merken
PLUS Wirtschaft

Arbeitslosigkeit wieder so hoch wie vor drei Jahren

Die Zahl der erwerbslosen Sachsen wächst weiter. Ein Grund: Schweißen lässt sich nicht im Homeoffice lernen.

© Larissa Schwedes/dpa

Dresden. Corona beherrscht noch immer den Arbeitsmarkt: Anders als sonst zu dieser Jahreszeit ist die Zahl der Arbeitslosen im Februar gestiegen. Dank des Kurzarbeitergeldes ist zwar das Risiko, arbeitslos zu werden, nicht viel größer geworden. Aber: „Das Risiko, arbeitslos zu bleiben, hat zugenommen“, sagt Klaus-Peter Hansen, Leiter der sächsischen Arbeitsagenturen.

Weniger Menschen als sonst fanden in diesem Februar eine Stelle. Auch die üblichen Qualifizierungslehrgänge bei Bildungsfirmen fanden kaum statt – wegen der Ansteckungsgefahr. Hansen sagte, ein Schweißerpass lasse sich nun einmal nicht digital erwerben.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, nannte als Opfer von Corona vor allem Ältere, Kranke, Migranten und Menschen mit geringer Qualifikation. Die Arbeitsbehörden erreichen auch Jugendliche jetzt schlecht, weil Berufsberatung und Bildungsmessen ausfallen. Allein in Sachsen sind nun fast 12.000 junge Leute unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet, das sind 23 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Ausbildung in geschlossenen Hotels gefährdet

Die Ausbildung liege in vielen Hotelbetrieben seit einem Jahr brach, sagte Claudia Tiedge, stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Zwar gebe es Fördergeld für Firmen, die trotz Kurzarbeit ausbilden, doch es werde zu selten genutzt. Gerade in der Gastronomie drohe die Zahl der Lehrstellen weiter zu sinken.

In Sachsen sind nun insgesamt 140.501 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind fast 21.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent im Februar ist wieder auf demselben hohen Niveau wie drei Jahre zuvor – ein Teil des Aufschwung-Erfolgs ging verloren. Allein im Februar meldeten sich in Sachsen rund 9.300 Menschen arbeitslos, die vorher eine Stelle hatten.

Allerdings fanden auch fast 7.400 Arbeitslose eine Stelle. In den Computern der Jobcenter und Arbeitsagenturen stehen mehr als 35.000 freie Arbeitsplätze – nur passen sie nicht immer zu den Bewerbern. Allein im Februar meldeten sächsische Betriebe 7.585 Stellen bei den Arbeitsbehörden neu als zu besetzen an.

Rote Pfeile: Die Arbeitslosigkeit ist in allen Regionen höher als vor einem Jahr.
Rote Pfeile: Die Arbeitslosigkeit ist in allen Regionen höher als vor einem Jahr. © SZ-Grafik/Gernot Grunwald

Neue Kurzarbeiter auch im Februar

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Sachsen ist trotzdem wieder über 51.000 gestiegen. Es sind jetzt über 14.000 Sachsen mehr als im Februar vorigen Jahres, die länger als zwölf Monate ohne Stelle sind. Von einem „dramatischen Anstieg“ sprach Markus Schlimbach, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen.

Er forderte mehr Hilfsprogramme. Im künftigen Landeshaushalt seien Kürzungen beim Landesprogramm zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit vorgesehen, das müsse abgewendet werden. Doch wegen Corona bieten die Jobcenter derzeit kaum Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Das Kurzarbeitergeld dagegen wirkt: Nach jüngsten Zahlen für November bekamen in Sachsen 15.600 Betriebe Kurzarbeitergeld für 105.000 Menschen. Das waren allerdings deutlich weniger als noch im April, als auch die Industrie stark von den Schließungen getroffen wurde. Damals waren fast 288.000 Sachsen in Kurzarbeit.

Im Dezember mussten erneut Ladengeschäfte schließen, selbst im Februar haben noch einmal mehr als 2.000 sächsische Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Nach einer Schätzung Hansens sind jetzt zwischen 125.000 und 140.000 Sachsen in Kurzarbeit.

Mehr Pendler als Arbeitslose

Hansen sagte bei einem Vortrag vor dem Wirtschaftsrat Sachsen Mitte Februar, er halte für dieses Jahr immer noch eine Fünf vor dem Komma bei der Arbeitslosenquote für möglich – wenn bis zum Sommer dank Impfen „der Brand gelöscht“ sei.

Sein Optimismus speise sich aus Erfahrung: Gastronomiebetriebe könnten sich erholen, sobald sie wieder besucht werden dürften. Die Nachfrage nach Mitarbeitern sei hoch, viele Menschen seien mobil und in Krisen bereit, sich umzuorientieren. Noch immer gebe es mehr Pendler als Arbeitslose.

Ein Jahr neues Einwanderungsgesetz - aber Corona

Wegen der weltweiten Pandemie lässt sich derzeit schwer bewerten, wie das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz wirkt. Es ist vor einem Jahr in Kraft getreten. Seitdem dürfen außer Uni-Absolventen auch Fachkräfte zu Stellensuche nach Deutschland kommen – wenn sie vorher Deutsch gelernt haben und ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Weiterführende Artikel

Corona: 891 Neuinfektionen und kein Todesfall in Sachsen

Corona: 891 Neuinfektionen und kein Todesfall in Sachsen

Inzidenz steigt leicht, bundesweit Gedenken an die Opfer der Pandemie, Attacke bei Corona-Kontrolle in Dresden - unser Newsblog.

Meißen: 762 Landkreisbewohner in Quarantäne

Meißen: 762 Landkreisbewohner in Quarantäne

Der Inzidenzwert im Landkreis Meißen pendelt sich jetzt über 80 ein. Bisher sind 532 Menschen an Corona gestorben.

Fast 30.000 Visa für qualifizierte Fachkräfte und Auszubildende aus Nicht-EU-Staaten sind laut Bundesregierung erteilt worden. Doch es ist unklar, wie viele dieser Menschen tatsächlich eingereist sind. Bundesagentur-Vorstand Daniel Terzenbach sagte: „Wir hätten uns viel mehr gewünscht, aber es ist nicht nichts gegangen.“ Rund 2.000 Fachkräfte kamen über Programme der Bundesagentur in den vergangenen zwölf Monaten nach Deutschland. Sie arbeiten beispielsweise in Pflege und Computertechnik. Doch die Gastronomie steht fast still. (mit dpa)

Mehr zum Thema Wirtschaft