merken
PLUS Weißwasser

Arzt: Impfzentrum-Schließung ist ein Fehler

Das Löbauer Impfzentrum muss seine Arbeit Ende Juni einstellen. Impfarzt Hans-Christian Gottschalk hält das für unklug.

Dr. Hans-Christian Gottschalk ist Ärztesprecher des Impfzentrums Löbau.
Dr. Hans-Christian Gottschalk ist Ärztesprecher des Impfzentrums Löbau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Corona-Impfzentren der Landkreise werden am 30. Juni geschlossen. Erhalten bleiben nur die in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Die Corona-Impfungen sollen von da an die Hausärzte durchführen. Betroffen von dieser Entscheidung ist auch das Impfzentrum in der Löbauer Messehalle.

Der Sprecher der hier tätigen Impfärzte, Dr. Hans-Christian Gottschalk, hält die Schließung für einen schweren Fehler: „Ich bin enttäuscht. Das ist keine intelligente Entscheidung.“ Er fürchtet, dass durch die Entscheidung das Ziel vereitelt wird, die sächsische Bevölkerung schnell durchzuimpfen.

Anzeige
Immobilienfirma sucht Verstärkung
Immobilienfirma sucht Verstärkung

Lust auf eine Ausbildung in einer dynamischen und zukunftssicheren Branche? Dann bietet sich in Bautzen jetzt eine Top-Chance.

Gottschalk ist auch Mitglied der Sächsischen Impfkommission. Er schrieb bereits am 17. April einen Brief unter anderem an den Ministerpräsidenten und die Sozialministerin, in dem er eindringlich vor diesem Schritt warnte: „Unser gemeinsames Ziel ist es, möglichst bald die Pandemie zu stoppen, um zu einem normalen Leben zurückzukehren.“ Dazu sei es nötig, eine Herdenimmunität der Bevölkerung zu erreichen – also eine Immunitätsrate von 70 Prozent. „Aber wir mussten auch lernen, dass es nicht vertretbar und auch nicht möglich ist, diese Herdenimmunität durch die Erkrankung selbst zu erreichen“, so Dr. Gottschalk.

"Meilenweit vom Ziel entfernt"

Das Ziel sei allein durch Impfungen erreichbar. „Das bedeutet, dass 70 Prozent der Einwohner des Landkreises Görlitz zweimal geimpft werden müssen“, schreibt er – weil alle bislang zur Verfügung stehenden Impfstoffe zweimal verabreicht werden müssen, um einen vollen Impfschutz zu gewährleisten. Diese 70 Prozent wären im Landkreis etwas mehr als 177.000 Personen.

Die einfache Rechnung: das bedeutet, rund 355.000 verabreichte Impfdosen. Mit Stand vom 27. April waren im Impfzentrum und von den zwei mobilen Impfteams 71.230 Impfdosen verabreicht worden, davon rund 21.000 Zweitimpfungen. Gottschalks logischer Schluss: „Wir sind meilenweit von dem Ziel einer Herdenimmunität entfernt. Die Entscheidung, die Impfzentren zu schließen, ist daher unverständlich.“

Dabei sieht er die Impftätigkeit der Hausärzte als wichtigen Baustein, um die Herdenimmunität zu erreichen. „Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung vom Impfzentrum Löbau und den Hausärzten des Landkreises über den 30. Juni hinaus, ist es möglich, den Wettlauf mit dem Virus noch rechtzeitig zu gewinnen“, warnt Gottschalk. Dieser Meinung seien auch zahlreiche Hausärzte, die neben ihrer Praxis im Löbauer Impfzentrum arbeiten.

Dabei wäre die Notwendigkeit des Löbauer Impfzentrums nach Auffassung des Arztes zeitlich überschaubar. „Wenn wir noch ein Quartal lang weitermachen könnten, bis Ende September, wäre das Ziel erreicht“, sagt er. „Das große Ziel, dass alle Hausärzte mitmachen, hat sich leider auch nicht erfüllt.“ Und was sei mit den Patienten der Hausärzte, die sich nicht an den Impfungen beteiligen? „Mal eben zu einem anderen Hausarzt gehen und sagen: einmal Impfen bitte – das wird nicht klappen“, sagt Gottschalk.

Weiterführende Artikel

Die Impfzentren müssen offen bleiben

Die Impfzentren müssen offen bleiben

Die angedachte Schließung vieler Impfzentren in Sachsen wird für eine Frustwelle sorgen, kommentiert SZ-Redakteurin Karin Schlottmann.

Dr. Gottschalk will keine Konkurrenz-Situation zwischen Impfzentrum und Hausärzten aufbauen. „Jeder hat seine eigene Klientel“, sagt er. Nur in Kombination von Hausärzten und Impfzentren sei das Ziel zu erreichen. „Im Rahmen der lokalen Impfstrategie hat jeder der beiden, seine spezifische Aufgabe zu erfüllen. Die hohe Inzidenz im Kreis rechtfertigt nur ein gemeinsames Vorgehen.“

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser