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Arbeitslosigkeit so hoch wie 2018

Die Corona-Pandemie hat die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Mittelsachsen gestoppt. Das Mittel des vergangenen Jahres hieß Kurzarbeit.

Susan Heine ist die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Freiberg. In diesem Jahr will sie vor allem auf Fachkräftesicherung und Weiterbildungen setzen.
Susan Heine ist die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Freiberg. In diesem Jahr will sie vor allem auf Fachkräftesicherung und Weiterbildungen setzen. © Marko Borrmann

Mittelsachsen. Kurzarbeit, weniger freie Stellen, mehr Arbeitslose? Wie hat sich die Pandemie auf den mittelsächsischen Arbeitsmarkt ausgewirkt? Sächsische.de hat den Abschlussbericht der Agentur für Arbeit einmal genauer angeschaut und die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Wie hat sich die Zahl der Arbeitslosen entwickelt?

Im Schnitt galten im Jahr 2020 rund 8.300 Menschen in Mittelsachsen als arbeitslos. Das ist ein Anteil von 5,2 Prozent der Erwerbsfähigen im Landkreis. Im Vorjahr war die Arbeitslosenquote geringer. Sie betrug 4,8 Prozent, als arbeitslos galten im Schnitt rund 7.600 Männer und Frauen.

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Positiv bleibt die Entwicklung aber im Vergleich zu den Zahlen von vor zehn Jahren. 2010 galten über 18.500 Mittelsachsen als arbeitslos, fast 10.000 mehr als 2020.

Wie hat sich die Pandemie auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt?

Nicht nur die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer ist im vergangenen Jahr infolge der Auswirkungen der Pandemie angestiegen. Als weitere Konsequenz der Krise sind auch die offenen Stellen, die von den Unternehmen im Landkreis gemeldet worden sind, zurückgegangen.

„Deshalb ist es gut, dass mittelsächsischen Unternehmen Kurzarbeit nutzen, um viele Arbeitsplätze zu sichern“, sagte Susan Heine, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freiberg.

Wie hat sich die Kurzarbeit im Verlauf des Jahres entwickelt?

Während des ersten Lockdown im Frühjahr haben zahlreiche Betriebe auf Kurzarbeit gesetzt. Mit dem Kurzarbeitergeld sollen laut Agentur die Verdienstausfälle für die Mitarbeiter zumindest teilweise wieder ausgeglichen werden.

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes hängt dabei vom Gehalt ab. Beschäftigte ohne Kind können mindestens 60 Prozent des ausgefallenen Nettogehaltes bekommen, Angestellte mit mindestens einem Kind können mindestens 67 Prozent des Lohns bekommen.

Bis November 2020 wurde für über 47.000 Mittelsachsen von rund 4.300 Betrieben aus dem Landkreis Kurzarbeit angezeigt.
Bis November 2020 wurde für über 47.000 Mittelsachsen von rund 4.300 Betrieben aus dem Landkreis Kurzarbeit angezeigt. © dpa

Doch nicht nur der Verdienstausfall soll mit dem Mittel abgemildert werden. Es geht auch um den Erhalt der Arbeitsplätze.

Im März und April 2020 hatte die Zahl der Mitarbeiter in Kurzarbeit laut Susan Heine einen „neuen historischen Höchststand erreicht“. „Bis November meldeten über 4.300 mittelsächsische Betriebe für über 47.000 Menschen Kurzarbeit an“, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung.

In welcher Region stieg die Arbeitslosigkeit am meisten?

Nach wie vor ist die Region Döbeln hier Spitzenreiter, sowohl in Bezug auf die durchschnittliche Arbeitslosenquote, als auch in Bezug auf die Zunahme an Arbeitslosen. Mit einer Quote von 6,8 Prozent gab es in der Region im Schnitt die meisten Menschen ohne Job. Der Anstieg betrug 0,7 Prozent.

