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Corona: Apotheker als Schnelltester

In Heidenau wird der Test schon angeboten. Die Nachfrage ist verhalten. Lohmen folgt und bietet noch mehr an. Andere Apotheken stoßen an Grenzen.

Kleiner Test, großer Aufwand - und noch verhaltene Nachfrage, jedenfalls bei der Heidenauer Apothekerin Claudia Benedickt.
Kleiner Test, großer Aufwand - und noch verhaltene Nachfrage, jedenfalls bei der Heidenauer Apothekerin Claudia Benedickt. © Daniel Schäfer

Schnell- und PCR-Test werden auch trotz Impfung weiter gefragt sein. Nach Testzentren wie dem der Johanniter in Heidenau bieten auch immer mehr Apotheken die Tests an. Wenn sie denn die Voraussetzungen haben, und zwar räumlich und personell.

Claudia Benedickt in Heidenau ist eine der Apotheker, die den Schnelltest jetzt anbietet. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, sagt sie. Immer, wenn sie einen Schnelltest machen will, geht zwar der Test schnell, doch das An- und Auszeihen der Schutzkleidung dauert viel länger. Bisher musste sie das noch nicht sehr oft machen. Um genau zu sein: dreimal. Die Frage, warum das Angebot bisher so wenige wahrnehmen, sei schwer zu beantworten bzw. es gibt viele Antworten. "Weil es nicht bekannt genug ist, weil es Geld kostet, weil die Leute die Krankheit ignorieren und das Ergebnis fürchten - über die Gründe lässt sich nur spekulieren", sagt Claudia Benedickt.

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Nachfrage bei Johannitern steigt

Ein Grund für die bisher verhaltene Nachfrage bei Claudia Benedickt könnte auch das Schnelltest-Zentrum der Johanniter ebenfalls in Heidenau sein. Das gibt es seit Dezember. Über die Feiertage waren die Termine ausgebucht. Klar, wer seine Verwandten in Heimen besuchen wollte, brauchte einen negativen Schnelltest.

Die Nachfrage bei den Johannitern ist nach wie vor hoch. Neben den Besuchern in Pflegeheimen kommen jetzt vor allem Berufspendler und Grenzgänger. Das Testzentrum wurde deshalb erweitert. Jetzt gibt es mehrere Warteräume und zwei große Testzimmer mit je vier Testkabinen. Inzwischen führen die Johanniter auch die PCR-Tests durch.

Die Bastei-Apotheke in Lohmen bereitet sich darauf vor, ebenfalls zu testen. Voraussichtlich ab 25. Januar sollen auch hier Schnell- und PCR-Test möglich sein, sagt Apotheker Michael Döpping. Er hat sich mit Ärzten in der Umgebung und seinem Berufsverband abgestimmt. Nun bereitet er noch alles vor, wozu auch die Schulungen gehören. Er wird neben dem normalen PCR-Test, dessen Ergebnis in seinem Vertragslabor ermittelt wird und nach 48 Stunden vorliegt, auch eine Express-Variante in der Hälfte der Zeit anbieten.

Göran Donner, der die Löwen-Apotheke in Dippoldiswalde führt und Vizepräsident der Sächsischen Landesapothekerkammer ist, sagt: „Ich biete momentan keine Schnelltests an. Dazu fehlen mir die räumlichen und personellen Voraussetzungen.“ Auch seine Frau Susanne, die die Heide-Apotheke am Krankenhaus betreibt, macht das derzeit nicht. „Dort steht gerade ein Umbau bevor. Es wäre also auch schwierig, das zu organisieren. Außerdem sind dort in der Nachbarschaft mehrere Arztpraxen, die Corona-Tests anbieten", sagt Donner. Er besitzt auch noch die Apotheke in Rechenberg-Bienenmühle. Dort prüft sein Filialleiter Rico Prasser derzeit, ob er ein benachbartes leerstehendes Ladenlokal nutzen kann, um dort Schnelltests anzubieten.

Auch die Apotheken in Wilsdruff, Kreischa, Possendorf, Mohorn, Altenberg und Geising bieten keine Schnelltests an. "Bei uns scheitert es an den Räumlichkeiten", sagt Fabian Pitzer, Filialleiter der St. Michaelis Apotheke Mohorn. Das ist auch der Grund für die Altenberger Stadt-Apotheke, keine Tests anzubieten. Man bräuchte einen separaten Eingang und Mitarbeiter, die bereit sind, diese Tests zu machen und die dafür Zeit haben.

