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Corona: Vorwürfe gegen Pirnaer Seniorenresidenz

Auf anonyme Schreiben reagiert die Berliner Chefetage von Alexa Seniorendienste nicht. In diesem Fall ist es aber anders.

Mehrere positive Testergebnisse bei Bewohnern und Mitarbeitern der Pirnaer Alexa-Seniorenresidenz blieben nicht ohne Folgen.
Mehrere positive Testergebnisse bei Bewohnern und Mitarbeitern der Pirnaer Alexa-Seniorenresidenz blieben nicht ohne Folgen. © Daniel Förster

Die Corona-Situation ist angespannt. Das sagt sich so. Wie sehr, zeigen jetzt anonyme Vorwürfe gegen die Pirnaer Alexa Seniorenresidenz und die Antwort der Berliner Alexa Seniorendienste GmbH. Sächsische.de geht mit Vorwürfen, deren Absender sich gegenüber der Redaktion nicht zu erkennen geben, sehr vorsichtig um. In diesem Fall aber nehmen wir sie zum Anlass, zu zeigen, wie ernst die Corona-Situation ist - am Beispiel eben dieses Heims.

Malediven-Urlaub mitten in der Pandemie

Ausgangspunkt für die Vorwürfe des anonymen Mail-Schreibers war der angebliche Maledivenurlaub der Pflegedienstleiterin im November. Der führte zu etlichen Mutmaßungen. Wie man denn in diesen Zeiten in den Urlaub fahren kann? Und noch viel mehr, wieso kam sie vor Bekanntwerden ihres Testergebnisses nach der Rückkehr wieder in die Einrichtung arbeiten? Hat sie vielleicht das Virus eingeschleppt, weshalb die Einrichtung geschlossen wurde? Warum müssen die Mitarbeiter nun viel mehr arbeiten?

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Für die Fragen und zum Teil drastischen Worte hat die Alexa-Konzernleitung in Berlin sogar Verständnis. Auch sie reagiert sonst nicht auf anonyme, "subjektiv motivierte Anschuldigungen" und macht diesmal eine Ausnahme. "Zum Schutze einzelner Mitarbeiterinnen sowie des gesamten Teams kommentieren wir die Sachlage aus Sicht der Verantwortlichen", sagt Kommunikationsleiter Thomas Henschke.

Gesundheitsamt hat Arbeitsquarantäne erlaubt

Die Berliner Alexa-Zentrale bestätigt zunächst den Urlaub der Pflegedienstleiterin. Auch, dass sie sich vor Reiseantritt als auch vor der Rückkehr per PCR-Test auf Covid 19 testen ließ. Beide Tests waren negativ. Nach der per digitaler Einreiseanmeldung auch dem Robert-Koch-Institut übermittelten Rückkehr begab sie sich in freiwillige zehntägige Quarantäne, die Teil des geplanten Urlaubs war.

In dieser Quarantäne-Zeit wurde die Leiterin von ihrem Stellvertreter über positive Testergebnisse von Bewohnern der Einrichtung informiert. Um in der akuten Situation zu helfen, fragte die Leiterin am nächsten Tag das Gesundheitsamt, inwiefern sie vor Ablauf der Quarantäne wieder arbeiten gehen kann. Das Gesundheitsamt erteilte ihr daraufhin eine sogenannte Arbeitsquarantäne.

Was ist Arbeitsquarantäne?

  • Arbeitsquarantäne wird zum Beispiel angewendet, wenn die Arbeit eines Unternehmens aufgrund einer hohen Zahl von Infizierten nicht aufrechterhalten werden kann, ohne dass auch Mitarbeiter eingesetzt werden, die eigentlich in häuslicher Quarantäne sind. Die Entscheidung über deren Einsatz trifft das Gesundheitsamt.

  • Wer sich in Arbeitsquarantäne befindet, darf sich nur noch in der Firma und zu Hause aufhalten bzw. auf dem Weg hin und zurück.

  • Die Arbeitsquarantäne wird für Betriebe der kritischen Infrastruktur verfügt. Das sind Bereiche, ohne die nachhaltige Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

  • Die Gewerkschaft ver.di berichtete im November 2020 davon, dass es Pflegekräfte gebe, die trotz verordneter Quarantäne auf Anweisung ihrer Chefs weiterarbeiten müssten. Solche Praktiken lehnt die Gewerkschaft ab. Außerdem gefährde aus Sicht der Gewerkschaft eine Arbeitsquarantäne bei Pflegekräften nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern auch die der Patienten, Betreuten bzw. Behinderten.

Die Pflegedienstleiterin durfte also wieder arbeiten gehen. Am nächsten Tag wurden auf Veranlassung des Gesundheitsamtes noch einmal alle alle Bewohner und Mitarbeiter getestet. Für die Pflegedienstleiterin war es der dritte negative Test. Bei Bewohnern und Mitarbeitern gab es hingegen weitere positive Ergebnisse.

Eine Folge war auch der Ausfall von Personal. Einige Mitarbeiter boten daraufhin freiwillig an, zusätzliche Dienste zu übernehmen. Eine Verpflichtung dafür habe es zu keiner Zeit gegeben, sagt der Berliner Unternehmenssprecher. Das gelte auch für die Auszubildenden. Zwei Azubis haben an sechs Tagen - statt in die Schule zu gehen - Dienste übernommen. Das wurde mit der Übereinkunft verbunden, dass die schulischen Inhalte nachgeholt werden.

Zwischen Verständnis und Enttäuschung

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Trotz der Ausnahmesituation sei es in den vergangenen Monaten nicht zu massiven Überstunden gekommen, heißt es aus Berlin. Die überwiegende Mehrheit der Alexa-Mitarbeiter sei über das erwartbare Maß hinaus engagiert und meistere diese schwierige Situation als Team. "In einer Zeit, in der es bei allem Verständnis für mögliche Härten, dennoch eher um Zusammenhalt und Solidarität geht, enttäuscht uns das Verhalten weniger Unbekannter sehr", sagt Alexa-Vertreter Henschke mit Blick auf die anonymen Vorwürfe gegenüber der Pirnaer Einrichtung.

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