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Der lange Weg zum Impfen nach Mittweida

Aus einigen Ecken des Kreises Mittelsachsen dauert die Fahrt nach Mittweida über eine Stunde. Eine direkte Busverbindung fehlt.

Im Eingangsbereich des Impfzentrums in Mittweida steht noch einmal, was die Impfwilligen bereithalten sollen. Doch der Weg bis dahin muss erst einmal bewältigt werden.
Im Eingangsbereich des Impfzentrums in Mittweida steht noch einmal, was die Impfwilligen bereithalten sollen. Doch der Weg bis dahin muss erst einmal bewältigt werden. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Knapp eine halbe Stunde benötigen die meisten Anwohner aus der Region Döbeln mit dem Auto für die Fahrt zum Impfzentrum nach Mittweida. Wer dagegen in Neuhausen im Erzgebirge lebt, ist auch Mittelsachse, aber laut Google Maps 1:15 Stunden bis nach Mittweida unterwegs. Zentral sieht anders aus.

„Ursprünglich sollte das Impfzentrum in Hainichen entstehen. Das wäre fast eine Punktlandung geworden“, sagt René Illig vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen. Er ist für das Impfzentrum im Landkreis zuständig. Doch weil das Objekt in Mittweida besser geeignet war, ist die Wahl auf das Simmel-Center gefallen.

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Hinweisschilder für Autofahrer in Mittweida

Mit dem Auto sind die Anwohner der Region Döbeln meist in knapp 30 Minuten am Impfzentrum in Mittweida, noch schneller geht es für diejenigen, die in Hartha oder Waldheim leben. Von Döbeln aus können die Kraftfahrer die B169 und dann weiter die Strecke über Rossau nutzen. Knapp 27 Kilometer lang ist der Weg.

Aus Hartha und Leisnig liegt die Anfahrt über Schweikershain und Erlau näher. Wer dagegen von Freiberg aus nach Mittweida muss, der sitzt knapp 45 Minuten im Auto.

In Mittweida ist das Impfzentrum ausgeschildert. Dafür wurde von der Stadtverwaltung ein Konzept entwickelt. Insgesamt 18 Hinweisschilder sind an den wichtigsten Einfahrtsstraßen aufgestellt worden.

Direkte Busverbindung von Döbeln nach Mittweida fehlt

Eine direkte Busverbindung zwischen Döbeln und Mittweida fehlt den Angaben der Fahrplanauskunft von Regiobus Mittelsachsen nach. Eine direkte Busverbindung zwischen Döbeln und Mittweida ist auch nicht erforderlich, da es die Bahnverbindung gibt“, sagt Henning Schmidt, Fachbereichsleiter Verkehr bei der Regiobus Mittelsachsen GmbH.

Besser sieht der Anschluss mit dem Bus aus den Bereichen Kriebstein sowie Geringswalde aus. Über Kriebstein verkehrt die Linie 678, über Geringswalde die 671. Nachteil: Die Linie 678 fährt nur zweimal am Tag von Mittweida zurück nach Kriebstein. Die Linie 642, der Zschopautaler, ist hingegen nur am Wochenende unterwegs, hält aber auch in Kriebstein.

Laut dem Sächsischen Sozialministerium werde jedoch auch der Einsatz von Bürger-Bussen geprüft, hieß es am Montag. „Anfragen für Mietbusse zum Impfzentrum von Kommunen, Verbänden oder Vereinen liegen uns bisher nicht vor", ergänzte Schmidt.

Am schnellsten ist die Fahrt mit der Regionalbahn

Nur 22 Minuten dauert die Fahrt mit der Regionalbahn (RB 45) vom Döbelner Hauptbahnhof nach Mittweida. Der Zug hält unterwegs auch an den Bahnhöfen in Limmritz, Steina sowie Waldheim. Dort wäre der Zustieg möglich.

Die Fahrt führt durch drei Tarifzonen und kostet damit pro Hin- und Rückfahrt jeweils 5,70 Euro, für eine Tageskarte für drei Tarifzonen sind 11,40 Euro nötig. Nachteil: Die Züge fahren nur zu bestimmten Zeiten und halten lediglich an den Bahnhöfen.

