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An der Ostsee wird es voll wie nie – und noch teurer

Zwar sind die Seebäder an der Ostsee fast coronafrei. Doch fehlendes Personal und steigende Preise trüben die Urlaubsfreude.

Ostseeurlaub ist derzeit begehrt wie lange nicht.
Ostseeurlaub ist derzeit begehrt wie lange nicht. © Markus Scholz/dpa

Rostock. Einen Monat nach Öffnung für Touristen sind an der Ostseeküste nahezu alle Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze ausgebucht. An schönen Wochenenden werden in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 700.000 Urlauber erwartet – fast die Hälfte der Einwohnerzahl. „Weil viele Menschen in der Pandemie nicht ins Ausland fliegen wollen und auch der Städtetourismus verloren hat, wird es diesen Sommer noch voller als sonst“, sagt Tobias Woitendorf, Chef des Landestourismusverbands.

Zwar freuen sich die Gastbetriebe über die Nachfrage. Denn nach siebenmonatiger Schließung im Lockdown schätzt fast jedes dritte touristische Unternehmern seine wirtschaftliche Lage als gefährdet oder akut gefährdet ein, hat eine Umfrage des Verbands ergeben. Doch der Neustart wird ausgebremst, weil es an Personal fehlt. Woitendorf spricht von einem Aderlass. Viele Köche, Kellner und Servicemitarbeiter hätten sich inzwischen einen Job in anderen Branchen gesucht, vor allem in der Pflege und im Einzelhandel. Ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, sei angesichts der sich schnell ändernden Coronalage schwieriger als sonst. Bemerkbar macht sich das in den Ostseebädern zum Beispiel an Wartezeiten und nötiger Reservierung, um einen Platz im Restaurant zu bekommen.

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Es fehlen Fachkräfte

Deutlich wird der Engpass auch in einer Analyse des Deutschen Industrie- und Handelskammertags zur Tourismus-Konjunktur im Frühsommer: 48 Prozent der befragten Gastronomen bezeichneten den Fachkräftemangel als ernstes Risiko für das eigene Geschäft – beinahe eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Bei Hotels oder Pensionen ergab sich eine ähnlich kritische Entwicklung von elf auf 46 Prozent.

Für Guido Zeitler, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, ist die Personalknappheit teils ein „hausgemachtes Dilemma“: „Statt Fachkräfte mit attraktiver Bezahlung zu binden, wurde auf Tarifflucht, Mini-Jobs und prekäre Beschäftigung gesetzt“, sagt er und verweist auf die hohe Zahl von Ausbildungsabbrechern unter angehenden Köchen. In anderen Branchen sähen junge Leute oft bessere Verdienstchancen und mehr Wertschätzung. Eine bessere Bezahlung bedeutet laut Tourismuschef Woitendorf aber auch höhere Preise.

Mehr Kosten, mehr Arbeit

Die steigen in diesem Jahr seiner Ansicht nach „moderat: nach Information befragter Unternehmen im Durchschnitt um elf Prozent in der Haupt- und um acht Prozent in der Nachsaison.“ Für jetzt noch verfügbare Restkapazitäten könne es auch mehr sein. Woitendorf: „Wir reden viel über den Wert des Reisens. Doch mit 400 Euro für die Woche Türkeiurlaub lassen sich in Deutschland die steigenden Kosten nicht nur für Personal, sondern auch für Wareneinsatz, Pacht, Mieten und Investitionen nun mal nicht decken.“

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Hinzu kommt, dass das Arbeitspensum in diesem Sommer angesichts zahlreicher Auflagen zu Hygiene und Abständen deutlich höher ist. Anders als in Schleswig-Holstein erfolgt die Lenkung von Urlauberströmen bislang kaum digital, sondern durch Schilder und Strandvögte. Zwar hatte das Ostseebad Binz bereits im Mai als erste Kommune im Bundesland eine digitale Strandampel angekündigt. „Doch die technische Umsetzung ist aufwendig und nicht vor Mitte Juli zu erwarten“, sagt Sprecherin Marikke Behrens.

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