa seien es bei ihr 300 Dosen, und damit komme die Praxis auch gut zurecht.

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