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Alle Jahre wieder, aber heute nicht

Soll man zu Weihnachten in die Kirche gehen? Nein, findet Marcus Thielking, auch dann nicht, wenn Gottesdienste stattfinden.

© dpa

Heiligabend ohne Kirche, das ist für viele wie Ostern ohne Eier. Wenigstens das muss doch bitte möglich sein! Schon seit Wochen scheint sich die Corona-Politik nur noch um eine Frage zu drehen, nämlich wie wir es schaffen, dass Weihnachten trotz allem stattfinden kann. Nun haben wir die Bescherung.

Soll man also an diesem Superfeiertag zu Hause bleiben? Ja, man soll. Ob man nun an einen Gott glaubt oder nicht, ob katholisch oder evangelisch, ob fromm oder frei, eines sollte doch jedem klar sein: Wenn es einen Gott gibt, dann ist er eines bestimmt nicht – engstirnig.

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Es bleibt ein Risiko

Ja, Gottesdienst ist für Christen nicht nur nettes Beisammensein mit Liedgut, sondern wesentlicher Teil des Glaubens. Doch wie hohl wäre dieser Glaube, wenn in solch einer Situation der Kirchgang Vorrang hätte vor dem Schutz des Lebens? Und ja, auch das Virus ist ein Teil der Natur und damit der Schöpfung. Zur Schöpfungsgeschichte gehört aber auch, dass der liebe Gott uns mit Gehirnen ausgestattet hat. Es ist also anzunehmen, dass er nichts dagegen hätte, wenn wir von denselben Gebrauch machen. Dazu gehört, mitten in der Spitze einer Jahrhundertpandemie – zumal in Sachsen –, sich nicht zu Scharen in geschlossenen Räumen zu versammeln. Auch bei strengen Hygienekonzepten bleibt ein Risiko.

Das Gehirn hilft beim Nachdenken: Warum dürfen jetzt überhaupt Gottesdienste stattfinden? Religionsfreiheit ist ein stark geschütztes Grundrecht, die Politik hatte hier zu Recht Skrupel. Und die Kirchenoberen tun sich natürlich schwer, von sich aus alles abzusagen. In diesen Zwängen befindet sich jeder Einzelne nicht. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, wenn Weihnachtsgottesdienste stattfinden, dann solle man auch hingehen.

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Zugleich wäre es falsch, mit dem Finger auf jene zu zeigen, die es doch tun. Es gibt alte, kranke, einsame Menschen, für die Weihnachten das letzte bisschen Trost am Ende eines vermaledeiten Jahres bleibt. Umso mehr lautet für Junge, Gesunde mit Familie und Freunden das Gebot: Bleibt zu Hause! Schon Jesus kannte die Coronaschutzverordnung: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

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