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Arbeitsverbot setzt Selbstständigen zu

Eine Innenstadt ohne Geschäfte – für viele Waldheimer ist das unvorstellbar. Einige Händler sehen durch die Corona-Regeln ihre Existenz bedroht.

Uhrmachermeisterin Gudrun Popko (links) und Friseurmeisterin Anja Schüller machen auf die schwierige Lage der Händler aufmerksam.
Uhrmachermeisterin Gudrun Popko (links) und Friseurmeisterin Anja Schüller machen auf die schwierige Lage der Händler aufmerksam. © Dietmar Thomas

Waldheim. Was in manchen Kleinstädten schon Realität ist, haben einige der Waldheimer Innenstadthändler jetzt erst einmal simuliert. In jedem zweiten oder dritten Schaufenster sind statt der Auslagen schwarze oder weiße Planen, Folien oder Rolladen zu sehen. Der Kunde blickt ins Nichts. „Sehen so unsere Städte in Zukunft aus?“, fragen die Händler, die sich an der Aktion beteiligen.

Uhrmachermeisterin Gudrun Popko ist eine derjenigen, die sich um ihre eigene Existenz und ein lebendiges Zentrum von Waldheim Sorgen machen. „Wir haben noch einen guten Branchenmix, arbeiten auch als Geschäftsleute gut zusammen“, erzählt sie. Doch genau das könnte sich rasch ändern. Und davor hat nicht nur Gudrun Popko Angst.

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Friseurmeisterin Anja Schüller bedient eigentlich Kunden im eigenen Geschäft am Obermarkt. Seit Mitte Dezember ist sie von der Politik und deren Corona-Einschränkungen zum Nichtstun verurteilt. Ihre beiden Mitarbeiter musste sie wie schon im Frühjahr erneut in Kurzarbeit schicken. Doch vieles andere muss weiter bezahlt werden. Aber wovon?

Jede Menge unklar über mögliche Corona-Hilfen

„Ich denke mal, auch viele meiner Berufskollegen sind enttäuscht, dass wir nicht arbeiten können. Für uns kam das Verbot überraschend“, sagt Anja Schüller. Für die finanziellen Ausfälle im Dezember kann sie keine Hilfen in Anspruch nehmen.

Ab Januar könnte sie womöglich Überbrückungshilfe III erhalten. „Aber dafür gibt es noch nicht einmal Formulare“, gibt sie die Auskunft ihres Steuerbüros wieder. Nur auf diesem Weg können Selbstständige Unterstützung beantragen.

Doch wann die dann kommen könnte, in welcher Höhe und was alles berücksichtigt wird – unbeantwortete Fragen gibt es viele. „Das alles zermürbt uns“, gibt Anja Schüller zu.

Nur Reparaturen im Schmuckgeschäft sind erlaubt

Ähnlich beschreibt auch Gudrun Popko die Situation. „Wir machen uns gegenseitig Mut: Die Wochen schaffen wir noch, das stehen wir durch.“ Mit diesen Worten würden sich die Geschäftsleute mitunter motivieren. Aber das Ziel fehle. Offiziell gehe der Lockdown jetzt bis Mitte Februar, nicht selten sei aber auch schon von Ostern die Rede. „Das verunsichert einfach“, sagt die Friseurmeisterin.

Während sie den Tag der Wiedereröffnung herbeisehnt, dann aber wegen der Hygienevorschriften trotzdem noch mit Einschränkungen klarkommen muss, können Gudrun Popko und ihr Mann noch die eine oder andere Arbeit erledigen.

Hin und wieder klopft es an der Ladentür des Schmuck- und Uhrmachergeschäftes am Obermarkt. Der eine Kunde will seine Uhr, der andere eine Kette repariert haben, was die Handwerker dann in der Werkstatt erledigen.

Mancher versucht auch per Ferndiagnose mithilfe des Fachmannes am Telefon, die Standuhr zuhause wieder zum Laufen zu bringen. Doch insgesamt könnte damit nur ein Bruchteil des Umsatzes erzielt werden, der Verkauf fehle komplett.

Konsequenzen für die Innenstadt kaum vorstellbar

Gudrun Popko zufolge fordern die Händler eine Perspektive, Zahlen über Hilfen und verlässliche Angaben zu einer Wiederöffnung der Läden. Dass in Sachsen wie in allen anderen Bundesländern im Internet bei den Händlern Bestelltes an der Ladentür abgeholt werden kann, das wäre nach Meinung von Maik Popko schon mal ein Anfang.

Schon jetzt würden einige der Selbstständigen von dem leben, was sie einmal fürs Alter zurückgelegt haben. „Gerade in inhabergeführten Geschäften, von denen es auch in Waldheim noch einige gibt, leben beide von dem, was in den Läden erwirtschaftet wird“, veranschaulicht Gudrun Popko die schwierige Lage, in denen sich manche Händler befinden.

Neben der Politik möchten die Waldheimer Selbstständigen aber auch die Einwohner der Zschopaustadt mit ihrer Schaufensteraktion erreichen. „Wir leben mit und von den Kunden hier“, sagt die Uhrmachermeisterin. Wenn sie nach den Einschränkungen nicht wieder in die Läden zurückkämen und vor Ort kaufen, weil sie Beratung und Service schätzten, sei mancher Geschäftsinhaber mit Sicherheit zum Aufgeben gezwungen.

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Und was bleibt dann? „Die Kommune hat weniger Steuern und Einnahmen, Einwohner ziehen weg, weil die Stadt weniger attraktiv ist“, nennt Gudrun Popko nur zwei der Konsequenzen. Auch für sie ist das schwer vorstellbar: „Wir lieben unser Waldheim“, sagt sie frei heraus.

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