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Angriff auf die Privatsphäre des Meißner Landrates

Unbekannte stellten vier brennende Grablichter ins Privatgrundstück von Ralf Hänsel. Im Haus wohnen vier Personen. Der Landrat schaltet die Polizei ein.

In der Meißner Altstadt: Landrat Ralf Hänsel. Den Angriff auf seine Privatsphäre verurteilte er. Zu Gesprächen über die Corona-Politik sei er aber immer bereit.
In der Meißner Altstadt: Landrat Ralf Hänsel. Den Angriff auf seine Privatsphäre verurteilte er. Zu Gesprächen über die Corona-Politik sei er aber immer bereit. © Claudia Hübschmann

Meißen. Großer Schreck am Abend für die Familie des Meißner Landrates. Als Ralf Hänsel am Montag nach Hause kam, standen vier brennende rote Grabkerzen in der Einfahrt seines Privatgrundstücks. Er informierte seine Frau, deren Schreck noch größer war. In dem Haus wohnen insgesamt vier Familienmitglieder, für jedes eine Grabkerze.

"Das ist eine klare Grenzüberschreitung", sagte Ralf Hänsel sächsische.de. "Hier wird die Privatsphäre meiner Familie verletzt." Er hoffe mal, dass sich die Täter im besten Fall nichts dabei gedacht haben. Dennoch stellen die Grabkerzen eine große seelische Belastung für die Familie dar. Hänsel hat die Polizei gerufen, die die Kerzen sicherstellte und Ermittlungen aufgenommen hat.

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Vermutlich ist dieser Angriff im Zusammenhang mit der Corona-Politik des Landkreises, Freistaates und Bundes zu sehen. Hänsel: "Wer seinen Protest zum Ausdruck bringen oder auf Probleme aufmerksam machen möchte, sollte sich offen dazu bekennen und dies an der richtigen Stelle platzieren." Eine richtige Stelle wäre das Landratsamt, nicht aber ein Privatgrundstück. Der Landrat wäre stets zu einem "lösungsorientierten Meinungsaustausch" bereit. Heimlich Grablichter auf seinem Privatgrundstück aufzustellen, sei nicht der richtige Weg.

Eine ähnliche Aktion, allerdings nicht gegen die Privatsphäre, hatten Unbekannte Anfang November gestartet. Sie legten Trauerkränze und Grabgestecke vors Landratsamt in Meißen und die Rathäuser in Pirna und Stadt Wehlen. Mit dem Kranz vor dem Landratsamt Meißen trauerten "Bürger von Moritzburg" um ihre Grundrechte, ihre Freiheit und die Demokratie. Mit der Aktion protestieren die anonymen Absender offenbar gegen die Corona-Schutzverordnung und den aus ihrer Sicht angeblich damit einhergehenden Verlust von Grundrechten. Allerdings richtet sich die Botschaft an die falschen Adressaten: Die Verordnung wurde weder von den Landkreisen noch den Kommunen beschlossen. Der Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) hat die Aktion damals als beschämend verurteilt.

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