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Dresdner Hotel: Aus der 7-Tage-Woche in den Stillstand

Wie Rita Werner ihr kleines Hotel "Residenz am Schloss" in Lockwitz durch den Lockdown bringt, ohne den Mut zu verlieren.

Udo und Rita Werner lassen sich auch während des zweiten Lockdowns nicht entmutigen.
Udo und Rita Werner lassen sich auch während des zweiten Lockdowns nicht entmutigen. © Marion Doering

Dresden. Man muss auch die guten Seiten sehen. "Wir wohnen jetzt wieder in unserer Wohnung", sagt Udo Werner und lacht. "Also so richtig." In den vergangenen Jahren hätten 56-Jährige uns seine 55-jährige Frau das ausgebaute Dachgeschoss in der Regel nur zum Schlafen aufgesucht. Seit einigen Wochen haben die beiden mehr Zeit. "Der Lockdown hat uns aus der Sieben-Tage-Woche direkt in den Stillstand geführt."

Vergangene Woche hatte Chefin Rita Werner und ihr Mann, der bei ihr angestellt ist, in der "Residenz am Schloss" in Lockwitz einen einzigen Geschäftsreisenden zu Gast. Die Woche davor ebenfalls einen. Auf ihrer Website werben sie unter anderem mit dem Slogan: "Ein Hotel für sich allein", der sich nun einigermaßen grotesk angehört. Gedacht war diese Werbung allerdings für größere Reisegruppen, die ungestört Urlaub machen wollen.

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"Bekannte haben uns für verrückt gehalten"

Von erfahrenen Hotel-Besitzern haben Rita und Udo Werner mal die Weisheit gelernt: "Zimmer leer, Kasse leer."

Innerlich und äußerlich wirkt ihre Herberge, als wäre hier schon Goethe und Schiller - oder wenigstens ihre Zeitgenossen - ein- und ausgegangen. Doch der Schein trügt: Erst vor zwölf Jahren eröffneten Rita und Udo Werner ihr Hotel. Bis dahin hatten sie keinerlei Erfahrungen im Gastgewerbe, waren aber wild entschlossen, ihren Traum wahr werden zu lassen.

© privat

"Einige unserer Bekannten haben uns für verrückt gehalten und nur die wenigsten konnten unsere Vision teilen", erinnert sich Rita Werner. 20 Jahre hatte sie mit ihrem Mann in Thüringen gelebt, bis sie beide in ihre Dresdner Heimat zurückkehrten und 2007 das äußerst sanierungsbedürfte Gebäude Am Plan in Altlockwitz kauften.

Mitte des 19. Jahrhunderts als Spirituosenfabrik genutzt, beherbergte das Haus später über viele Jahrzehnte bis 1973 Wilhelms Gaststätte. "Für viele Nachbarn waren wir deswegen in den ersten zehn Jahren hier auch nur die Wilhelms", sagt Udo Werner.

Weil das Gebäude nach der Wende lange Zeit leer stand, war es in einem grauenvollen Zustand. Immerhin waren die Wände trocken und das Dach dicht. "Innen haben wir aber keinen Stein auf dem anderen gelassen", erinnert sich Rita Werner. Lediglich die Sandsteintreppe im Haus und eine historische Falttür seinen erhaltenswert gewesen. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten, bevor sie ihr Hotel eröffnen konnten.

Errichtet wurde das Gebäude in Altlockwitz einst als Spirituosenfabrik.
Errichtet wurde das Gebäude in Altlockwitz einst als Spirituosenfabrik. © privat

Wäre in dieser Zeit das Corona-Virus in die Öffentlichkeit getreten - es wäre doch eine kurze Hotel-Geschichte geworden. "Kein Frage, dann hätten wir der Bank den Schlüssel direkt zurückgeben können", sagt Udo Werner. Damals hätten sie keinen Knopf mehr in der Tasche gehabt und seien jahrelang nicht in den Urlaub gefahren.

Insofern habe man zumindest das Glück gehabt, sich finanziell erholen und einige Rücklagen aufbauen zu können. "Uns tun besonders die leid, die gerade erst aufgemacht haben."

Hotel übertrumpft große Innenstadt-Herbergen

Ihre Residenz am Schloss stehe im Vergleich dazu wirtschaftlich auf recht sicherem Fundament. Sie selbst verdienten zwar momentan gar nichts, doch dank November- und Dezemberhilfen sei ihr Betrieb bislang nicht in Gefahr. Auch das Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiterin helfe dabei sehr. Zudem haben die Werners zwei ihrer Zimmer dauervermietet. Eins an die Dresdner Verkehrsbetriebe und eins an eine Werbeagentur. "Insofern wollen wir nicht klagen, auch wenn das natürlich trotzdem eine Ausnahmesituation ist", sagt Udo Werner.

Eine Ausnahme, deren Ende noch nicht in Sicht ist. Anfragen für dieses Jahr haben die Hoteliers bislang kaum erhalten. Während Januar und Februar generell eher schwache Monate sind, sei das für den Sommer und Feiertage wie Himmelfahrt schon sehr sehr ungewöhnlich. Wenn doch mal jemand anfragt, dann will er in der Regel wissen, wie lange die Buchungen storniert werden können.

Die Inneneinrichtung lässt die "Residenz am Schloss" historisch wirken. Doch das Haus wurde erst vor zwölf Jahren eröffnet.
Die Inneneinrichtung lässt die "Residenz am Schloss" historisch wirken. Doch das Haus wurde erst vor zwölf Jahren eröffnet. © Marion Doering

Dabei ist das kleine Lockwitzer Hotel mit seinen neun Zimmer längst mehr als ein Geheimtipp in der Region. Die Strategie, besonders die Lage zwischen Dresden und der Sächsischen Schweiz anzupreisen, zahlte sich aus. "Mit der Zeit wurden die Aufenthalte immer länger", sagt Rita Werner.

Im vergangenen Jahr errang ihr Hotel gar die Auszeichnung "Gästeliebing" des Landestourismusverbandes in der Kategorie "Hotel" in Dresden und stach damit sämtliche Luxus-Häuser in der Altstadt aus. Ein Coup, der in der Krise weitgehend unbemerkt blieb.

Bald alles wie vorher? "Glauben wir nicht"

Vorerst müssen sich die Lockwitzer gedulden und auf ein baldiges Ende der Krise hoffen. Dass dann allerdings alles wie vorher sein könnte, daran glauben sie nicht. Vor allem bei den Geschäftsreisen würden sich wohl einige Dinge grundsätzlich ändern.

Sei es drum, Udo Werner und seine Frau Rita nehmen die Situation mit Galgenhumor. Erst neulich sei er zu seiner persönlichen "Kneipentour" aufgebrochen. Die führte ihn allerdings nur von der Lobby in den Gästetreff, wo eine alte kunstvoll verzierte englische Bar steht. "Dort habe ich dann allein mein Bier getrunken", sagt er.

Eine öffentliche Gaststätte wollten die beiden nie betrieben, schon allein wegen des nächtlichen Trubels. Ein bisschen mehr Leben dürfte es aber doch wieder sein.

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