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Warum die Arbeitslosigkeit in Sachsen sinkt

Trotz Corona hat sich Sachsens Arbeitsmarkt im November robust gezeigt. Manche Branchen melden erneut zusätzliche freie Stellen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November in ganz Deutschland 2,699 Millionen Menschen arbeitslos - davon in Sachsen 126.611.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November in ganz Deutschland 2,699 Millionen Menschen arbeitslos - davon in Sachsen 126.611. © dpa

Chemnitz. Da wundert sich auch der Fachmann: Klaus-Peter Hansen findet es „erstaunlich“, dass auch in diesem Jahr die Arbeitslosigkeit im November gesunken ist. Der Chef der sächsischen Arbeitsagenturen sagte am Dienstag in Chemnitz, der Arbeitsmarkt zeige sich relativ unbeeindruckt vom „Lockdown light“, also von der Teil-Schließung der Wirtschaft zu Anfang November.

Bis Mitte des Monats sank die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen verglichen mit dem Oktober um rund 2.000 auf 126.611. Im November vorigen Jahres waren allerdings noch 19.291 Sachsen weniger offiziell arbeitslos gemeldet. Hansen kennt mehrere Gründe dafür, dass es im Herbst keinen Arbeitsmarkt-Schock gab.

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Nachholeffekt: Jugendliche finden später als sonst Lehrstelle oder Job

In diesem November haben mehr Arbeitslose eine Stelle gefunden als vor einem Jahr. Zwar bekamen fast 10.000 Sachsen eine Kündigung oder keine Verlängerung ihres befristeten Vertrages. Doch gleichzeitig fanden 9.500 arbeitslose Sachsen eine Stelle, und 6.000 begannen eine Ausbildung oder geförderte Weiterbildung.

Laut Hansen zeigte sich damit eine Gegenbewegung zur schlechten Entwicklung im Corona-Sommer: Zunächst hatten vor allem junge Menschen die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen – für sie war es schwer, Arbeit oder Ausbildungsplätze zu finden. Inzwischen ließ sich einiges nachholen. Auch die Arbeitsagentur Pirna meldete, dass „die Auswirkungen der Corona-Pandemie teilweise zu zeitlichen Verzögerungen“ bei der Stellensuche nach Schule und Ausbildung führten. Doch im November ging die Zahl arbeitsloser Jugendlicher wieder zurück.

Aussichten: Corona trifft nicht alle Branchen

Sachsens Agentur-Chef Hansen traut sich derzeit keine Voraussage über mehrere Monate zu. „Wir können nicht sehr weit schauen“, sagte er angesichts der jüngsten Schließungen. Doch für die Branchen, die nicht unmittelbar von den Corona-Stilllegungen betroffen seien, erwarte er die übliche Entwicklung zu dieser Jahreszeit – und dann wieder „einen guten Frühling“, wenn sich die Hoffnung auf Corona-Impfungen erfüllten.

Der Dresdner Agenturleiter Jan Pratzka wies darauf hin, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften „den kontinuierlich ansteigenden Kurs der letzten drei Monate“ fortgesetzt habe. Er finde das angesichts geschlossener Gaststätten und abgesagter Weihnachtsmärkte bemerkenswert.

© Grafik: Gernot Grunwald

Sachsen-Unterschiede: Leipzig am stärksten betroffen

Innerhalb Sachsens gibt es immer noch große Unterschiede bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Corona hat Leipzig am stärksten getroffen: Dort ist die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines Jahres um ein Drittel gestiegen, auf fast 25.000. In Dresden dagegen lag der Zuwachs bei 19 Prozent, auf rund 19.000.

Am wenigsten ausgewirkt hat sich das Corona-Jahr auf den Arbeitsmarkt in der Oberlausitz. Dort stieg die Zahl der offiziell Arbeitslosen um zehn Prozent. Allerdings lässt die Wirtschaftskrise die Zahl der Langzeitarbeitslosen wieder wachsen: Jetzt sind fast 46.000 Sachsen länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet.

Kurzarbeit: Mehr als 1.500 Wirte melden sich für November an

Hansen freut sich darüber, dass viele Betriebe auf das Kurzarbeitergeld vertrauen und Beschäftigte halten. Wegen der neuen Schließungen meldeten vor allem Wirte im November Kurzarbeit an. Noch im Oktober hatten lediglich 857 sächsische Betriebe neue Anträge auf Kurzarbeit gestellt oder alte verlängert, im November kamen dann 4.220 dazu – davon 1.343 aus der Gastronomie und 276 aus der Beherbergung. Hinter den Neuanmeldungen vom November stecken bis zu 35.929 Kurzarbeiter. Tatsächlich bezahlt wurde Kurzarbeit bisher für rund 107.000 Sachsen im August, auf dem Höhepunkt im April für 288.000. Das Geld fließt erst nachträglich an die Firmen.

Freie Stellen: Kaum weniger als vor einem Jahr

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Trotz Corona-Krise haben sächsische Betriebe im November 7.182 freie Stellen neu bei den Arbeitsagenturen angemeldet. Das waren nur 672 weniger als ein Jahr zuvor, allerdings 1.420 weniger als im Oktober. Hansens Statistik zeigt, dass rund um Maschinen und Logistik die Nachfrage nach Fachkräften weiterhin steigt. Geschrumpft ist dagegen im November die Nachfrage aus Metallfirmen und auch aus dem Handel. Dennoch stehen nun insgesamt fast 36.000 freie Stellen in den Computern der sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcenter – kaum weniger als vor einem Jahr. Weiterbildung und Ein-Euro-Jobs aber sind derzeit schwerer zu organisieren.

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