In der Region Rochlitz lag der Anstieg bei 0,6 Prozent. Trotzdem ist die Arbeitslosenquote in dem Bereich mit 4,4 Prozent fast am geringsten. In Flöha ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor am niedrigsten (4,3 Prozent). Die Regionen Hainichen (4,9 Prozent) sowie Freiberg (5,2 Prozent) liegen im Mittelfeld.

Welche Personengruppen waren besonders betroffen?

Um mehr als 22 Prozent ist der Anteil der Jugendlichen unter 25 Jahren gestiegen, die keiner Beschäftigung nachgegangen sind. Rund 740 junge Männer und Frauen hatten demnach keinen Job.

Die Mehrheit der Arbeitslosen im Landkreis ist älter als 50 Jahre. Diese Gruppe macht 44 Prozent der Beschäftigungslosen aus. Aber im Vergleich zu den Jugendlichen ist der Anstieg an Arbeitslosigkeit bei den Älteren mit 3,8 Prozent beziehungsweise 135 Personen eher gering.

Um fast sechs Prozent zugenommen hat die Arbeitslosigkeit unter den Frauen. Dennoch waren auch 2020 mehr Männer (rund 57 Prozent) als Frauen (knapp 43 Prozent) zu Hause.

Positiv entwickelt hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Fast 3.000 Frauen und Männer hatten 2020 schon seit mehr als einem Jahr keine Beschäftigung. Fast 40 von ihnen haben im vergangenen Jahr aber einen Job gefunden. Zudem haben drei von 539 Schwerbehinderten in Mittelsachsen 2020 eine Anstellung gefunden.

Wie hat sich Corona auf den Stellenmarkt ausgewirkt?

Neben den vermehrten Anzeigen von Kurzarbeit ist auch die Entwicklung auf dem Stellenmarkt eine weitere Auswirkung der Pandemie. Insgesamt wurden über 5.200 Arbeitsstellen im vergangenen Jahr von den Unternehmen gemeldet. Das sind fast 3.500 weniger als 2019.

Ende des Jahres standen den Mittelsachsen noch rund 1.800 freie Stellen zur Verfügung. „Gegenüber dem Vorjahr sind das 37,4 Prozent weniger“, heißt es im Bericht. Die zeige die Unsicherheit bei den Unternehmen.

Wie viele Ausländer haben 2020 einen Job gefunden?

Im Schnitt waren im Jahr 2020 rund 650 arbeitslose Ausländer bei der Agentur für Arbeit Freiberg registriert. Im Vergleich mit 2019 sind das 120 Personen beziehungsweise knapp 23 Prozent weniger.

„Im Wettbewerb um Fachkräfte und Auszubildende dürfen wir die Potenziale von geflüchteten Menschen nicht vernachlässigen. Auch wenn die Berufsabschlüsse formal nicht immer unseren Vorstellungen entsprechen, bringen sie berufliche Kompetenzen und Erfahrungen mit“, so Susan Heine. Ziel sei es, die Ausländer nach der Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen schnell in eine Ausbildung zu bringen oder einen geeigneten Arbeitsplatz für sie zu finden.

Was kommt im Jahr 2021 auf die Agentur für Arbeit zu?

Prognosen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes seien derzeit noch nicht möglich, so Susan Heine. „Dafür ist es noch zu früh“. Im Zuge des ersten Lockdown sei viel gelernt worden. „Nun nutzen wir dieses Wissen, um weiter für die Menschen und Unternehmen ein verlässlicher Partner zu sein“, erklärte Heine.

Personal werde dort eingesetzt, wo es gebraucht werde, um schnell Geldleistungen auszuzahlen sowie Vermittlung und Beratung sicherzustellen. Zudem legt die Agentur den Fokus auf die Themen Fachkräftesicherung und Weiterbildung.

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Susan Heine verweist zudem auf das „Arbeit-von-morgen-Gesetz“, das seit Januar gilt. Damit können Arbeitgeber mit einem Sammelantrag leichter für mehrere Beschäftigte berufliche Weiterbildungen beantragen.

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