"Der Aufwand lohnt nicht", sagt Pitzer. Ähnlich sei es in den anderen, eher kleinen Apotheken auf dem Land. Auch die Müglitz-Apotheke in Glashütte bietet keine Tests an. Vereinzelt sei danach gefragt worden, sagt Apothekerin Uta Broßmann. "Wir schicken die Leute nach Dresden und Freital."

Auch wenn die Schnelltests in Apotheken jetzt rechtlich erlaubt sind, hat Donner etwas Bedenken. „Es handelt sich doch um eine Diagnostik, also eigentlich eine ärztliche Leistung. Außerdem werden die Schnelltests rein privat abgerechnet, mit Kosten die zwischen 35 und 50 Euro liegen.“

Was kostet welcher Test bei wem?

  • Hirsch-Apotheke Heidenau: Schnelltests nach telefonischer Anmeldung unter 03529 512250, Termine werden für folgende Zeiten vergeben: Montag, Mittwoch, Freitag 8 bis 11 Uhr und 16 bis 17 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag 16 bis 17 Uhr. Kosten: 30 Euro.
  • Bastei-Apotheke Lohmen: voraussichtlich ab 25. Januar, Anmeldung online, Kosten: Schnelltest 49 Euro, PCR-Test normal 99 Euro, PCR-Test Express 199 Euro.
  • Johanniter-Zentrum Heidenau: Schnelltest 45 Euro, PCR-Test bei privater Bezahlung 150 Euro, online-Termin-Vereinbarung, Zeiten: Montag und Donnerstag 8 bis 17.30 Uhr, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend 8 bis 13.30 Uhr.

Bei allen Anbietern, den Johannitern, der Heidenauer Apotheke sowie der Lohmener ist eine Anmeldung online notwendig. Bei den Johannitern wird auch angeboten, spontan kommen zu können, was aber Wartezeit bedeuten kann. Grundsätzlich werden Schnelltests nur durchgeführt, wenn die Personen symptomfrei sind.

Was können Schnell- und PCR-Test?

  • Antigen-Schnelltest: Sie weisen Eiweißfragmente (Proteine) von SARS-CoV-2-Viren, die sogenannten Antigene, nach. Schnelltests zeigen, ob eine Testperson im Moment des Tests das Virus in sich trägt. Antigen-Schnelltests schlagen vor allem bei einer höheren Viruslast sehr sicher an, also, wenn die Person zum Zeitpunkt des Tests sehr ansteckend sind. Gefordert werden Schnelltest-Ergebnisse u.a. beim Besuch in Pflegeheimen sowie bei Grenzpendlern.
  • PCR-Test: Sie sind im Vergleich zu Schnelltests die zuverlässigere und präzisere Möglichkeit, eine Infektion zu diagnostizieren. Der PCR-Test ist das Standardverfahren. Das Ergebnis zeigt an, ob die getestete Person das Virus akut in sich trägt. Der PCR-Test kann das Coronavirus bereits in geringer Konzentration nachweisen, auch wenn die Testperson noch keine Symptome hat. Vor allem in den ersten zwei Wochen nach einer Ansteckung liefern PCR-Tests die genauesten Ergebnisse.

Viele Apotheken scheitern jedoch an den räumlichen und personellen Voraussetzungen für die Tests. Die personellen sind dabei die drängendsten, denn auch in Apotheken fallen immer wieder Mitarbeiter durch Krankheit oder Quarantäne aus. Deshalb bietet auch Kreisapothekerin Astrid Fabian in ihrer Apotheke im Kaufland Pirna-Copitz keine Schnelltests an. Sie warnt wie auch die Interessenten davor, sich mit einem Schnelltest in falscher Sicherheit zu wiegen. "Die Sicherheit, die der Schnelltest bietet, ist nur eine kurze", sagt sie. Er ist und bleibt eine Momentaufnahme, die im Prinzip alle zwei Tage wiederholt werden muss.

Die bisher drei Heidenauer, die sich bei Claudia Benedickt für einen Schnelltest anmeldeten und ihn durchführen ließen, waren Großeltern. Sie wollten vor einem Besuch der Enkel auf Nummer sicher gehen. (mit SZ/sik, fh, mb)

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