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Was Festung Königstein trotz Corona plant

Der Königstein ist seit November 2020 geschlossen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Hinter den Kulissen werden dennoch neue Ausstellungen vorbereitet. Ein Überblick.

Kurz vor dem zweiten Lockdown: Im Oktober 2020 durften zuletzt Besucher auf die Festung Königstein.
Kurz vor dem zweiten Lockdown: Im Oktober 2020 durften zuletzt Besucher auf die Festung Königstein. © Foto: Jürgen Loesel

Keine Besucher, keine Veranstaltungen: Wegen des Corona-Lockdowns mussten die Tore der Festung Königstein vor viereinhalb Monaten für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Seit 15. März darf das rund neun Hektar große Felsplateau mit seinen Ausstellungen und Museen nun wieder öffnen. Aber nur theoretisch.

Praktisch scheitert die Wiedereröffnung an einem kleinen, aber feinen Detail: einem fehlenden Online-Ticketsystem. Denn Terminbuchungen sind die Voraussetzung dafür, dass Museen und Parks in Sachsen ab dieser Woche wieder Besucher empfangen dürfen. Wegen einer zu langsamen Internetanbindung auf dem Königstein ist das jedoch nicht umsetzbar. Das musste Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein, vergangene Woche mitteilen.

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Dennoch: Taube hofft, dass der Dauerlockdown bald überstanden ist und die Festung, die jährlich normalerweise bis zu einer halben Million Besucher anlockt, im Frühling wieder besucht werden kann. Für den - derzeit noch ungewissen - Neustart werde hinter den Kulissen intensiv gearbeitet, sagt Angelika Taube. Vor allem an neuen Ausstellungen. Denn gleich mehrere Höhepunkte sind 2021 geplant.

Königstein will mit Schau in China werben

Eine der wichtigsten Ausstellungen wird gar nicht auf dem Königstein stattfinden - sondern im rund 8.000 Kilometer entfernten Nanjing in China. Zwischen der Acht-Millionen-Metropole in der Nähe von Shanghai und der Festung besteht eine Partnerschaft. Denn die Stadtmauer in Nanjing und die der Festung haben große bauliche Ähnlichkeiten.

Gebaut wurde die Stadtmauer von Nanjing im 14. Jahrhundert. Mit einer ursprünglichen Länge von etwa 35 Kilometern, von denen heute rund 25 Kilometer noch zu sehen sind, gehört sie zu den längsten erhaltenen Stadtmauern der Welt. Die Mauern der Festung wurden dagegen im 16. Jahrhundert gebaut. Etwa 1.800 Meter lang ist der Steinwall - und genauso begehbar wie die Mauern in Nanjing. Beide Bauwerke sind zudem Denkmal und Touristenattraktion.

Die Stadtmauer von Nanjing in der Dämmerung: Das im 14. Jahrhundert gebaute Bollwerk hat Ähnlichkeiten zu den Mauern der Festung Königstein.
Die Stadtmauer von Nanjing in der Dämmerung: Das im 14. Jahrhundert gebaute Bollwerk hat Ähnlichkeiten zu den Mauern der Festung Königstein. © Nanjing Tourism

Auf dieser Grundlage basiert die Freundschaft zwischen der Festung und dem neu gebauten Stadtmauermuseum in Nanjing. Nachdem auf dem Königstein bereits 2017 eine Ausstellung zur Stadtmauer in Nanjing zu sehen war, folgt nun das Gegenstück in China. "Die Schau soll am 30. September eröffnet werden", sagt Angelika Taube. Das Konzept ist bereits fertig.

Wanderausstellung für den Rest der Welt

In den kommenden Monaten werden noch diverse Exponate nach China geflogen. Darunter sind Originale und Nachbildungen, unter anderem ein Modell des Riesen-Weinfasses, das Blatt Papier mit der ersten urkundlichen Erwähnung der Festung von 1241, eine Büste Augusts des Starken und ein Eisenguss-Mörser - letzterer aus Kunststoff nachgebaut. Gezeigt werden soll zudem frühes Porzellan aus Meißen mit dem roten Drachen im Dekor, der für Glück und Wohlergehen steht.

Erste urkundliche Erwähnung des Königsteins um 1241. Eine Nachbildung des Dokuments wird in China ausgestellt.
Erste urkundliche Erwähnung des Königsteins um 1241. Eine Nachbildung des Dokuments wird in China ausgestellt. © Festung Königstein

Zudem wurde für diese Schau ein neuer Drohnenfilm in chinesischer Sprache gedreht, der die Festung in den vier Jahreszeiten zeigt. "Wir hoffen sehr, dass der Aufbau trotz Corona-Situation gelingt", sagt die Festungschefin, die zusammen mit zwei Mitarbeitern im September nach China reisen will.