Von Roßwein, Leisnig oder Hartha aus fährt kein Zug nach Mittweida. Vom dortigen Bahnhof sind es zudem noch einmal 15 Minuten zu Fuß bis zum Impfzentrum. Verkürzt werden kann der Weg mit den Stadtverkehren A und C.

Bis zu 65 Euro für die Taxifahrt

Eine weitere Alternative wäre das Taxi. Mit jenem sind die Impfwilligen zeitlich unabhängig unterwegs. Aber die Fahrten sind im Vergleich zu den Zugtickets relativ teuer.

Von Roßwein aus kostet die Fahrt mit dem Taxi nach Mittweida zum Beispiel 65 Euro , wie Taxiunternehmer Stephan Leutert aus Roßwein sagt. Hinzukomme eine Pauschale von 30 Euro pro Stunde Wartezeit.

Ob die Fahrtkosten den Fahrgästen erstattet werden, darüber hat Leutert derzeit noch keine Informationen erhalten. Er weist noch auf die Möglichkeit von Sammelfahrten zum Impfzentrum hin.

Krankenkassen erstatten Fahrtkosten zu Impfzentrum

In einigen Fällen werden die Kosten durch die Kassen erstattet.Aus Sicht der Krankenkassen wird die Impfung wie eine ambulante Behandlung beim Arzt bewertet. „Die Corona-Schutzimpfung ist eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie. Sie wird ambulant durchgeführt und damit ausnahmsweise der ambulanten Behandlung beim Arzt gleichgesetzt“, informierte Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus auf Nachfrage.

Demzufolge können auch diejenigen mit einer Erstattung rechnen, die die Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen erstattet bekommen. „Grundsätzlich werden durch die Krankenkassen Fahrtkosten für die Personen gezahlt oder erstattet, die ansonsten auch Fahrkosten zu ambulanten Behandlungen erhalten – bei Nutzung des aus medizinischer Sicht notwendigen wirtschaftlichsten Beförderungsmittels bis zur nächsterreichbaren Behandlungs-, in diesem Fall Impfstätte“, erklärt Strobel.

Infrage kommt das bei Personen, die Pflegegrad 4 oder 5 haben sowie diejenigen mit Pflegegrad 3, die dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Darüber hinaus gelte dies auch für Männer und Frauen, die über einen Schwerbehindertenausweis verfügen und dort die Merkzeichen „aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung), „Bl“ (Blindheit) oder „H“ (Hilflosigkeit) haben.

Nicht ausbleiben jedoch die gesetzliche Zuzahlung. Jene liegt bei zehn Prozent des Fahrpreises, mindestens bei fünf Euro, maximal bei zehn Euro pro Fahrt.

Laut Strobel sei vermutlich vorgesehen, dass immobile Patienten, die noch in ihrer Häuslichkeit leben zu gegebener Zeit durch Mobile Impfteams geimpft werden. „Das genaue Prozedere dazu ist noch nicht bekannt. Mit zunehmendem Impfstoffangebot werden sich die Möglichkeiten erweitern, dass Impfungen durch ambulant tätige Ärzte in ihren Praxen wohnortnäher durchgeführt werden können“, ergänzt die Sprecherin von AOK Plus.

Ortsnahe Impfzentren für Kreis derzeit kein Thema

Laut dem Sächsischen Sozialministerium sollen perspektivisch auch ortsnahe Filialen der Impfzentren in Absprache mit den Landkreisen eingerichtet werden, sobald mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Doch René Illig und Landrat Matthias Damm (CDU) sind diesbezüglich skeptisch.

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Grund sei vor allem der personelle und organisatorische Aufwand, der mit den Impfmöglichkeiten vor Ort entstehe. Auch der finanzielle Aufwand sei nicht gering. Illig vom DRK-Kreisverband könnte sich diesbezüglich eher noch vorstellen, dass die mobilen Impfteams zukünftig „etwas anbieten“.

Doch die Teams sind momentan zunächst dafür zuständig, Personal sowie Bewohner in stationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen zu impfen.

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