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Auswanderer eröffnen Lokal in Königstein

Beatriz Hetzke stammt aus Teneriffa. Die Liebe verschlug sie in die Sächsische Schweiz. Hier zaubert sie nun spanische Tapas - und das mitten in der Corona-Krise.

Wollen ein Stück spanisches Lebensgefühl nach Königstein bringen: Kai und Beatriz Hetzke (beide 48) mit ihrem Sohn Iván Flores (12).
Wollen ein Stück spanisches Lebensgefühl nach Königstein bringen: Kai und Beatriz Hetzke (beide 48) mit ihrem Sohn Iván Flores (12). © Daniel Schäfer

Ein bisschen verrückt ist es schon. Diesen Satz haben Kai und Beatriz Hetzke in den vergangenen Monaten öfter gehört. Immer wieder müssen sie darüber schmunzeln. Ja, ein bisschen verrückt sind sie tatsächlich. Denn Beatriz Hetzke wird ab 1. Februar ein neues Lokal in Königstein eröffnen. Mitten in der Corona-Krise, mitten im harten Lockdown macht sie sich mit einer Tapas-Bar selbständig.

"Tasca las Flores" heißt das kleine, urige Lokal am Königsteiner Stadtplatz. Drinnen warten rustikale Holzstühle auf die Gäste, an den Wänden hängen Strohhüte und Gitarren, im Fenster reihen sich große Weinballons aneinander. Aus der Küche duftet es nach Chorizo, einer herzhaften spanischen Wurst.

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Es ist Heimatküche, die Beatriz Hetzke hier in Königstein künftig auf die Teller zaubern will. Spanische Gerichte, die schon ihre Mutter und Großmutter gekocht haben: Tortilla, Papas con Mojo und Bocadillo. Letzteres ist das spanische Gegenstück zum Döner. „Ein großes Baguette, das wir Spanier meist mittags essen“, sagt die 48-Jährige.

Von Teneriffa aufs Dampfschiff

Sie selbst stammt aus Teneriffa, hat eine klassische Ausbildung in der Gastronomie hinter sich. Auf der Urlaubsinsel hat sie auch ihren Mann kennengelernt. Kai Hetzke, der ursprünglich aus der Nähe von Cottbus stammt, hat es als gelernter Koch nicht lange in Deutschland ausgehalten. Ihn lockte die große weite Welt. Nach mehreren Jahren auf Mallorca, kam er schließlich nach Teneriffa. Hier bekochte er nicht nur deutsche Urlauber, hier traf er auch auf Beatriz - und verliebte sich. Beide gründeten unter der Sonne der kanarischen Insel eine Familie – mit Sohn Iván, der heute zwölf Jahre ist.

„Nach insgesamt 25 Jahren im Ausland zog es mich irgendwann wieder zurück“, erzählt Kai Hetzke. Auch die berufliche Situation war ein Grund. „Obwohl der Tourismus damals auf Teneriffa noch lief, wurde es immer schwerer, gute Arbeit zu finden“, erzählt er. Also packte die Familie die Koffer. Statt in die Lausitz, ging es für die drei nach Pirna.

Beatriz Hetzke mit Schinken und Käse inmitten ihres neuen Restaurants in Königstein.
Beatriz Hetzke mit Schinken und Käse inmitten ihres neuen Restaurants in Königstein. © Daniel Schäfer

Kai und Beatriz Hetzke heuerten als Koch und Kellnerin bei der Sächsischen Dampfschifffahrt an. Viele der Schiffstouren gingen Richtung Bad Schandau. An Königstein sind sie unzählige Male vorbei geschippert. "Dabei fiel uns eine alte Jugendstilvilla am Schiffsanleger ins Auge", erzählt der 48-Jährige. Sie verliebten sich und zogen schließlich sogar ein.

Imbiss in Königstein sucht Nachmieter

Der Zufall spielte ihnen auch beim Traum vom eigenen Lokal in die Karten. Denn den verfolgt das Pärchen schon länger. Allen voran Beatriz. "Ich wollte immer schon meine eigene Chefin sein", sagt sie. Dass sich dieser Herzenswunsch erfüllt, war vor wenigen Monaten noch undenkbar. In Königstein gibt es zwar leer stehende Gewerberäume, aber nur wenige, die sich als Restaurant eignen würden. "Wir wollten einen zentralen Platz, wie an einer spanischen Promenade", sagt Kai Hetzke.

Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt entdeckten sie Ende letzten Jahres plötzlich einen Zettel an der Tür von "Connys Imbiss" am Stadtplatz. Für den Imbiss, der eine kleine Institution in Königstein ist, wurde ein Nachmieter gesucht. Die bisherige Chefin musste das Geschäft aus privaten Gründen schweren Herzens aufgeben. "Wir haben uns sofort beworben", sagt Beatriz Hetzke. Und den Zuschlag auch bekommen - obwohl es mehrere Interessenten gegeben habe.

"Tasca las Flores" heißt die neue Tapas-Bar am Stadtplatz in Königstein. Mit Blumen hat das übrigens nichts zu tun.
"Tasca las Flores" heißt die neue Tapas-Bar am Stadtplatz in Königstein. Mit Blumen hat das übrigens nichts zu tun. © Daniel Schäfer

Im Januar konnten die Auswanderer den ehemaligen Imbiss beziehen. Die Räume wurden renoviert und in eine urige Tapas-Bar verwandelt. Auf einem Holzschild über dem Eingang prangt seitdem der Name "Tasca las Flores". "Die Königsteiner dachten erst, dass das ein Blumenladen wird", erzählt Beatriz Hetzke mit einem Schmunzeln.

Beim Begriff Flores, der nach Flora klingt, liegt das tatsächlich nahe. In dem Fall hat er aber eine andere Bedeutung. Denn Beatriz ist eine gebürtige Flores. Frei übersetzt heißt das Lokal demnach "Kneipe der Familie Flores". "Das ist ein Stück von mir, das ich nach Königstein mitbringen wollte", sagt die Spanierin mit ihrem sympathischen Akzent.

"Corona muss irgendwann ein Ende haben"

Auch die Corona-Krise hat das Paar von seinen Plänen nicht abhalten können. "Krisen kennen wir bereits von der Sächsischen Dampfschifffahrt", sagt Kai Hetzke, der inzwischen bei der Restauration auf der Festung Königstein angestellt ist. Wenn die Schiffe wegen Niedrigwasser in der Elbe wochenlang nicht ablegen konnten, gab es auch für die Köche und Kellner nichts zu tun. Kurzarbeit war die Folge. "Und Corona muss ja auch irgendwann ein Ende haben", sagt er. Die Hetzkes hoffen, dass spätestens Ostern die Gastronomen in Sachsen wieder normal öffnen dürfen.

Tapas to go übers Fenster

Bis dahin soll die Tapas-Bar per Essen to go laufen. Ein Baguette mit Hühnchen und Salat kostet zum Beispiel 3,80 Euro, die Tortilla 3,70 Euro, Tintenfischringe mit Aioli 5 Euro. Sechs Tage die Woche will Beatriz Hetzke den Laden oder besser gesagt den Fensterverkauf öffnen: ab 1. Februar von 10-17 Uhr. Ein Ruhetag ist geplant. Dieser wird noch festgelegt. "Im Sommer haben wir dann auch länger auf", verspricht die zukünftige Chefin.

Von den Königsteinern und den umliegenden Gastronomen hat die Familie bislang viel Zuspruch erhalten. "Man trifft sich und hilft sich gegenseitig, gibt sich Tipps. Das gibt es nicht überall", lobt Kai Hetzke das gute Miteinander. Spanische Küche ist für die Festungsstadt noch Neuland. Neben typisch deutschen Gasthäusern gibt es ein griechisches Restaurant, eine Pizzeria und einen Asiaten. Mit spanischen Tapas wollen die Hetzkes eine kulinarische Lücke füllen.

Spanische Platte: selbst gemachter Käse, Oliven und Serrano-Schinken.
Spanische Platte: selbst gemachter Käse, Oliven und Serrano-Schinken. © Daniel Schäfer

Das Brot für die Bocadillo-Sandwiches bäckt die Bäckerei Lauermann aus dem Nachbarort Gohrisch. Gemeinsam habe man am Rezept getüftelt, bis der Teig die richtige Konsistenz hatte. Die Eier für die Tortilla stammen von Hetzkes eigenen Hühnern. Diese legen grüne Eier, die den Ruf haben, weniger Cholesterin als herkömmliche Eier zu enthalten. Den Käse, der zum Serrano Schinken gereicht wird, macht Beatriz Hetzke auch selbst - aus Milch von der Agrargenossenschaft in Reinhardtsdorf-Schöna. Kleine Feinheiten, die der Gast schmecken soll.

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"Tasca las Flores", Hainstraße 1, 01824 Königstein.

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