Voraussichtlich bis zum Frühjahr 2022 soll die Schau gezeigt werden. Für die Zeit danach gibt es bereits Pläne. "Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann danach an anderen Orten in der Welt für Sachsen werben", sagt Angelika Taube. Eventuell ist ein Stopp in Peking geplant. Auch Frankreich mit seinen vielen Festungen komme dafür in Betracht.

3.000 Jahre alte Scherben als Sensationsfund

Auf dem Königstein sind ebenfalls neue Ausstellungen geplant. Die erste ist die Sonderschau "Viel früher als gedacht", die vom 27. März bis 31. Oktober in der Magdalenenburg zu sehen sein soll. Darin geht es um die frühe Geschichte des Königsteins in der Bronzezeit.

Die Festung wurde zwar erst im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, besiedelt war der Tafelberg aber wohl schon vor 3.000 Jahren. Das belegt ein Sensationsfund, den Archäologen im April 2016 machten. Bei Tiefbauarbeiten legte ein Bagger damals 55 Scherben frei, die aus der Spätbronzezeit (1300 bis 800 v. Chr.) stammen. "Wir hatten schon immer die Vermutung, dass der Königstein schon in der Bronzezeit besiedelt war", sagt Kurator Markus Bitterlich. Bislang fehlte jedoch der Beweis. Nun muss die Geschichte neu geschrieben werden.

Mehr als 3.000 Jahre alt sind diese Scherben, die 2016 bei Bauarbeiten auf dem Königstein gefunden wurden.
Mehr als 3.000 Jahre alt sind diese Scherben, die 2016 bei Bauarbeiten auf dem Königstein gefunden wurden. © Festung Königstein

Die Sonderausstellung beschäftigt sich generell mit der Sächsischen Schweiz in der Bronzezeit. Einer Epoche, aus der es keinerlei schriftliche Überlieferung gibt. Bekannt ist, dass die Region bis ins Mittelalter hinein vor allem ein Durchgangsraum war. Wie die Menschen damals lebten, das will die Schau zeigen. Zum Beispiel anhand von einem Bronzering, der bei Grabungen in Pirna gefunden wurde.

Für Kinder und Jugendliche gibt es zu der Sonderausstellung ein besonderes Begleitprogramm. Kinder ab 4 Jahre können selbst in die Rolle eines Archäologen schlüpfen und mit Schaufel, Sieb und Pinsel nach Schätzen graben. Mädchen und Jungen ab zehn Jahre können Bronzeschmuck und Lederbeutel selbst herstellen - nach historischen Vorbildern. Der Schmuck wird beispielsweise aus gebrauchten Kupferkabeln gemacht.

Fürstenpaar nachgebildet als lebensechte Figuren

Zuwachs bekommt auch die Ausstellung in der Georgenburg. In einem Zimmer sollen lebensecht wirkende Figuren von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und seiner Gemahlin Magdalena Sibylla einziehen. Voraussichtlich im Juli ist das geplant. Der Kurfürst hat die Festung maßgeblich geprägt und 1611 bis 1619 von einer mittelalterlichen Burganlage zu einem Jagdschloss umbauen lassen. Die Georgenburg ist nicht umsonst nach ihm benannt.

Das Gebäude feierte 2019 sein 400-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wurde ein Renaissancefest veranstaltet - mit Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und Magdalena Sibylla als Hauptpersonen. Schauspieler schlüpften dafür in deren Rollen und trugen aufwendige Kostüme. Diese sollen in der Georgenburg an lebensecht nachgebildeten Figuren ausgestellt werden.

Die Gewänder wurden extra für das Renaissancefest angefertigt. Der Stoff wurde in einer Stickerei in Eibenstock verziert. Der wertvolle Schmuck, den das Fürstenpaar trug, wurde von der Dresdner Schmuckgestalterin Brit Kolleß neu gestaltet.

Schmuck für die Gemahlin des Kurfürsten: Magdalena Sibylla trug vor 400 Jahren Ohrringe wie diese, die die Dresdner Schmuckgestalterin Brit Kolleß kreiert hat.
Schmuck für die Gemahlin des Kurfürsten: Magdalena Sibylla trug vor 400 Jahren Ohrringe wie diese, die die Dresdner Schmuckgestalterin Brit Kolleß kreiert hat. © Festung Königstein

Als Vorlage für die Gewänder und den Schmuck diente ein einziges Porträt eines unbekannten Malers von 1617, das in den staatlichen Kunstsammlungen hängt. Darauf nicht zu sehen sind die Schuhe. Diese wurden nach anderen Gemälden als Vorlage per Hand nachgebildet. Interessant dabei: Die Schuhe haben eine gerade Linie, weil es zu dieser Zeit noch keinen linken und rechten Schuh gab.

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