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Vom Aida-Traumschiff zum Optiker

Luisa Strohbach arbeitete über fünf Jahre, wo andere Urlaub machen: Auf dem Meer. Die Heidenauerin wollte wieder an Land. Corona hat die Entscheidung beschleunigt.

Ganz in Weiß: Luisa Strohbach als Managerin und Offizierin auf der Aida.
Ganz in Weiß: Luisa Strohbach als Managerin und Offizierin auf der Aida. © privat

Mauritius, die Seychellen, La Réunion, Madagaskar: Die volle Pracht des indischen Ozeans. Sie zu erleben, stand für Luisa Strohbach ganz oben auf ihrer
Wunschliste. Als sie im Januar vorigen Jahres auf die Aidablu ging, sollten diese Wünsche erfüllen. Und es sollte ihrer letzte Reise als Mitarbeiterin auf einem Schiff werden.

Bis März war das Schiff auf dem Ozean unterwegs. Dann verschlimmerte sich auch dort die Situation mit Corona und es ging zurück nach Europa. Im Mai 2020 ist Luisa Strohbach nach fünfeinhalb Jahren das letzte Mal in Hamburg von Bord gegangen. "Es war ein sehr komischer Moment zu gehen, denn irgendwie war es mir klar, dass es nun das letzte Mal gewesen ist", sagt die Heidenauerin. Das letzte Mal als Mitglied einer Crew. Und da letzte Mal für einige Zeit.

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Fast ganz in Schwarz: Luisa Strohbach als Regionalleiterin bei Apollo.
Fast ganz in Schwarz: Luisa Strohbach als Regionalleiterin bei Apollo. © privat

Dass der Abschied irgendwann kommt, war ihr schon seit einiger Zeit klar. Die Entscheidung, wieder an Land zu gehen, zu leben und zu arbeiten, trug sie bereits eine Weile mit sich herum. "Als meine Schwester zum zweiten Mal schwanger wurde, ist mir bewusst geworden, dass ich doch viel wertvolle Zeit aufgebe", sagt Luisa Strohbach. Und wenn sie zu Hause war, vermisste sie das Schiff. Da sie aber nie wirklich lange zu Hause war, kam sie auch nicht dazu, nach ernsthaften Job-Alternativen an Land zu schauen.

Eine Woche von der Bewerbung bis zur Zusage

Ausgerechnet Corona gab ihr nur diese Zeit und Chance. So wie viele andere war sie nun gezwungen, zu Hause bleiben zu müssen. "Diese Zeit wollte ich natürlich nutzen", sagt Luisa Strohbach. "Allerdings wollte ich mich nicht in einen neuen Job stürzen, nur damit ich einen habe." Sie ließ sich Zeit für die Entscheidung, die ihr Leben wieder einmal verändern sollte, so wie damals als sie beschloss, auf dem Schiff zu arbeiten, auf dem andere Urlaub machen. Auf dem Schiff hatte sie es bis zum Manager gebracht. Es sollte wieder eine Arbeit sein, die sie erfüllt, in der sie sich wohlfühlt. "Hätte ich diese nicht gefunden, hätte ich meine Schiffszeit auch nicht beendet."

Nachdem sie sich erst Zeit ließ, ging es dann ganz schnell. Sie las die Apollo-Stellenanzeige, bewarb sich. Das war an einem Wochenende. Schon am Montag kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch bei ihrem jetzigen Verkaufsleiter. Noch ein Gespräch und sie war sich sicher, das ist ihr neuer Job. Einen Tag nach dem zweiten Gespräch erhielt sie bereits eine positive Rückmeldung und ihr künftiger Weg war klar.

Jetzt zu Hause glücklich

Seit Oktober arbeitet Luisa Strohbach als Regionalleiterin bei Apollo. "Das Schöne ist, dass meine Tätigkeit prinzipiell das gleiche Arbeitsspektrum umfasst wie meine damalige Position an Bord." Es geht um Service, Dienstleistung, Kunden. Nach der Einarbeitung hat sie zum 1. Februar die Region Dresden übernehmen, die sich von Zittau, Görlitz bis nach Cottbus erstreckt. Sie fühlt sich wohl, kann sich selbst treu bleiben und sie kann mehr Zeit mit ihrer Familien und ihren Freunden hier verbringen.

"In den letzten Jahren mussten viele Menschen in meiner Umgebung unbeabsichtigt zurückstecken", sagt Luisa Strohbach. Sie selbst hat in dieser Zeit viele wichtige Momente und Ereignisse verpasst. "Nun ist es an der Zeit, dies nachzuholen." Nah bei ihren Liebsten sein zu können, ist für sie wieder sehr wichtig geworden. Es war einer der Gründe, die sie zurück an Land führten. Sie hat nichts bereut und möchte nichts missen, doch alles hat eben seine Zeit. "Jetzt bin ich glücklich, zu Hause sein und in meinem neuen Beruf arbeiten zu dürfen."

Die nächsten Ziele auf der Wunschliste

Also nie wieder aufs Traumschiff? Nein. Aber nur mehr als Urlauberin. "Ich freue mich schon jetzt, eines Tages wieder an der Reling stehen zu können um die wunderschönen Flecke dieser Welt zu besuchen." Eines Tages würde Luisa Strohbach gern wieder nach Namibia reisen. Dort ein gemeinnütziges Projekt zu unterstützen, ist ein kleiner Traum von ihr. Auch eine Camper-Tour entlang der Westküste Amerikas ist irgendwann geplant. Das ist ihre neue Wunschliste. "Aber das hat alles momentan keine Priorität, denn erst mal steht meine neue Arbeit an oberster Stelle. Und das Wichtigste ist, dass wir diese schwierige Zeit bald hinter uns lassen können."

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