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Weitermachen in der Corona-Krise

Filmemacher haben tschechische Ärzte in Oderwitz und Zittau in der Pandemie begleitet. Die Dokumentation erhielt jetzt einen wichtigen Preis.

Pavel Martinek hat bisher bei Dr. Gottfried Hanzl in Oderwitz gearbeitet. Ein Filmteam begleitete sie im Frühjahr über mehrere Tage. Nun ist der tschechische Kollege zurück nach Tschechien gezogen.
Pavel Martinek hat bisher bei Dr. Gottfried Hanzl in Oderwitz gearbeitet. Ein Filmteam begleitete sie im Frühjahr über mehrere Tage. Nun ist der tschechische Kollege zurück nach Tschechien gezogen. © MDR

Ein Satz bleibt in Erinnerung: "Panik brauchen wir jetzt nicht, auf keinen Fall". Der Oderwitzer Hausarzt Dr. Gottfried Hanzl sagt diese Worte in der arte-Reportage "Weitermachen in der Krise - Leben mit geschlossenen Grenzen", die jetzt in Prag den mit 2.000 Euro dotierten deutsch-tschechischen Journalistenpreis erhalten hat. Gedreht wurde der Film im Frühjahr, am Anfang der Corona-Pandemie. Er würde den Satz heute so wiederholen, erklärt Dr. Hanzl. Auch wenn die Corona-Zahlen jetzt angestiegen sind.

In Oderwitz haben sich bislang mehr als 70 Einwohner angesteckt, 50 sind aktuell noch erkrankt. Als die Reportage für den deutsch-französischen TV-Sender gedreht wurde, war es keine Handvoll Kranke. Dennoch rät der Oderwitzer Arzt von Panikmache ab. Die Situation sei angespannt, meint er. Man müsse das Virus ernst nehmen, aber nicht panisch werden.

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Tschechische Kollegen kehren in ihre Heimat zurück

Dabei hat die Corona-Pandemie auch in seiner Praxis zu Veränderungen geführt. Die beiden tschechischen Ärzte Eva und Pavel Martinek, die bei dem Oderwitzer Arzt angestellt waren, sind nach Tschechien zurückgekehrt und haben dort in einer Gemeinde mit 8.500 Einwohnern vor gut zweieinhalb Monaten eine eigene Praxis eröffnet. Während sie noch überlegten, nach Tschechien zurückzukehren, fragte sie eine befreundete Ärztin, ob sie nicht eine Landarztpraxis in Deutschland wüssten, bei der sie sich bewerben könne. Diese Ärztin ist nun ihr Ersatz bei Dr. Hanzl geworden.

Eva und Pavel Martinek waren der Grund für die Dreharbeiten in der Oderwitzer Praxis. Denn die Filmemacher Heike Bittner und Robert Jahn begleiteten mit der Kamera Tschechen, die in Deutschland arbeiten und manchmal auch leben, und die von der coronabedingten Grenzschließung betroffen waren.

Die Kollegen von Dr. Hanzl, beide Mitte 30, wohnten zuletzt in Zittau. Die Eltern von Eva Martinkova sind in einem Dorf zwischen Liberec und Mladá Boleslav zu Hause. Die Verbindung war eng und die gegenseitigen Besuche regelmäßig. Das sollte von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich sein. Für Pavel Martinek war die Grenze lange nur ein Strich auf der Landkarte, wie er in der gut 30-minütigen Reportage erklärt. Nun braucht er Genehmigungen, um in sein Heimatland und zurück fahren zu können.

Auch in Zittau gedreht

Filmemacherin Heike Bittner, die seit 1996 als freiberufliche Autorin, Regisseurin und Produzentin tätig ist, kannte Oderwitz von früheren Besuchen und wusste, dass Dr. Hanzl tschechische Kollegen beschäftigt. Die gaben ihr gern Auskunft vor der Kamera. Recherchiert wurde in einem "Affenzahn", wie Heike Bittner berichtet. Donnerstag seien die Anfragen gestellt worden und den darauffolgenden Montag wurde bereits gedreht.

Und das nicht nur in Oderwitz. Die tschechische Ärztin Zuzana Clzkova, die seit Februar 2019 mit Katja Pätzold die Praxis von Dr. Marianne und Dr. Dieter Beck an der Äußeren Weberstraße in Zittau weiterführt, wird mit der Kamera begleitet.

Im Gegensatz zu den Oderwitzer Ärzten pendelt Zuzana Clzkova jeden Tag zwischen Deutschland und Tschechien. Die arte-Reportage zeigt die Unsicherheit, die im Frühjahr herrschte. Die tschechische Hausärztin verabschiedet sich an dem einen Tag von ihren Patienten und Mitarbeitern in dem Glauben, dass Pendeln zwischen den beiden Ländern nicht mehr möglich ist. Am nächsten Tag ist sie wieder da, weil Mitarbeitern des Gesundheitsbereichs der Grenzübertritt ohne wochenlange Quarantäne erlaubt bleibt.

Diese Unsicherheit wird in einem Satz von Pavel Martinek deutlich, mit dem er seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, dass die Krise in ein paar Wochen vorbei sein wird. Dass dem nicht so ist, wird ihm und seiner Frau bald klar. Und so entscheiden sie sich nach langem Ringen für die Rückkehr nach Tschechien - nach gut zehn Jahren in Deutschland.

Die Rückkehr spielt in der Reportage keine Rolle - der Dreh war nach acht Tagen beendet und die Doku lief am 16. April bei arte. Aber Heike Bittner nahm im Zuge der jetzigen Preisverleihung noch mal Kontakt zu den Ärzten auf und erfuhr dabei vom Umzug.

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