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Dresden: Vom Ruhestand vor die Klasse?

An Dresdens Schulen fehlen ohnehin Lehrer, Corona und Quarantäne verschärfen das Problem. Welche Lösungen es für den Lehrermangel gibt.

Die Corona-Situation verschärft die angespannte Personallage an Dresdens Schulen noch. Eine Lösung ist es, Lehrkräfte aus dem Ruhestand zu holen.
Die Corona-Situation verschärft die angespannte Personallage an Dresdens Schulen noch. Eine Lösung ist es, Lehrkräfte aus dem Ruhestand zu holen. © Armin Weigel/dpa

Dresden. Das Personalproblem an Dresdner Schulen ist nicht neu und der Freistaat begegnet dem bereits mit neu eingestellten Lehrern. Auch im aktuellen Schuljahr konnten viele freie Stellen besetzt werden. Doch angesichts der Corona-Krise reicht das nicht aus. Vor allem die strengen Quarantäne-Regelungen wirbeln derzeit die Stundenpläne der Dresdner Schüler durcheinander, viele Kinder und Lehrer - an diesem Freitag sind es 1.600 - müssen daheim bleiben.

Dass Corona die Situation an den Schulen mit dem sofortigen Beschäftigungsverbot für Schwangere weiter verschärft, bestätigt das Kultusministerium auf SZ-Anfrage. Obwohl längst nicht jede werdende Mutter den Lehrerjob gleich aufgeben wollte. "Da sich tatsächlich einige schwangere Lehrerinnen ans Landesamt für Schule und Bildung gewandt hatten, um trotz Beschäftigungsverbot unterrichten zu dürfen, haben wir die Frage auch mit den Betriebsärzten erörtert", so Sprecher Dirk Reelfs.

Diese hätten sich dagegen ausgesprochen. Der Einsatz von Schwangeren im Präsenzunterricht sei auch im Ausnahmefall und auf freiwilliger Basis nicht verantwortbar, so die Ärzte. "Damit dürfen Schwangere nicht im Unterricht und in unmittelbarer Betreuung von Kindern und Jugendlichen an Schulen eingesetzt werden."

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Damit die Dresdner Schüler dennoch ihren Unterrichtsstoff vermittelt bekommen, gibt es mehrere Lösungen. Eine davon greift auf erfahrenes Personal zurück, das sich eigentlich längst in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat.

Wie viele Lehrer wurden aus dem Ruhestand geholt?

Es gibt keine Erfassung zur Anzahl von Lehrkräften aus dem Ruhestand, die über das Programm "Unterrichtsversorgung" in Dresden an staatlichen Schulen eingestellt wurden, so Petra Nikolov, Sprecherin des Landesamts für Schule und Bildung (Lasub). Es gebe einzelne Bewerber, aber keinen vermehrten Einsatz von Lehrern aus dem Ruhestand.

Das Programm Unterrichtsversorgung greift laut Nikolov immer dann, wenn Lehrer langzeitkrank sind, also etwa Krebs oder einen Burnout haben, sie im Beschäftigungsverbot oder zur Kur sind. Die Arbeitsverträge werden befristet abgeschlossen.

"Der Einsatz im Unterricht richtet sich nach dem angezeigten Bedarf durch die Schulleitungen und nach den zeitlichen Vorstellungen des Bewerbers. So kann es sich um sieben Unterrichtsstunden oder auch um 27 Unterrichtsstunden handeln", so die Sprecherin. Lehrer, die über das Programm Unterrichtsversorgung eingestellt werden, können als Klassenleiter oder Fachlehrer unterrichten und auch Noten geben. "Sie unterrichten jedoch nicht im Alleingang, sondern sprechen sich mit den Lehrerkollegien der Schule ab", so Nikolov.

Wurden auch neue Lehrer eingestellt?

Der Freistaat bemühe sich, freie Lehrerstellen schnell zu besetzen. Das gelingt in Dresden im Vergleich zu den ländlichen Regionen noch relativ gut. So konnten auch in diesem Schuljahr neue Lehrer in Dresden eingestellt werden.

Konkret waren es an den staatlichen Schulen in diesem Jahr 150 neue Lehrer, davon 127 allein im aktuellen Schuljahr.

Was sagen die Schulleiter zur Personallage?

Jens Reichel, Schulleiter des Gymnasiums Bürgerwiese kennt das Problem. "Wir haben einige schwangere Kolleginnen, die ausfallen, und es kommt dadurch zu Stundenausfall". Er freue sich aber natürlich für jede werdende Mutter.

Sein Problem und auch das vieler anderer Schulleiter: Sie können nur Ersatz im Rahmen der Unterrichtsversorgung anfordern, wenn die Lehrerinnen komplettes Beschäftigungsverbot haben und nicht, wenn sie im Homeoffice arbeiten. "Ein zusätzliches Problem ist, dass wir gerade nicht auf Theater- und Museumspädagogen zurückgreifen können wegen Corona. Diese haben auch einige Stunden abgedeckt und diese fallen nun weg", so Reichel.

Susanne Heuer aus dem Dresdner Kreiselternrat berichtet auch von viel Ausfall an den Schulen ihrer Kinder. Sie hat ein Grundschulkind und ein Kind am Gymnasium. "Teilweise betreut eine Lehrkraft zwei Klassen in einer Stunde parallel und wechselt zwischen den Zimmern", so Heuer. Das sei aber auch schon vor Corona vorkommen, da die Personaldecke an den Dresdner Schulen allgemein dünn sein.

Wie lernen die Schüler trotz Ausfall?

Damit Schüler auch zu Hause gut lernen können, etwa mit dem digitalen Programm Lernsax, wurden in diesem Jahr entsprechende Förderprogramme aufgelegt. Eines soll auch jenen Kindern die Chance auf Homeschooling zu bieten, deren Familien sich die Technik dafür nicht leisten können. Im Rahmen der sogenannten "Mobile-Endgeräte-Förderverordnung", die während der aktuellen Corona-Situation durch die Bundesregierung ins Leben gerufen wurde, konnte die Landeshauptstadt jetzt insgesamt 4.300 Laptops für Dresdner Schulen anschaffen.

Damit sollen die Bildungseinrichtungen die Herausforderungen während der Pandemie besser meistern können, so Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU). "Dank des Förderprogrammes konnten wir die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, Kindern und Jugendlichen die bestmögliche Förderung, Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen." Innerhalb von drei Wochen konnten die 4.300 Geräte geliefert, geprüft, inventarisiert und verteilt werden, so Donhauser. Die Schulen könnten nun individuell, schnell und unbürokratisch auf Bedürfnisse vor Ort reagieren.

Die Landeshauptstadt ist zwar Schulträger, überlässt es den Schulen aber selbst zu entscheiden, welche Kinder Geräte erhalten. Im Fokus sollen jedoch Kinder und Jugendliche stehen, bei denen soziale Ungleichgewichte ausgeglichen werden müssen, so Donhauser.

Anne Leitner, Schulleiterin der 145. Oberschule, konnte in dieser Woche die ersten 15 Laptops an Schüler ausgeben, die sich gemeldet hatten, weil ihnen die Technik daheim fehlt. Die Hilfe kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Die 145. Oberschule ist derzeit massiv von Corona-Infektionen und Quarantäne-Fällen betroffen, sodass insgesamt elf Schulklassen ihren Unterrichtsstoff zu Hause über Lernsax erarbeiten müssen.

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