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Schaden die B96-Proteste dem Tourismus?

Ein AfD-Politiker aus Oppach ist der Frage nachgegangen. Die Touristiker sehen offenbar keine Probleme. Dafür gibt es Kritik an der Strategie von MP Kretschmer.

Protest an der B96: Schaden solche Bilder der Beliebtheit der Oberlausitz bei Touristen?
Protest an der B96: Schaden solche Bilder der Beliebtheit der Oberlausitz bei Touristen? © Archivfoto: Matthias Weber/photoweber.de

70 Mails hat Claudio Noack geschrieben. Die Adressaten: Betreiber von Ferienunterkünften in den Gemeinden entlang der Bundesstraße 96. Noack, der für die Alternative für Deutschland (AfD) im Oppacher Gemeinderat sitzt, wollte von ihnen wissen, ob sie negative Auswirkungen für ihre Unternehmen aufgrund der allwöchentlichen Proteste an der B96 bemerken. 

Woche für Woche stehen hier Sonntagvormittag Menschen an der Straße und beteiligen sich am sogenannten "Stillen Protest" gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Maßnahmen. Viele der Protestler sehen sich in ihren Grundrechten eingeschränkt und vom Staat zu stark kontrolliert. 

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Auch Oppach ist eine Hochburg der Proteste. Sowohl innerorts als auch zum Beispiel nahe der Erntekranzbaude am Ortsausgang treffen sich jede Woche Menschen zum Protest an der Straße. Den sozialen Medien ist zu entnehmen, dass sie nicht nur aus der Gemeinde kommen, sondern auch aus anderen Orten, die nicht direkt an der B96 liegen. Ob dieses Bild protestierender Menschen am Straßenrand, die teilweise auch mit Schildern und Parolen ihrem Unmut Luft machen, nicht Touristen und Gäste abschreckt - diese Frage kam nun im Oppacher Gemeinderat auf. Gerät die Region dadurch in Verruf? Immerhin ist mehrfach auch von überregionalen Medien darüber berichtet worden. Die Bilder kennt man also auch außerhalb Sachsens. 

Gäste interessieren sich für Proteste

Deshalb nahm Claudio Noack die Umfrage in Angriff. Der Rücklauf sei zwar nicht sehr gut gewesen. 15 Vermieter hätten auf seine Mail reagiert und eine Antwort geschrieben. "Das ist natürlich nicht unbedingt repräsentativ", räumt der AfD-Gemeinderat ein. Aber ein Trend zeichne sich durchaus ab: Die Befragten haben deswegen keine Flut an Stornierungen zu verzeichnen. Für mehr Probleme habe der Lockdown gesorgt. Insgesamt sei ein Aufwärtstrend zu erkennen, da wegen der weltweiten Pandemie nun viele innerhalb Deutschlands Urlaub machen. "Die Besucher interessieren sich für die Proteste und das Geschehen an der B96 und begrüßen es teilweise, dass die Leute auf die Straße gehen", berichtet Claudio Noack von den Ergebnissen seiner Befragung. Beim größten Teil der Touristen sei das aber überhaupt kein Thema. "Ich sehe da gar keine Probleme für den Tourismus", so Noack. 

Ähnliche Beobachtungen machen auch andere. Michael Görke, Bürgermeister in Kottmar, bestätigt: "Über negative Kommentare von Besuchern ist mir nichts bekannt." Seine Gemeinde liegt ebenfalls zu einem großen Teil an der B96, außerdem unterhält Kottmar gemeinsam mit der Nachbarstadt Ebersbach-Neugersdorf die Touristinformation "Spreequellland". Hier haben die Mitarbeiter ebenfalls viel Kontakt mit Touristen als auch Vermietern. Sorgen um das Ansehen der Region und darum, wie man den Protesten begegnen könnte, machen sich die Bürgermeister der B96-Gemeinden indes schon. Sie haben deshalb eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet. Negative Auswirkungen der Protestaktionen auf den Tourismus oder rückläufige Gästezahlen kann aber auch Michael Görke nicht feststellen. Was hingegen für Probleme sorge, sei die Haltung der Regierung, beklagt der Kottmar-Bürgermeister. 

"Dieses Hin und Her verunsichert alle." Damit meint er, dass es ständig neue Bestimmungen gebe und Ministerpräsident Kretschmer nun wieder die Kriterien für ein Beherbergungsverbot auf den Prüfstand stellen und eventuell ändern will. "Wir hier unten auf der kommunalen Ebene müssen das ja dann umsetzen und wissen gar nicht so recht, was nun eigentlich gerade gilt. Warum zieht man das nicht einheitlich durch?" 

"Kein direkter Einfluss zu merken"

Die Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO) bestätigt die Beobachtungen von Görke und Noack. Die MGO mit Sitz in Bautzen kümmert sich um die touristische Vermarktung der Oberlausitz. Es gebe wenige Anfragen an die Geschäftsstelle, die die B96-Proteste betreffen, sagt Heike Lenz von der MGO auf Nachfrage der SZ. "Nichtsdestotrotz ist das Meinungsbild, das von unserer Region dadurch vermittelt wird, sehr ärgerlich." Aufgabe der MGO sei es, das positive Image der Ferienregion zu vermitteln, erklärt Frau Lenz die Arbeit der Marketinggesellschaft. "Natürlich sind negative Handlungen und die darauffolgende Berichterstattung zum Teil deutschlandweit sehr hinderlich."

Insgesamt beobachten sie und ihre Kollegen aber, dass sich immer mehr Menschen für die Oberlausitz als Ferienregion interessieren und Infos anfordern. Der Inlands-Tourismus entwickle sich sehr positiv. "Hier ist somit kein direkter Einfluss zu merken", so Frau Lenz. Sofern sie und ihre Kollegen in der Bautzner Geschäftsstelle direkt Kontakte mit Touristen haben, bestätige sich eher ein positives Bild der Oberlausitz.

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